Gemeinde
18.9.2026
Von vorOrt.news

Tutzing geht es finanziell besser

Rücklage ist nicht geschrumpft, sondern aufgefüllt worden - Kämmerin Manuela Goldate legt Jahresrechnung 2025 vor

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Tutzngs Finanzlage hellt sich auf: Erfreulichere Mitteilungen als in den vergangenen Jahren gab es am Dienstag im Rathaus zu hören © L.G.

Eigentlich sollte Tutzings Rücklage im vergangenen Jahr kräftig schrumpfen. Zum Ausgleich des Haushalts war für 2025 eine Entnahme aus der allgemeinen Rücklage von knapp 4 Millionen Euro vorgesehen, was ihren Stand zum Jahresende auf 2,6 Millionen Euro drücken sollte. Tatsächlich aber kam es ganz anders: Zum Jahresende 2025 lagen rund 7,1 Millionen Euro auf der hohen Kante, gut 200 000 Euro mehr als zu Jahresbeginn. Das geht aus der Jahresrechnung 2025 hervor, die Kämmerin Manuela Goldate am Dienstag im Gemeinderat vorgestellt hat. Statt Geld zu entnehmen, konnte die Gemeinde der Rücklage sogar rund 162 000 Euro zuführen.

Der Gesamthaushalt schloss mit rund 38,94 Millionen Euro ab und lag damit nur knapp über dem Plan von 38,57 Millionen Euro. Hinter dieser Punktlandung stecken aber deutliche Verschiebungen. Der Verwaltungshaushalt, der die laufenden Einnahmen und Ausgaben abbildet, erreichte gut 32,15 Millionen Euro statt der geplanten 29,48 Millionen, also fast 2,7 Millionen Euro mehr. Der Vermögenshaushalt für Investitionen blieb dagegen mit 6,7 Millionen Euro deutlich unter dem Ansatz von 9,09 Millionen Euro. Darin enthalten sind 2,2 Millionen Euro an neuen Haushaltsresten. Das ist Geld, das bereits für bestimmte Vorhaben eingeplant ist, aber erst später ausgegeben wird. Alte Haushaltsreste von 1,4 Millionen Euro wurden gelöscht.

Die wichtigste Kennzahl für die finanzielle Leistungsfähigkeit ist die Zuführung vom Verwaltungs- in den Vermögenshaushalt. Geplant war eher zurückhaltend eine Zuführung von 881 700 Euro. Tatsächlich konnte die Gemeinde 3,7 Millionen Euro überweisen, mehr als viermal so viel.

Gewerbesteuer und Kita-Förderung bringen Millionen mehr

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Wirtschaft bringt Geld: Die Gemeinde Tutzing hat 2025 rund 10 Millionen Euro Gewerbesteuer eingenommen - und vielleicht wird es noch mehr. Noch ist Platz für weitere Unternehmen, so beispielsweise unterhalb des Lobster-Gebäudes an der Bahnhofstraße © L.G.

Auf der Einnahmenseite zählte die Kämmerin nach eigenen Angaben rund 2,2 Millionen Euro Mehreinnahmen allein bei den wichtigsten Posten. Die Gewerbesteuer brachte rund 10 Millionen Euro und damit etwa 650.000 Euro mehr als die veranschlagten 9,4 Millionen. Der Gemeinderat hatte bei den Haushaltsberatungen Anfang 2025 eine Erhöhung des Gewerbesteuer-Hebesatzes vom langjährigen Stand von 300 Prozent auf 330 Prozent beschlossen. Der Anteil an der Einkommensteuer lag mit 9,4 Millionen Euro rund 324 000 Euro über dem Plan. Die Grunderwerbsteuer hatte die Verwaltung vorsichtig mit 320 000 Euro angesetzt, weil sie in den Vorjahren immer weiter zurückgegangen war. Eingenommen wurden aber 530 000 Euro. Auch die Zweitwohnungsteuer (454 000 statt 440 000 Euro), die Grundsteuer B, die Einkommensteuerersatzleistung (682 000 statt 660 000 Euro), die Friedhofsgebühren (274 000 statt 230 000 Euro), die Wassergebühren (1,3 statt 1,2 Millionen Euro) und die Parkgebühren (195 000 statt 180 000 Euro) brachten mehr als erwartet.

