Gemeindeleben
16.11.2017
Von vorOrt.news

Ende in Traubing: Helferkreis löst sich auf

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Traubings Idylle verträgt sich bisher gut mit Flüchtlingen - doch was nun wird, ist unklar © L.G.

Dicke Probleme mit dem Landratsamt waren der Anlass: Der Traubinger Helferkreis für Flüchtlinge hat sich aufgelöst. Das wird auch in anderen Helferkreisen als Signal betrachtet.

Am Mittwoch ist die Entscheidung auf einer Sitzung in Traubing gefallen. Direkter Anlass war ein Hin und Her um einen Flüchtling aus Senegal. Aber auch sonst sei das Verhältnis zum Landratsamt Starnberg „eher ein Gegeneinander als ein Miteinander“ gewesen, sagt Dieter Reuter. Der Traubinger hat in der Organisation des Helferkreises mit SPD-Gemeinderätin Renate Geiger eine Art „Doppelspitze“ gebildet. Er ist tief enttäuscht über die Kreisbehörde.

Die Traubinger bestätigen zwar, dass das Landratsamt generell im Recht sei: Der Senegalese darf sich eigentlich nur in Bamberg aufhalten, dort ist er zugeteilt worden, und es gilt die so genannte Residenzpflicht. Doch er sei krank. Immer wieder ist der Flüchtling in Traubing aufgetaucht, dann haben die Helfer versucht, ihm zu helfen, ihn zum Beispiel in die Flüchtlingsunterkunft in der Rotkreuzalm in Tutzing zu bringen. Aber das, so erzählt es Reuter, habe man ihm praktisch als Beihilfe zum Hausfriedensbruch ausgelegt. Mit anderen Unterstützungen - etwa einem Heizlüfter für den Senegalesen - habe man sich eigentlich strafbar gemacht, sei ihnen vorgehalten worden.

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Über diese scharfen Vorhaltungen wundern sich andere, die sich für Asylbewerber engagieren, sehr. „Etwas verblüfft und befremdet waren wir über den Ton, der hier eine Rolle spielt“, sagt Prof. Jürgen Schade aus Gauting. Er gehört neben Eva Ott (Gilching) und Jürgen Martin (Starnberg) einem dreiköpfigen Sprecherausschuss an, den die Helfer im Landkreis gewählt haben. Dass sich Reuter darüber echauffiert hat, ist für ihn nachvollziehbar.

„Was uns stört ist, dass man nicht kooperiert“, sagt Reuter: „Man entscheidet, ohne uns angehört zu haben.“ Nun ist ihm praktisch der Kragen geplatzt. Er war schon vor der Sitzung am Mittwoch entschlossen, aufzuhören Traubinger Asylhelferkreis vor tiefem Einschnitt Die anderen Mitglieder im Helferkreis tun dies nun ebenfalls. Einzelne Aufgaben wollen einige von ihnen noch im Wege von Patenschaften fortführen, doch die Betreuungstätigkeiten im Helferkreis betrachten sie als beendet.

Und was bedeutet das für die Flüchtlinge? „Die müssen jetzt halt mit jedem Ding, mit jeder Unterschrift, mit jedem Antrag und Formular zum Asylamt gehen“, sagt Reuter.

Übereinstimmend mahnen Reuter und Schade, man müsse zwischen der rechtlichen Situation und der menschlichen Seite differenzieren. „Die Helferkreise sind nach meiner Erfahrung völlig überfordert“, sagt Schade, „ihnen ist das Leben sehr schwer gemacht worden.“ Die Helferkreise seien sowieso schon „abgebröckelt“, in diesem Bereich seien mittlerweile deutlich weniger Bürger aktiv als am Anfang.

Quelle Titelbild: L.G.
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