Der frühere bayerische Landtagspräsident Alois Glück erhält in Tutzing eine hohe Auszeichnung. Am Sonntag, dem 11. November wird ihm im Schloss Tutzing, dem Sitz der Evangelischen Akademie, der „Julius-Itzel-Preis“ verliehen. Die Laudatio hält der frühere Bundestagspräsident Norbert Lammert.
Im Auftrag des Stifters Julius Itzel (1905–1974) zeichnet die in München ansässige Itzel Stiftung Menschen aus, „die jenseits ihrer beruflichen Pflichten ein gesellschaftspolitisch prägendes Lebenswerk geschaffen haben und deren Persönlichkeit und Wirken klar und überzeugend die Werte christlicher Humanität, Moral und Ethik widerspiegeln“. Der mit 50 000 Euro dotierte Preis wird in diesem Jahr zum sechsten Mal verliehen.
Alois Glück, der auch lange Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken war, habe „als mutiger, fähiger und wirksamer Katholik herausragende Verdienste um die Gestaltung von Staat und Kirche in Deutschland“, so die Stiftung. Der Einsatz für die Schwächsten sei für ihn ein zentrales persönliches Anliegen: „Stets setzt er sich für die Bewahrung der Schöpfung ein und für die nachhaltige Weiterentwicklung unserer Lebensräume.“ Dabei bildeten christliche Werte sein zentrales ethisches Fundament.
Glück habe eine Vielzahl von Einflussmöglichkeiten ergriffen und genutzt, um die Regeln einer humanen Gesellschaft zu prägen und weiterzuentwickeln. Im bayerischen Landtag, so die Stiftung, gehörten zu den politischen Schwerpunktsetzungen Alois Glücks insbesondere die Sozialpolitik, die Umweltpolitik und eine nachhaltige Landesentwicklung. Zu seinen persönlichen Engagements zählten unter anderem der Förderverein Caritas-Kinderdorf Irschenberg, die Bürgerstiftung Traunsteiner Land sowie die Arbeit im Stiftungsrat der Deutschen Hospiz- und Palliativ-Stiftung.
Glück: Die CSU hat epochale Veränderungen der Gesellschaft ignoriert
Auch in der aktuellen politischen Lage sorgt Glück durch pointierte Kommentierungen für Aufmerksamkeit. Seiner Partei, der CSU, hat er erst kürzlich in einem Interview vorgehalten, der Hauptteil ihrer Probleme sei hausgemacht. „Man kann die Gründe für dieses schlechte Ergebnis nicht nur bei Anderen suchen, der Hauptteil unserer Probleme ist hausgemacht“, sagte Glück im Gespräch mit der Zeitung „Die Welt“.
In einem Thesenpapier hat er seine Partei vor übereilten Personalentscheidungen gewarnt und stattdessen eine schonungslose Analyse gefordert. Der Bedeutungsverlust der CSU werde rasch zunehmen, warnte er, wenn sich die Debatte vor allem auf wechselseitige Schuldzuweisungen oder gar Machtkämpfe konzentriere.
Einen Grund für das schlechte Wahlergebnis der CSU sieht Glück darin, dass die Partei epochale Veränderungen der Gesellschaft und in der internationalen Entwicklung ignoriert habe. Sie habe auch falsche Schlüsse aus dem Satz von Franz Josef Strauß gezogen, rechts von der CSU dürfe sich keine demokratisch legitimierte Partei bilden. Die Fixierung auf diesen Satz habe zu einer fatalen Fixierung auf die AfD und in der Folge zu hohen Verlusten in der bürgerlichen Mitte geführt. So habe die CSU ein Zerrbild ihrer eigenen Flüchtlingspolitik produziert.
"Verengung des politischen Spektrums hat zum schlechten Ergebnis beigetragen"
Die „Konfliktstrategie“ gegenüber Bundeskanzlerin Angela Merkel sowie das „Projekt Asylwende" macht Glück für hohe Verlusten bei Stammwählern verantwortlich. Die Kommunikation sei zudem oft unscharf und missverständlich gewesen. Notwendige und kontroverse Diskussionen in Parteigremien seien mit der Forderung nach loyaler Gefolgschaft eingeengt worden.
Die CSU habe ihr Gespür als Volkspartei zumindest teilweise verloren. In wichtigen gesellschaftlichen Gruppen wie der Umweltszene, den Sozialverbänden, den kirchlichen Milieus oder der Kultur sei die CSU nicht mehr präsent. Glück spricht von einem „Prozess der inneren Aushöhlung der Volkspartei CSU“.
Auch in verschiedenen Milieus in Bayern sei sie nicht mehr präsent, sie wisse nicht mehr, „was dort gedacht wird und was diese Menschen bewegt“, sagte Glück im Interview mit der „Welt“. Parteichef Horst Seehofer, Ministerpräsident Markus Söder und Landesgruppenchef Alexander Dobrindt verkörperten alle dasselbe politische Spektrum: „Diese Verengung hat auch zu diesem schlechten Ergebnis beigetragen.“
Die CSU erwecke auch zu sehr den Eindruck, allein Partei für Bayern zu sein, sagte Glück: „Damit verzwergt sie sich und macht sich allein zu einer Regionalpartei.“
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