Mit inzwischen mehr als 10 000 Einwohnern sei Tutzing kein kleiner Ort mehr, sagte Bürgermeister Ludwig Horn am Montag bei der Bürgerversammlung. „Aber es gibt ein gutes Gemeinschaftsgefühl“, fügte er hinzu. Er dankte den zahlreichen Einheimischen, die bei vielen Gelegenheiten sehr hilfsbereit seien, in den Vereinen, bei allen möglichen Projekten, wo immer es Unterstützungsbedarf gibt.
Bei der Bürgerversammlung selbst war nur ein kleiner Teil der Tutzinger Bevölkerung anwesend: Etwa 90 Personen kamen in den „Heinrich-Oberreuter-Saal“ der Akademie für politische Bildung. Aber Horn, der immer wieder die Bedeutung der Kommunikation betont, hofft mit einer neuen Methode auf eine größere Verbreitung auch bei denen, die nicht dabei waren: Erstmals wurde eine Bürgerversammlung gefilmt.
Diese Aufgabe hat der Fotograf und Filmemacher Eric Gersdorf übernommen, der seit etwa drei Jahren mit seiner Frau in Tutzing wohnt und schon einige lokale Projekte ideenreich gestaltet hat https://www.munichmovie.info/youtube-projekte Etwa von Mitte nächster Woche an soll die Aufnahme von der Bürgerversammlung im Internet, auf der Webseite der Gemeinde, zu sehen sein.
Die zweite von sechs Bürger- und Ortsteilversammlungen in diesem Jahr
Die Übertragung einer Bürgerversammlung - wenn auch bisher nicht "live", sondern zeitversetzt - ist nur ein Beispiel für Horns Bemühungen, die Kommunikation mit der Tutzinger Bevölkerung zu stärken. Insgesamt sechs Bürger- und Ortsteilversammlungen hält er in diesem Jahr von Juni bis November ab. Sechs Bürger- und Ortsteilversammlungen Im Ortsteil Traubing war am 17. Juni der Anfang, gestern ging es quasi im Zentrum der Gemeinde weiter. Im Juli ist Kampberg an der Reihe, im September Unterzeismering, im Oktober Diemendorf und im November folgen zum Abschuss Monatshausen und Neuseeheim in einer gemeinsamen Versammlung.
Viel mehr Informationen aus dem Rathaus
Auch sonst probiert Horn alle möglichen und zum Teil auch neue Formen der Kommunikation aus. In einem Podcast, mit dem er im Bürgermeister-Wahlkampf begonnen hat, geht er – meist zusammen mit fachkundigen Personen – regelmäßig auf konkrete Tutzinger Themen ein. Bisher hat er unter anderem schon ausführlich die Sanierung der Mittelschule, das Bürgerkino, das Weinfest und zuletzt die Sanierung der Hauptstraße behandelt. https://open.spotify.com/show/5qLW7SorErucXEwAdrRjxk
Auf diversen weiteren Kanälen verbreitet Horn ebenfalls Informationen, so über "Social Media" wie Instagram und Facebook oder mit einem eigenen Blog auf seiner Webseite. Aber bei der Tutzinger Kommunikation sucht er nicht nur digitale Wege. So hat er eigens die Stelle eines Referenten im Bürgermeisterbüro geschaffen, zu dessen wichtigsten Aufgaben die Öffentlichkeitsarbeit gehört. Mehr und schnellere Kommunikation in Tutzing Jan-Philipp Grande, der diese Aufgabe übernommen hat, erweist sich als sehr aktiv und ideenreich. Bei der Bürgerversammlung saß er neben Rathaus-Geschäftsleiter Marcus Grätz auf dem Podium, und manche neuen Gestaltungselemente dürften auf ihn zurückgehen. Seit er in seiner neuen Funktion ist, verbreitet die Gemeinde Tutzing auch deutlich mehr Informationen als bisher. Sie tragen sogar einen eigenen Titel: "Nachrichten aus dem Rathaus".
Anforderungen des Daten- und Personenschutzes
Die Übertragung der Bürgerversammlung im Internet gilt bisher noch als Versuch. Denn nicht zuletzt rechtliche Gesichtspunkte sind zu beachten. So müssen bei der öffentlichen Verbreitung von Veranstaltungen auf audiovisuellem Weg Anforderungen des Daten- und Personenschutzes berücksichtigt werden. Ob Anwesende bei der Ausstrahlung gezeigt werden dürfen, muss geklärt werden.
