Gemeindeleben
13.1.2019
Von vorOrt.news

Widersprüchliches zur Dachräumung

Regierung rät zum Räumen hoch oben - aber Experten warnen Hausbesitzer zur Vorsicht

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Hoch oben haben fleißige Leute heute am Gröberweg Schnee vom Dach geräumt © L.G.

Wer in Tutzing nach oben schaut, kann zurzeit etliche Menschen auf Dächern beim Schneeräumen sehen. Damit folgen sie vielleicht einer Empfehlung der Regierung von Oberbayern. „Befreien Sie Ihr Dach rechtzeitig von Altschnee“, hat sie schon am 9. Januar geraten: „Wenn die zulässige Schneelast überschritten ist, kann es zu spät sein, denn der Deutsche Wetterdienst hat weiterhin Schneefall vorhergesagt.“ Aufgrund der starken Schneefälle lägen auf den Dächern bereits jetzt hohe Schneelasten, die Schäden bis hin zu Dacheinstürzen verursachen könnten. „Diese Gefahr besteht dann, wenn bei steigenden Temperaturen Tauwetter mit Regen einsetzt“, so die Regierung. Sie ruft deshalb alle betroffenen Hausbesitzer auf, schon jetzt vorsorglich ihr Dach von Altschnee zu befreien - „jetzt beziehungsweise sobald die Wetterlage es zulässt“.

Experten des TÜV Rheinland warnen allerdings: "Wer kleinere Flachdächer selber vom Schnee befreien möchte, sollte äußerst vorsichtig vorgehen." Bei einer dicken Schneedecke sehe man nämlich nicht, wo man hintritt. "Dacheinbauten wie Oberlichter unbedingt kenntlich machen, um Unfälle zu vermeiden", empfiehlt der TÜV. Arbeitende Personen sollten nach seinen Angaben abgesichert sein und den Schnee von verschiedenen Seiten abtragen, um einseitige Belastungen zu vermeiden. Und für Flachdächer großer Hallen gibt es für den TÜV nur eine Methode: "Ist die Schneelastgrenze erreicht, sollte professionelle Hilfe angefordert werden, um das Dach zu räumen."

Hier die Pressemeldung des TÜV Rheinland im Wortlaut:

TÜV Rheinland: Dächer nur von Experten räumen lassen

Der Winter hat Süddeutschland und die Alpenregionen fest im Griff, auch in den kommenden Tagen warnt der Deutsche Wetterdienst vor teilweise sehr ergiebigen Schneefällen. Herausforderungen bringt dies nicht nur im Straßenverkehr, sondern auch für Haus- und Immobilienbesitzer. Einstürze von flachen Dächern und schwere Unglücke wie bei der Sporthalle in Bad Reichenhall sind äußerst selten, dennoch ist klar: Schnee belastet Dachkonstruktionen teilweise erheblich.

Haus- und Immobilienbesitzer sollten nach Empfehlung der Fachleute von TÜV Rheinland die Witterung sehr genau beobachten. Dabei spielt nicht nur der Schneefall selbst eine Rolle. Je nach Menge und abhängig von der Witterung kann sich auch eine zunächst unkritische Schneedecke in eine tonnenschwere Belastung verwandeln. So wiegt Pulverschnee weitaus weniger als nasser und gesättigter Schnee. Wechseln sich Frost- und Tauperioden ab, können kritische Überlasten entstehen. Ein Vergleich: Zehn Zentimeter Pulverschnee wiegen pro Quadratmeter etwa 10 Kilogramm, die gleiche Menge Nassschnee bereits bis zu 40 Kilogramm. Gefriert der Schnee zu Eis erhöht sich das Gewicht schnell auf 90 Kilogramm – und das pro Quadratmeter. Große Hallen mit Flachdächern oder leicht geneigten Dächern sind besonders gefährdet, warnt TÜV Rheinland.

Schnee sammelt sich an Aufbauten

Aufbauten auf dem Hallendach können das Problem noch verschärfen. Ragt beispielsweise ein Treppenhaus aus dem Hallendach hervor, bilden sich an dessen Seitenwänden durch Verwehungen dreieckige Schneekeile, die zusätzlich aufs Dach drücken. Problematisch sind auch die sogenannten Sheddächer, die von der Seite aussehen wie Sägezähne. Fallen große Schneemassen, rutschen sie nach unten und sammeln sich wie in einem Trichter, was die Schneelast enorm verstärken kann. Bei Spitzdächern von Privathäusern dagegen besteht eher die Möglichkeit, dass sich Schneemassen mit der Zeit lösen und unkontrolliert vom Dach rutschen.

Vorsichtsmaßnahmen treffen

Wer kleinere Flachdächer selber vom Schnee befreien möchte, sollte äußerst vorsichtig vorgehen. Bei einer dicken Schneedecke sieht man nicht, wo man hintritt. Dacheinbauten wie Oberlichter unbedingt kenntlich machen, um Unfälle zu vermeiden, empfiehlt TÜV Rheinland. Arbeitende Personen sollten abgesichert sein und den Schnee von verschiedenen Seiten abtragen, um einseitige Belastungen zu vermeiden. Bei Flachdächern großer Hallen gilt: Ist die Schneelastgrenze erreicht, sollte professionelle Hilfe angefordert werden, um das Dach zu räumen.

Quelle Titelbild: L.G.
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