Räume für Veranstaltungen sind in Tutzing gefragt. Das gilt nicht für größere Anlässe mit 100, 200 oder mehr Besuchern, sondern auch für kleine Versammlungen, Sitzungen und ähnliches. Was viele nicht wissen: Einen solchen Raum gibt es in der betreuten Wohnanlage an der Bräuhausstraße.
Es handelt sich um den „Thelin-Raum“. Er bietet Platz für 30 bis 40 Personen und steht Tutzinger Vereinen und sonstigen Veranstaltern zur Verfügung, wenn er nicht anderweitig benötigt wird. Der Hauptausschuss des Gemeinderats will dies auch künftig ermöglichen, wie er soeben beschlossen hat.
Kulturreferentin Brigitte Grande sieht dafür großen Bedarf bei Veranstaltungen mit kulturellem Inhalt, von Vereinen und für viele andere Zwecke. Bisher ist der Raum nicht allzu sehr genutzt worden, wie im Hauptausschuss bedauert wurde. Priorität haben sollten Veranstaltungen für Bewohner der betreuten Wohnanlage, meint Armin Heil, der Geschäftsführer der für die Einrichtung zuständigen Ambulanten Krankenpflege. „Für die Bewohner ist es attraktiv, wenn im Haus etwas los ist“, sagt er.
Kürzlich hat sich zum Beispiel nach seinen Worten eine Gruppe gemeldet, die in dem Raum Tanzunterricht abhalten will. Am Mittwoch Abend hat dort ein Stammtisch für die Bewohner der Anlage stattgefunden - mit „zammsitzn, ratschn bei Bier, Wein, Wasser, Saft, Karten spuin, gmiatlich zamm kumma“, wie es die Organisatoren von der Ambulanten Krankenpflege lustig formuliert haben.
Vizebürgermeisterin Elisabeth Dörrenberg, die auch Tutzinger Behindertenbeauftragte ist, bezeichnete es im Hauptausschuss als wichtig, die Angebote auf ältere Menschen abzustimmen. „Das ist auch fürs Klima im Betreuten Wohnen enorm wichtig“, sagte sie. Solche Angebote seien für die Gemeinschaft förderlich, mit ihnen könne man auch der Einsamkeit von Menschen entgegenwirken.
"Ein lebendiges Gemeindeleben braucht Räume"
Externe Nutzung gelten aber darüber hinaus ebenfalls als wichtig, damit der Raum auf Dauer zur Verfügung gestellt werden kann. Wenn die Auslastung weiterhin so gering bleibt wie bisher, dürfte es dagegen schwierig werden. Brigitte Grande hat aber schon viele Ideen. „Ein lebendiges Gemeindeleben braucht Räume“, sagte sie: „Ich bin schon ganz scharf darauf.“ Sie will nun intensiv dafür werben, dass möglichst viele Tutzinger den Raum in Anspruch nehmen. Nach ihren Worten zeigt auch die Volkshochschule hohes Interesse an einer Erweiterung ihres Angebots in Tutzing, für das sie Räume benötigt.
Auch die Ambulante Krankenpflege selbst nutzt den Raum nach Angaben von Heil beispielsweise für Besprechungen oder Fortbildungen. Bernd Pfitzner (Grüne) erkundigte sich nach Möglichkeiten einer Nutzung auch durch politische Gruppen, die oft in Tutzing nur schwer Räume finden könnten. Das sah Bürgermeisterin Marlene Greinwald aber eher kritisch. Den Wirtschaften am Ort sollte nach ihrer Auffassung keine Konkurrenz gemacht werden. „Und es gibt politische Gruppen, die wir nicht so gern hätten“, fügte sie hinzu, „aber wir müssten den Raum dann allen öffnen, die als demokratisch angesehen werden.“
Die Gemeindeverwaltung wird nun nach eigenen Angaben einen Belegungsplan und eine Gebührenordnung ausarbeiten. Die Mietgebühren für den Raum sollen nicht kostendeckend sein - sonst werde es zu teuer. Heil regt an, dieses Angebot mit anderen Räumen in Tutzing zu bündeln, damit die Verfügbarkeit von Räumen für potenzielle Nutzer leicht erkennbar wird. Zuständig in der Gemeindeverwaltung ist Alina Hentschel.
Die Namengeber des Thelin-Raums
Der Thelin-Raum ist nach dem Ehepaar Anna-Greta und Robert Thelin benannt, das fast 30 Jahre in Tutzing gelebt hat. Die Ambulante Krankenpflege hat die beiden schwedischen Staatsbürger bis zu ihrem Tod in ihrer eigenen Wohnung versorgt und gepflegt. Aus Dankbarkeit hinterließen sie der Krankenpflege ein Geldvermächtnis. Mit diesen Mitteln konnte der nach dem Ehepaar benannte Raum in der betreuten Wohnanlage gemütlich ausgestattet werden. Anna-Greta Tehlin verstarb 1998, Robert Thelin 2005.

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