Einen großen Sprung gab es bei der staatlichen Betriebskostenförderung für die Kindertagesstätten. Geplant waren 2,1 Millionen Euro, eingegangen sind 2,8 Millionen Euro. Allerdings, so Goldate, stünden dem auch höhere Ausgaben gegenüber. Für die Kinderbetreuung waren 4,2 Millionen Euro veranschlagt, ausgegeben wurden fast 4,7 Millionen Euro. Allein diese größten Einnahmeposten der Gemeinde summieren sich gegenüber der ursprünglichen Planung auf eine Erhöhung um 2,2 Millionen Euro.

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Das seit ein paar Jahren im Ortsteil Kampberg ansässige Unternehmen W.A.F. trägt viel zur Erhöhung der Gewerbesteuereinnahmen von Tutzing bei. Auf der dem Firmengelände gegenüberliegenden Seite plant der Anbieter von Seminaren für Betriebsräte eine Erweiterung. © L.G.

Unbesetzte Stellen sparen rund 640 000 Euro

Auch bei den Ausgaben weicht die Rechnung vom Plan ab. Die Kreisumlage, der größte Ausgabenposten, stand schon bei der Aufstellung des Haushalts fest. Weil Tutzing mehr Gewerbesteuer eingenommen hat, musste die Gemeinde aber auch mehr Gewerbesteuerumlage abführen: 1,4 Millionen statt der veranschlagten einen Million Euro. Bei den Personalausgaben dagegen gab es eine nicht unerhebliche Einsparung. Statt 6,1 Millionen Euro fielen nur 5,4 Millionen Euro an, weil verschiedene Stellen nicht oder erst später besetzt wurden.

Teurer als geplant wurde der Unterhalt der gemeindlichen Gebäude mit 1,04 Millionen statt 811 000 Euro. Das gilt auch für die Planungskosten für Bebauungspläne mit 314 000 statt 230 000 Euro. Beim Straßenunterhalt blieb die Gemeinde mit 131 000 Euro unter dem Ansatz von 200 000 Euro, bei den Schulen mit 1,345 Millionen knapp unter den geplanten 1,37 Millionen Euro. Unterm Strich summierten sich die Einsparungen bei den größten Ausgabenposten auf gut 440 000 Euro.

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Die Hauptstraße stand 2025 bei den Investitionen der Gemeinde Tutzing mit mehr als 2 Millionen Euro ganz vorn. Hier ein Blick auf den "Josefaplatz" und den Neubau des Unternehmens Wilma., © L.G.

Hauptstraße und Mittelschule prägen die Investitionen

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Die Sanierung der Mittelschule ist nun doch schneller vorangegangen als befürchtet - zum Schuljahresbeginn konnte der Unterricht in den neuen Klassenzimmern beginnen. Doch die Kosten steigen deutlich - und nur ein kleinerer Teil davon ist bisher über den Gemeindehaushalt gelaufen © L.G. - Effizienzsprung bei der Mittelschule

Bei den Investitionen stand die Hauptstraße ganz vorn. Für ihre Sanierung wurden einschließlich der Haushaltsreste rund 2,34 Millionen Euro verbucht. Die Erneuerung der Wasserleitung dort kostete 968 000 Euro. Im Haushaltsplan waren dafür 700 000 Euro vorgesehen. Für die Feuerwehren gab die Gemeinde insgesamt rund 407 000 Euro für Fahrzeuge und Ausstattung aus, davon rund 185 000 Euro für die Feuerwehr Traubing.

