Gemeindeleben
19.8.2018
Von vorOrt.news

Der Mann, der den Direktoren den See zeigte

Tutzings langjähriger Gymnasiums-Hausmeister Peter Macher hat nun mehr Zeit für seine Wasserleidenschaft

Peter Macher ist immer wieder mal in Tutzing. Über die 23 Jahre seiner Hausmeistertätigkeit im Gymnasium haben sich viele persönliche Kontakte aufgebaut. Seine Frau Manuela hat ebenso lange den Nachtdienst verrichtet, alle kannten sie durch den täglichen Pausenverkauf in ihrem „Ladl“. Bei vielen besonderen Anlässen waren die Machers engagiert dabei, so etwa, als bei Theater-Aufführungen unter Leitung der verstorbenen Lehrerin Brigitta Wrana eine zweistöckige Bühne aufgebaut wurde. 1998 wurden Peter und Manuela Macher für gute Zusammenarbeit mit Schülern, Lehrern und Direktorat mit einem "Werner" ausgezeichnet - benannt nach dem damaligen Direktor Werner Hoffmann. Auch den genialsten „Abi-Streich“ haben sie noch gut in Erinnerung: Da wurden die Schultüren mit vielen großen Heuballen versperrt.

Nach wie vor hilft Macher gern, wo er kann. Er ist halt ein „Technikfreak“, wie er selbst sagt. Als junger Mann hatte er in einem israelischen Kibbuz gelebt, er ist ausgebildeter Triebwerkmechaniker, Stahl- und Betonbauer, er war beim Bundesgrenzschutz und wurde bei der Bundeswehr Meister im Berufstauchen. Ähnlich abwechslungsreich ist auch sein Berufsleben verlaufen. Vor seiner Tätigkeit in Tutzing war er Personenschützer bei Führungskräften der Deutschen Bank, anschließend war er beim Industriellen Friedrich Karl Flick verantwortlich für ein großes Schiff sowie für zwei Jagden in Österreich.

Mit vier Tutzinger Schulleitern zur Roseninsel und zurück

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In seinem Element: Peter Macher mit Lehrern auf dem Weg zurück von der Roseninsel © privat

Manch einer hat sich gewundert, als Macher und seine Frau nach so langer Zeit vor Monaten vor Erreichen der Altersgrenze ihre Tätigkeit beendet haben. Aber die berufliche Ära in Tutzing ist für sie vorbei, ihr Leben hat eine neue Wendung erhalten. Macher ist leidenschaftlicher Segler, und für seine Wasserleidenschaft hat er nun mehr Zeit. Sie hatte den gebürtigen Schwabinger auch 1994 nach seinen vorangegangenen wechselvollen Erlebnissen nach Tutzing geführt.

Mit einem gecharterten Katamaran ist er häufig auf dem Mittelmeer unterwegs, Segeltörns bietet er auch für Mitsegler an - Info: http://www.f24piccolino.de/. In seiner Zeit als Hausmeister hat er regelmäßig mehrtägige Fahrten für die besten Abiturienten aus Starnberg und Tutzing organisiert. Auch am Starnberger See besitzt er zusammen mit Partnern ein Boot. Für einige von ihnen, die aus Altersgründen aufhören, sucht er Nachfolger.

Fahrten auf dem See mit Macher waren für viele Lehrer und Schüler des Gymnasiums Erlebnisse, die sie nicht vergessen haben. Die Tutzinger Fischerfamilie Lettner hat Macher für diesen Zweck gern ihr Boot zur Verfügung gestellt - aber nur, weil sie wusste, wie gut er mit ihm umgehen kann. Jeden neuen Direktor hat Macher zu Beginn seiner Dienstzeit auf dem Wasser zur Roseninsel und zurück gebracht. „Da konnte er gleich unseren schönen See kennenlernen“, sagt er. Vier Mal hatte er dazu Gelegenheit: bei den Direktoren Werner Hoffmann (1987-2004), Peter Rink (2004-2005), Thomas Franz (2005-2013) und Bruno Habersetzer (seit 2013).

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Ein Meister seines Hauses

Aus dem Jahresbericht des Gymnasiums Tutzing 2017/18

Den Hausmeister einer Schule als eine Schlüsselfigur der Schulgemeinschaft zu bezeichnen, ist keine Übertreibung, nicht nur weil er ja tatsächlich der Herr der Schlüssel ist. Es trifft auch auf die unzähligen großen und kleinen Dienste und Arbeiten zu, die tagaus tagein erledigt werden müssen, damit der Schulbetrieb läuft. Ein Fenster klemmt, Leuchtmittel müssen ausgetauscht werden, ein Hahn tropft. Die Sicherheit der Tafeln muss geprüft werden, es gibt Probleme mit der Reinigung, Öffnungs- und Schließdienste sind zu versehen und, und, und. Die Liste lässt sich schier unendlich erweitern. Über 23 Jahre war Herr Peter Macher unser Hausmeister und zwar im besten Sinne des Wortes: ein Meister des Hauses, seines Hauses, wie er betont. Zusammen mit seiner Frau Manuela Macher wohnte er in der Schule, das Ehepaar Macher war also irgendwie permanent in Bereitschaft. Ein nach der Stechuhr geregelter Alltag mit strikter Trennung von Beruf und Freizeit war nicht möglich. Abends waren noch die Sportvereine und die Volkshochschule im Haus, abgesehen von den zahlreichen Veranstaltungen der Schule. Frau Macher übernahm dann die Schließdienste. Und sie versorgte mit dem Kiosk, den sie liebevoll "Mein Ladl" nannte, die hungrigen und durstigen Schulkinder in den Pausen. "Wir sind als Rundumpaket eingestellt worden", sagt Frau Macher und trifft den Nagel auf den Kopf. Viele schwierige Bauphasen haben die Machers erlebt und bestritten: die komplizierte Errichtung des Neubaus, den Bau des Mensatraktes, die Renovierung des Nordbaus. Niemand kennt daher das Schulgebäude mit all seinen Tücken so gut wie Herr Macher. Aber auch was die Geschichte der Schule von den Anfängen an betrifft, sind die Machers ausgesprochene Experten. Auf dieses Wissen werden wir nun nicht mehr unmittelbar zurückgreifen können, denn Herr und Frau Macher sind seit dem 31. März 2018 im wohlverdienten Ruhestand. Wir danken Herrn und Frau Macher sehr herzlich für alles, was sie für die Schule geleistet haben, und wünschen viele Jahre bei guter Gesundheit, damit sie die gewonnene Freiheit in vollen Zügen genießen können, bei historischen Studien, auf hoher See, bei Spaziergängen mit Piko und Piksa, dem freundlich-lustigen Hundepärchen, oder ganz einfach zu Hause.

Bruno Habersetzer
Oberstudiendirektor des Gymnasiums Tutzing

Quelle Titelbild: privat
ID: 1072
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Kommentare

Sehr geehrter Herr Goslich,
das ist wirklich ein sehr netter Artikel, vielen Dank !
Bin jetzt wieder mit der Segelyacht unterwegs bis November zwischen Neapel Capri und Sizilien
Wenn Sie mal Mitsegeln wollen dann bitte über Windbeutelreisen.de buchen