Wenn nun wieder aufs Neue über den Tutzinger Dauerbrenner Seehof diskutiert wird, dann horchen auch ehemalige Kommunalpolitiker auf. Eines der zentralen Themen war der Seehof über viele Jahre für den langjährigen SPD-Gemeinderat Gernot Abendt, der von 2008 bis 2014 dritter Bürgermeister war und seitdem nicht mehr dem Gemeinderat angehört. Er spricht sich für ein Hotel in einer ähnlichen Größe wie das alte Seehof-Hotel aus, ebenso für ein Café am See, wie es damals bestand: „Man sollte das für Tutzing unbedingt notwendige Hotel, das auch eine gewisse Größenordnung haben muss, auf diesem Grundstück errichten.“
Abendt sagt sogar: „Wenn das Hotel aufgegeben wird, ist Tutzing ein armer Ort.“ Die Gemeinde habe schon zuviel aufgegeben, was sie „schön und populär“ gemacht habe. Für die Ortsentwicklung halte er es für falsch, von einem Hotel Abstand zu nehmen. „Wenn man den Titel ‚Erholungsort’ anstrebt, beinhaltet das auch die Gastronomie und Hotellierie.“ Sie seien für einen Erholungsort unerlässlich. Es diene also keineswegs dem Selbstzweck.
"Tutzing hat bereits erheblich an Steueraufkommen verloren"
Abendt erinnert an die Zeiten, als es in Tutzing mehrere weithin bekannte Hotels gab, vom alten Simson-Hotel über das Hotel König Ludwig im Kurhaus bis zum Seehof. Erst kürzlich hat er eine Postkarte aus dem Jahr 1900 erworben, auf der eine Reisegruppe vor dem Hotel Seehof zu sehen ist.
Abendt weist auch darauf hin, dass die Gemeinde Tutzing bereits erheblich an Steueraufkommen verloren habe, vom Abzug des Pharmaunternehmens Boehringer Mannheim - später Roche - über die Stilllegung der Bayerischen Textilwerke bis zu etlichen anderen Unternehmen, die Tutzing verlassen haben. An die Steuerzahlungen der Textilwerke beispielsweise könne er sich noch gut erinnern.
"Die Befürworter eines Hotels haben resigniert"
Zur Abkehr so manches früheren Hotel-Befürworters von der touristischen Nutzung des Seehof-Areals sagt Abendt: „Die Befürworter eines Hotels haben nach meiner Einschätzung resigniert.“ Beim Seehof-Grundstück handele es sich um das „letzte Filetstück am Starnberger See“, aber es sei „zu einem hässlichen Platz verkommen“.
Nicht gelten lassen will Abendt das Argument, dass keiner ein Hotel bauen wolle. „Es waren ja genug Interessenten hier“, sagt er. Die Gemeinderäte seien seinerzeit zum Chiemsee gefahren, um das dortige Hotel des einstigen Seehof-Eigentümers Klaus Wiesner in Prien unter die Lupe zu nehmen: „Da waren alle sehr überzeugt - und zwar nicht nur die Gemeinderäte der CSU.“

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Jeder Käufer dieses Grundstücks wusste um das Nutzungsrecht als Hotel und versuchte im Anschluss, eine Wohnbebauung durchzusetzen.
Die Genehmigung zu einem "Boardinghaus" bedeutet den sicheren Weg in eine reine Wohnbebauung dieses Grundstücks.
Wenn die Gemeinderäte diesem Bauantrag und damit einer Umwidmung des Nutzungsrechts zustimmen, ist es mit deren Glaubwürdigkeit nicht weit her.
Meine Damen und Herren des Tutzinger Gemeinderats, bleiben Sie standhaft und schlagen Sie die entsprechenden Pflöcke ein, um jede weitere Spekulation um dieses Grundstück entgültig zu beenden.