Gemeindeleben
18.7.2018
Von vorOrt.news

Bürgerinitiative wendet sich an Feldafing

Gegen Mobilfunk-Mast in Garatshausen - Plädoyer für Gelände nördlich Alter Traubinger Straße

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Der geplante Mast-Standort oberhalb des Sprunglwegs in Garatshausen © L.G.

Die „Bürgerinitiative Tutzing Nord“ wird in Sachen Mobilfunk aktiv. Sie hat sich mit einem Schreiben an die Feldafinger Gemeinderäte gewandt, die sich gestern Abend in einer Sitzung mit dem Thema Mobilfunk befass haben. Dem Schreiben hat die Initiative Flyer „Mobilfunk der Gemeinde Gräfelfing“ beigelegt. Hinzugefügt hat sie außerdem einen Link über das Konzept der Gemeinde Gräfelfing. „An diesem Konzept kann man sehen, wie man mit Positivstandorten vorbeugenden Gesundheitsschutz betreiben kann“, schreiben Caroline Krug und Ulrich Kratzer von der Bürgerinitiative dazu. Sie verweisen auf Untersuchungen und Gutachten, die dies belegten und die man unter dem Link finden könne.

Die Tutzinger Bürgerinitiative bittet die Feldafinger Gemeinderäte, einer Mast-Aufstellung am Ende des Sprunglwegs im Feldafinger Ortsteil Garatshausen nicht zuzustimmen. Die Deutsche Bahn benötige eine Mobilfunkversorgung ihrer Bahnkunden, die durch diesen Mast gewährleistet werden sole. Die in unmittelbarer Nähe des Mastes befindlichen Wohnhäuser im Sprunglweg und Am Schorn wären allerdings stark davon betroffen, so die Initiative, zumal die Masthöhe wegen des hohen Baumbewuchses in der Umgebung mindestens 34 Meter betragen müsse. Nördlich der Alten Traubinger Straße in unmittelbarer Nähe der Bahnunterführung befinde sich freies Gelände, das als Standort schon deshalb besser geeignet sei, weil es näher an der Bahn liege, fast keinen Baumbewuchs aufweise und sich nicht so nahe an bewohntem Gebiet befinde.

Kompromiss zwischen Mobilfunk-Betreibern und Anwohnern angemahnt

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So ein Mast ist in Garatshausen vorgesehen © Deutsche Funkturm

„Die Aussage der Funkturmplaner, dass dann ein weiterer Mast zwischen Tutzing und Garatshausen erforderlich werden würde, ist bei einer entsprechenden Masthöhe am alternativen Standort nicht aufrechtzuerhalten“, erklären die Vertreter der Initiative. Sie betonen, dass sie grundsätzlich Befürworter technisch notwendiger Investitionen seien, zu denen auch die Mobilfunktechnik gehöre.

Der Initiative liegen nach eigenen Angaben etwa „250 Unterschriften von engagierten und auch betroffenen und besorgten Bürgern vor, die sich einen Kompromiss zwischen den wirtschaftlichen Interessen der Mobilfunk-Betreiber und den betroffenen Anwohnern wünschen“. Die Vertreter der Initiative geben sich überzeugt, dass mit dem Verschieben des Standortes eine für beide Seiten tragfähige Lösung möglich wäre. „Wir bitten Sie, im Sinne der Bürger von Tutzing und Garatshausen zu entscheiden“, schreibt die Initiative an die Feldafinger Gemeinderäte, und weiter: "Es sollte nicht die Vorgabe sein, die kostengünstigste Lösung für die Mobilfunkbetreiber zu finden, sondern vielmehr, Standorte zu finden, die die Gesundheit der Bevölkerung am wenigsten beeinträchtigen."

Auch an die Tutzinger Bürgermeisterin Marlene Greinwald hat die Bürgerinitiative ihr Schreiben zur Kenntnis geschickt. Dabei erkundigen sich die Initiatoren danach, ob ein vor Jahren von der Firma Enorm erstelltes „Mobilfunkkonzept Tutzing“ bereits den Gemeinderäten in Feldafing zur Verfügung gestellt worden ist. Der Feldafinger Bürgermeister Bernhard Sontheim habe es in der letzten Bürgerversammlung als wünschenswert bezeichnet, dass auch die Gemeinderäte Feldafings dieses Konzept kennen. „Nur gemeindeübergreifend kann man hier etwas bewirken“, bekräftigen die Vertreter der Tutzinger Bürgerinitiative.

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Das Gräfelfinger Beispiel: "Positivstandorte" sollen Strahlenbelastung senken

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Auch diese Wiese bei Kampberg - aber auf Bernrieder Gebiet - ist als Standort für einen Mobilfunk-Masten ausgewählt worden © L.G.

Die Gemeinde Gräfelfing verfolgt bereits seit mehr als 15 Jahren das sogenannte Gräfelfinger Modell in Sachen Mobilfunk. Ein dort entwickeltes Standortkonzept geht auf eine Initiative von zahlreichen Bürgern zurück, die ein Konzepts zur kommunalen Mobilfunkplanung aus Gründen des Gesundheitsschutzes gefordert haben.

Das von Gutachtern im Auftrag der Gemeinde erstellte Konzept regelt, dass den Betreibern „Positivstandorte“ - das sind von der Gemeinde vorgegebene Standorte - angeboten werden. Sie sollen dafür sorgen, dass die Strahlenbelastung in den Wohngebieten deutlich sinkt, verglichen mit der Belastung durch Mobilfunkantennen auf Dächern. Anstelle von Dachstandorten werden den Mobilfunkbetreibern größere, von mehreren Anbietern gemeinsam zu nutzende Masten angeboten. Dieses Konzept ist inzwischen durch die Gerichte anerkannt und in den Gräfelfinger Bebauungsplänen umgesetzt worden. Der Anspruch auf eine optimale Mobilfunkversorgung lasse es wiederum nicht zu, dass die Gemeinde gar keine oder ungeeignete Standorte - etwa fernab der zu versorgenden Gebiete - ausweise.

Die Gräfelfinger schränken ein, dass bisher niemand mit letzter Sicherheit die Frage beantworten könne, ob Mobilfunk tatsächlich gesundheitsschädlich ist. Aber auch das Gegenteil sei bis jetzt nicht bewiesen. Aus Gründen des vorbeugenden Gesundheitsschutzes habe sich die Gemeinde für ein Mobilfunkstandortkonzept entschieden, bei dem die Wohnbevölkerung möglichst geringen elektromagnetischen Feldern ausgesetzt sei.

Quelle Titelbild: L.G.
ID: 968
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