Gemeinde
15.5.2026
Von Lucie Vorlíčková

Caroline von Bayern lebendig erzählt

Historiker und Autor Christian Sepp begeistert im Kulturtheater Tutzing

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Eine Biografie auf Grundlage verloren geglaubter Briefe an ihren Ehemann König Max I. Joseph, die auf Schloss Tegernsee gefunden wurden. Drei Jahre bearbeitete Historiker Christian Sepp mit Hilfe seiner Mutter diesen historischen Fund. Bei über 500 Briefen – alle in französischer Sprache in zierlicher Handschrift – eine bemerkenswerte Leistung. Der Innenumschlag des Buches enthält - jedoch wesentlich vergrößert – einen Briefabdruck. So kann der Leser sich besser einen Begriff davon machen, wie aufwändig die Recherche zu dieser wirklich empfehlenswerten Biografie war.

Trotz des bevorstehenden Feiertags zog es am Mittwochabend 40 Besucher ins Kulturtheater Tutzing: Historiker und Autor Christian Sepp war zu Gast und präsentierte seine neue Biografie über Caroline von Bayern, die erste Königin Bayerns und Ehefrau von Max I. Joseph.

Christian Sepp gilt als herausragender Kenner der Wittelsbacher und ist für seine akribische Recherche ebenso bekannt wie für seine lebendige Erzählweise. Mit Charme und großer Sachkenntnis gelang es ihm, die oft komplexen politischen und familiären Verflechtungen der europäischen Königshäuser dem Publikum anschaulich und sehr unterhaltend zu vermitteln. Dabei spannte Sepp den Bogen von den Folgen der Französischen Revolution bis zu Napoleons Einfluss auf Bayern und machte deutlich, wie sehr diese Umbrüche auch Bayern politisch und gesellschaftlich prägten.

Besonders eindrucksvoll war die Entstehungsgeschichte seiner neuen Biografie: Lange galt der schriftliche Nachlass Carolines als im Jahr 1945 in Dresden verbrannt. Doch auf Schloss Tegernsee entdeckte Sepp mehr als 500 Briefe der Königin an ihren Ehemann – vergessen in Kartons und über Jahrzehnte unbeachtet. Das Buchprojekt stand zunächst vor dem Aus, da die Briefe auf Französisch verfasst waren. Gemeinsam mit seiner das Französische beherrschende Mutter sichtete, übersetzte und wertete Christian Sepp die Dokumente schließlich über einen Zeitraum von drei Jahren aus.

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Autorenlesung im Kulturtheater: Zum 250. Geburtstag von Bayerns erster Königin erschien nun eine Biografie, für die der Historiker Christian Sepp (rechts) zum ersten Mal Carolines Briefe an ihren Ehemann, König Max I. Joseph, ausgewertet hat. Vorstand Lucie Vorlíčková bedankt sich bei dem Autor und Stiftungsvorstand Stefanie Knittl (2. links) der gemeinnützigen Baumeister Knittl-Stiftung für die Initiierung dieses Abends und deren großzügigen Spende für das Kulturtheater Tutzing.
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Auftaktveranstaltung der neu gegründeten gemeinnützigen Baumeister Knittl-Stiftung

So gelingt es ihm, Caroline von Bayern erstmals als eigenständige Persönlichkeit sichtbar zu machen: als Bayerns erste Königin, erste protestantische Ehefrau eines bayerischen Herrschers und Symbolfigur einer frühen Toleranzpolitik. Auch ihre kulturelle Seite wird in der Biografie lebendig – unter anderem durch erstmals veröffentlichte Zeichnungen aus ihrer eigener Hand.

Ein rundum gelungener Abend – nicht nur für Geschichtsinteressierte, sondern für alle, die Geschichte lebendig erzählt erleben möchten. Weitere Einladungen an Christian Sepp ins Kulturtheater Tutzing dürften daher sehr willkommen sein.

Das Kulturtheater sagt herzlichen Dank an Stefanie Knittl, die Christian Sepp eingeladen hat. Denn der Abend war zugleich die Auftaktveranstaltung der neu gegründeten gemeinnützigen Baumeister Knittl-Stiftung, deren Vorstand sie ist. Die Stiftung widmet sich unter anderem der Kulturförderung und unterstützt großzügig auch das gemeinnützige Kulturtheater Tutzing.

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Viele beeindruckte Besucher nutzten im Anschluss an die Lesung und die offene Fragerunde dann auch noch die Signierstunde zum persönlichen Austausch mit dem sehr sympathischen Autor - der schier unermüdlich immer wieder aufs Neue eine Besonderheit zu erzählen wusste. So z.B., dass Carolines Krönung zur Königin ohne feierlichen Krönungsakt stattfand.
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Über den Autor
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Lucie Vorlíčková

Lucie Vorlíčková ist 1. Vorstand des Kulturtheater Tutzing e.V.

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Kommentare

Ich bin mit Neugier, aber mit wenig Vorkenntnissen zu der Veranstaltung gegangen und bekam einen erfrischenden Einblick in die Bayerische Geschichte. Enthüllungen über eine unbekannte Biografie helfen, ganze Zusammenhänge von damals und heute besser aufzufassen. Danke an das Kulturtheater und an alle Mitwirkenden für diese kulturelle Bereicherung.