Gemeindeleben
15.11.2017
Von vorOrt.news

Traubinger Asylhelferkreis vor tiefem Einschnitt

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Traubings Idylle täuscht: Im Helferkreis rumort es © L.G.

Der Traubinger Helferkreis für Flüchtlinge steht vor einem tiefen Einschnitt. Sein Leiter Dieter Reuter will aufhören. Aktueller Anlass ist tiefe Verärgerung. Es geht um einen Flüchtling aus Senegal. Er ist einer Flüchtlingsunterkunft in Bamberg zugewiesen worden, aber immer wieder in Traubing aufgetaucht. Die dortigen Helfer haben sich um den jungen Mann gekümmert, der in dieser Phase auch schon ein paar Mal in psychologischer Behandlung gewesen sein soll. Sie haben ihn zum Beispiel in die Rotkreuz-Alm nach Tutzing gebracht, in der Asylbewerber untergebracht sind. Doch ebenso regelmäßig sind sie von den Behörden zurückgepfiffen worden.

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Fahrt zur Rotkreuzalm ist "Beihilfe zum Hausfriedensbruch"

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Brücke in Traubing: Ob es eine solche auch über den Graben zum Landratsamt gibt? © L.G.

Grund: Wegen der „Residenzpflicht“ gehört der Senegalese nach Bamberg - in Tutzing oder Traubing darf ihm angeblich keine Unterkunft verschafft werden. Mit den Fahrten zur Rotkreuzalm hätten sie praktisch Beihilfe zum Hausfriedensbruch begangen. Reuter war im Landratsamt Starnberg, um doch etwas zu erreichen. Er beschwert sich bitter: Dort sei ihm Hausverbot angedroht worden. Der betreffende Mitarbeiter des Landratsamts soll dazu erklärt haben, Reuter habe angekündigt, er werde mit dem Flüchtling notfalls jeden Tag vor der Tür stehen. Daraufhin habe man ihm gesagt, man werde Maßnahmen treffen, um dies zu unterbinden.

Auch die Tutzinger SPD-Ortsvorsitzende und Gemeinderätin Renate Geiger gehört dem Helferkreis in Traubing an, wo sie wohnt. Sie zeigt sich ebenso fassungslos: Man könne den Mann doch nicht einfach vor der Tür stehen lassen.

Inzwischen haben die Traubinger Helfer beim Amtsgericht für den Senegalesen einen Betreuungsantrag gestellt. Reuter zeigt sich aber entsetzt über das Verhalten der Behörden - auch den Ehrenamtlichen gegenüber. Die würden hier gelobt und dort „an den Rand der Legalität gedrängt“.

Renate Geiger will zwar persönlich weiter für die Flüchtlinge da sein, von denen es in Traubing zurzeit mehr als 30 gibt. Sie hält aber sogar eine Auflösung des Helferkreises für möglich. Dem Landratsamt bestätigt sie rechtlich eine einwandfreie Vorgehensweise. „In Richtung Menschlichkeit“ aber, sagt sie, hätte sie sich „etwas mehr Flexibiltät“ gewünscht.

Quelle Titelbild: L.G.
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