Die Gemeinde Tutzing schreibt die denkmalgeschützte Kustermannvilla im Kustermannpark ab 1. Januar 2027 zur Pacht aus. Die in der Nähe der Villa befindliche gemeindeeigene Bootshütte im Kustermannpark mit Anlegesteg und direktem Seezugang wird zur Miete ausgeschrieben. Beide Verfahren laufen getrennt voneinander - und die Zeit ist knapp: Für die Bootshütte endet die Angebotsfrist bereits am Donnerstag, 15. Oktober, also in gut zwei Wochen. Wer die Villa pachten möchte, hat bis zum 1. November Zeit. Wie und ob es mit dem „Café momo“ weiter geht, das in der Villa seit einiger Zeit eine Mischung aus Café, Concept Store und Eventlocation bietet, wird in der Mitteilung der Gemeinde nicht erwähnt.
Ungewöhnlich ist das Verfahren bei der Kustermannvilla: Eine feste Pachthöhe nennt die Gemeinde nicht. Wer interessiert ist, soll selbst vorschlagen, was ihm oder ihr das Haus wert ist. Zu vergeben sind rund 342 Quadratmeter Hauptnutzfläche, ergänzt um etwa 182 Quadratmeter Nebenflächen in Keller und Dachgeschoss, insgesamt also gut 520 Quadratmeter. Die Villa darf ausschließlich gewerblich genutzt werden, Wohnen ist ausgeschlossen. Wer sich bewirbt, muss sein geplantes Vorhaben beschreiben und ein Profil seines Betriebs oder Unternehmens beilegen.
Der Preis allein soll aber nicht den Ausschlag geben. Die Gemeinde will im Sinne des öffentlichen Interesses abwägen - zwischen den Belangen des Gemeindehaushalts und den Bedürfnissen des denkmalgeschützten Gebäudes. Ausdrücklich erwünscht ist, dass die Villa in gewissem Umfang auch für die Öffentlichkeit zugänglich wird. Wer das bietet, wird bei der Vergabe positiv berücksichtigt. Für Einheimische, die den Kustermannpark als Spazier- und Badeort schätzen, wäre das ein erkennbarer Gewinn. Der Pachtvertrag ist zunächst auf zwölf Monate befristet. Was danach kommt, lässt die Ausschreibung offen.
Bootshütte wird unabhängig von der Villa vergeben
Längerfristig angelegt ist dagegen die Vermietung der Bootshütte: Der Vertrag soll fünf Jahre laufen. Das Startgebot für die monatliche Bruttomiete liegt bei 1800 Euro. Aufs Jahr gerechnet sind das mindestens 21 600 Euro, über die gesamte Laufzeit mindestens 108 000 Euro. Dafür gibt es einen Platz direkt am Wasser samt eigenem Steg. Wer mietet, übernimmt allerdings auch Pflichten: Alle anfallenden Instandsetzungen gehen auf eigene Kosten der Mieterschaft. Ein Pkw-Stellplatz am Objekt ist nicht vorhanden. Die Gemeindeverwaltung betont, dass die Bootshütte vollkommen unabhängig von der Villa vergeben wird. Umgekehrt gehört sie auch nicht zum Pachtobjekt Kustermannvilla.
Ein Haus mit Geschichte und kommunalpolitischer Last
Die Kustermannvilla geht auf den Münchner Unternehmer Max Kustermann zurück. Er hatte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts im damals noch unbebauten Süden Tutzings viel Grund erworben und ließ das Gelände vom Hofgartendirektor Carl von Effner als Landschaftspark im englischen Stil gestalten. Genau genommen war das Gebäude, das die Tutzinger heute Kustermannvilla nennen, ursprünglich ein Wirtschaftsgebäude neben der eigentlichen Villa. Anfang der 1970er Jahre erwarb die Gemeinde Park und Villa. Seither ist der Park öffentlich zugänglich. Auch die Nebengebäude, darunter das Bootshaus, stehen unter Denkmalschutz.
Ruhig war es um das Haus in den vergangenen Jahren selten. Ende 2022 zogen die langjährigen Mieter aus. Die Gemeinde plante damals einen Coworking-Space, übergangsweise arbeiteten dort Künstlerinnen wie die Malerin Gisela Krohn und Danielle Vochims. Der 1992 gegründete Förderkreis Kustermann-Villa & -Park e. V. hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Park und die Villa zu bewahren und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Der Verein warnt seit Jahren vor einem Verkauf der Villa. Sie gilt aber inzwischen als „Pfand“ für die Generalsanierung der Grund- und Mittelschule. Um die Genehmigung dafür zu bekommen, musste sich die Gemeinde bereit erklären, die Villa notfalls zu verkaufen. Die ursprünglich mit 25 Millionen Euro angesetzten Kosten der Schulsanierung sind inzwischen auf 31.2 Millionen Euro gestiegen. Tutzing muss allerdings nicht alles allein tragen, weil es Staatsförderungen und Beteiligungen von Nachbarkommunen gibt. Bei den Haushaltsberatungen im Januar 2026 kam aus dem Gemeinderat der Appell, den Eigenanteil der Gemeinde möglichst ohne Verkauf der Villa zu stemmen. Tendenziell steigende Gewerbesteuer-Einnahmen der Gemeinde stärken die Hoffnung, dass dies gelingen könnte. Der Haushalt wurde damals einstimmig beschlossen. Die jetzt ausgeschriebene Pacht ändert an dieser Grundsatzfrage vorerst nichts. Sie kann aber vielleicht helfen, die Finanzlage der Gemeinde ein wenig zu verbessern.
So kommen Interessenten zum Zug
Angebote müssen schriftlich bei der Gemeindeverwaltung eingereicht werden, für die Bootshütte bis 15. Oktober, für die Kustermannvilla bis 1. November. Weil der 1. November auf einen Sonntag und zugleich auf Allerheiligen fällt, empfiehlt es sich, das Angebot rechtzeitig vorher abzugeben. Auskünfte zu beiden Objekten erteilt Miriam Kleemann vom Liegenschaftsamt der Gemeinde Tutzing: [email protected], Telefon 08158/2502-283.
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