Rund um die Grund- und Mittelschule wurde es in mehreren Punkten teurer. Für den Pausenhof waren 46 000 Euro eingeplant, ausgegeben wurden 137 000 Euro. Die Sanierung der Mensa kostete 509 000 statt 470 000 Euro. Diese Arbeiten laufen über den gemeindlichen Haushalt und nicht über das Unternehmen Bayern-Grund, das die Sanierung vorfinanziert. Die Auslagerung des Mittelschulunterrichts in die Feldafinger Kaserne schlug mit 322 000 statt 290 000 Euro zu Buche. Bei den Zuweisungen aus dem Finanzausgleich für die Schulsanierung hatte die Gemeinde mit 560 000 Euro gerechnet, erhalten hat sie bisher nur 158 000 Euro. Die Auszahlung richtet sich nach dem Ausgabenstand. Die Nachbargemeinden Pöcking, Feldafing und Bernried beteiligen sich an der Sanierung für ihre Schülerinnen und Schüler. Hier ging mit rund 1,385 Millionen Euro fast der erwartete Betrag ein. Eine erfreuliche Überraschung waren 348 000 Euro an Fördermitteln für die Würmseehalle, mit denen die Gemeinde nicht gerechnet hatte.

Die eigentlichen Großbeträge für die Mittelschule stehen allerdings noch aus. Bayern-Grund wird seine Leistungen erst am Ende der Baumaßnahmen abrechnen. Wie es mit den Kosten für Tutzing aussieht, nachdem eine Erhöhung der Gesamtkosten auf mehr als 31 Millionen Euro festgestellt wurde, muss sich zeigen. Als noch von 25 Millionen Euro Gesamtkosten ausgegangen wurde, war zuletzt mit einem Tutzinger Anteil von rund 10 Millionen Euro gerechnet worden, nach Abzug staatlicher Förderungen und der Beiträge von Nachbargemeinden.

Schulden sinken unter eine Million Euro

Neue Kredite hat die Gemeinde Tutzing im vergangenen Jahr nicht gebraucht, auch keine Kassenkredite zur Überbrückung von Zahlungsengpässen. Die Rücklage habe ausgereicht, um jederzeit zahlungsfähig zu bleiben, berichtete die Kämmerin. Die Mittel, die kurzfristig verfügbar sein müssen, habe die Gemeinde zwischenzeitlich gut anlegen können. Der Schuldenstand sank von 1,082 Millionen Euro zu Jahresbeginn auf 974 000 Euro zum Jahresende. Davon sind 168 000 Euro so genannte rentierliche Schulden für das Wasserwerk, deren Schuldendienst über Beiträge und Gebühren finanziert wird. Der Rest stammt aus dem Kredit für den Bau des Kinderhauses an der Traubinger Straße. Die Pro-Kopf-Verschuldung liegt damit bei 98 Euro. Den Durchschnitt aller bayerischen Gemeinden hatte die Gemeinde bei den Haushaltsberatungen Anfang 2025 mit 838 Euro angegeben.

Lob für den neuen Takt bei der Rechnungsprüfung

Dass die Jahresrechnung jetzt im September vorliegt, wurde im Gremium ausdrücklich gewürdigt. Zum Vergleich: Den Prüfungsbericht zur Jahresrechnung 2024 hatte der Rechnungsprüfungsausschuss erst in der Gemeinderatssitzung am 7. Juli 2026 vorgetragen. Gerald Herrmann (Grüne) dankte der Verwaltung für die intensive gemeinsame Arbeit über den Sommer. Damit sei es gelungen, die von ihm im Juni geäußerte Kritik auszuräumen. Nun seien Jahresrechnung, Rechenschaftsbericht und Rechnungsprüfung wieder im vorgesehenen Rhythmus. Die Zusammenarbeit mit Kämmerin Goldate sei großartig gewesen und habe außergewöhnlich viel Spaß gemacht. Die Entwicklung sei vorbildlich, darauf könne man stolz sein.

Wie es weitergeht

Mit dem Beschluss vom Dienstag nahm der Gemeinderat die Jahresrechnung samt Rechenschaftsbericht zur Kenntnis und beauftragte den Rechnungsprüfungsausschuss mit der örtlichen Prüfung. Gegenstimmen gab es nicht. Der Ausschuss tagt nichtöffentlich und prüft die Jahresrechnung nach Artikel 103 der Gemeindeordnung. Seine erste Sitzung ist für kommende Woche angesetzt. Nach der Prüfung stellt der Gemeinderat die Jahresrechnung abschließend fest. Den Haushalt 2025 hatte der Gemeinderat am 28. Januar 2025 einstimmig beschlossen, einen Nachtragshaushalt brauchte es im Jahresverlauf nicht.

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