Auch Übertragungen von Gemeinderatssitzungen per Internet waren schon im Gespräch. Daraus ist aber bisher nichts geworden - nicht zuletzt aus Gründen des Daten- und Personenschutzes. So wusste man nicht so recht, was zu tun ist, wenn einzelne Ratsmitglieder nicht mit der öffentlichen Verbreitung ihrer Ausführungen einverstanden sind.
Vorkehrungen für die Übertragung der Fragerunde
Im Fall der gestrigen Bürgerversammlung werden wohl auf jeden Fall die Äußerungen des Rathauschefs in Verbindung mit einer ergänzenden Präsentation gezeigt werden können. Auch der Starnberger Landrat Stefan Frey ist gestern eigens nach Tutzing gekommen. Er hat - nicht unbedingt mit engem Bezug zu Tutzing, aber nichtsdestoweniger interessant und brandaktuell - einen Vortrag zum kniffligen Thema Krankenhausstrukturreform gehalten.
Dabei hat Frey nicht mit Kritik gerade auch am Freistaat Bayern gespart: Der entziehe sich seiner Verantwortung, wenn er den Landkreisen die Aufgabe zuweise, die Details der künftigen medizinischen Versorgung durch Kliniken quasi unter sich zu regeln. Freys Ausführungen sollen in dem Film ebenfalls zu sehen sein. Das wird in der Gemeindeverwaltung ohnehin nicht als Problem gesehen, weil der Landrat eine Person des öffentlichen Lebens ist.
Schwieriger wird es bei der Veröffentlichung von Personen aus dem Publikum, etwa bei Fragestellungen. Wie mit diesem Thema beispielsweise bei Übertragungen im Internet umzugehen ist, das sorgt noch für viele Diskussionen. Bei der Tutzinger Bürgerversammlung wird es nun wohl zunächst eine Behelfslösung geben. Horn hat bereits Vorkehrungen getroffen und etliche Fragen, die gestellt worden sind, anschließend kurz wiederholt und zusammengefasst, um eine Ausstrahlung seiner Antworten bei der Übertragung notfalls auch zu ermöglichen, ohne dass die Personen zu sehen sind, die die Fragen gestellt haben.
Was aus all dem nun konkret wird, ist trotzdem eine Herausforderung und keine geringe Arbeit für Eric Gersdorf bei der Gestaltung der Aufzeichnung, die dann letztlich im Internet zu sehen sein wird.
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Kommentare
Mir ist klar, dass das immer wieder mal manche mit Augenrollen denken; und meist ist das auch gar nicht böse gemeint.
Damit kommen wir zum Kern der Sache mit der liberalen Demokratie an der Basis - Datenschutz & öffentliche Diskussionen:
Wie gehen wir - jeder Einzelne und alle mitander - damit um, wenn wir auf andere Blickwinkel & Meinungen stoßen?
Ist das OK wenn ein Gemeinderat, mein Nachbar, oder wer-auch-immer eine Meinung äußert, die uns nicht passt?
Oder ab damit in die Schublade für egoistisch, dumm, unwissend, naiv, ignorant, zu alt, zu jung, toxisch männlich, typisch Frau, zu weiß, zu farbig, xy-extrem oder gar anti-dingsbums?
Umgekehrt, diese fiese, unsichtbare Zensurinstanz in unseren Köpfen:
Was werden meine Nachbarn, mein Chef, meine Kunden, meine Kollegen & Mitarbeiter, mein Vermieter über mich denken, wenn ich jetzt offen sage ... ? Werde ich dafür insgeheim büßen müssen?
Demokratie erfordert von uns nicht nur Wahlbeteiligung.
Neben vielem Anderen verlangt die Demokratie auch ein gehöriges Maß an Mut & Selbstbewußtsein einerseits und andererseits Gelassenheit & Toleranz von uns.
Aber irren ist menschlich; was wenn ICH mich verrannt habe, und nicht die Anderen?
Verdammt! Das ist richtig schei... ;-)
Aber Lernfähigkeit & Mut zur Neuorientierung sind auch Tugenden.