38 Kilometer hatten sie schon hinter sich. Aber die meisten wirkten erstaunlich fit, als sie am Samstagnachmittag im „Tutzinger Hof“ ankamen. Im Tutzinger Gasthaus an der Hauptstraße war die dritte Verpflegungsstation - kurz „VP3“ - beim „Dreikönigsmarsch“ rund um den Starnberger See. Am Eingang stand Monika Radtke aus Rosenheim, die den Wanderern den Weg hinein zeigte und ihnen gleich ein paar Schmankerl anbot.
Ein paar der Wanderer nutzten die Gelegenheit des ersten S-Bahnhofs auf der Strecke nach dem Start in Starnberg, um ihre Wanderung zu beenden. Aber nur wenige brachen in Tutzing ab - die meisten setzten ihren Weg nach Starnberg nach einer Pause in Tutzinger Hof entschlossen fort. Dessen Wirte Petra Gsinn und Rolf Läkamp hatten die Veranstaltung gesponsert und mit ihren Mitarbeitern Kaffee und Kuchen vorbereitet. Weitere fünf von insgesamt 20 Helfern des Organisationsteams standen parat., unter ihnen Susanne Schwarz, Lothar Roser und Udo Krier. Für sie alle gab es allseits viel Lob, die Seeumrundung sei perfekt vorbereitet worden.
Weitwanderungen erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. Einer der in dieser Hinsicht sehr engagierten Gruppe namens „Megamarsch-VIPs“ haben sich bereits 450 Laufbegeisterte angeschlossen. Monika Radtke ist viel in ihrer Heimat unterwegs, im Berchtesgardener Land und im Chiemgau, sie war aber auch schon auf dem Kilimandscharo und in Nepal auf 5895 Metern Höhe.
Woher kommt die Lust am Laufen?
Warum diese Lust am Laufen? Während der Wanderung um den Starnberger See war viel Gelegenheit, über die Gründe zu philosophieren. Freude an der Bewegung wurde vermutet, gesundheitlicher Vorteil sowieso, aber auch die Gesellschaft, das Wandern mit anderen zusammen scheint viele zu reizen. Eine gewisse Rolle zu spielen scheinen auch literarische Anregungen wie etwa „Ich bin dann mal weg“ von Hape Kerkeling oder die Wanderbeschreibungen von Manuel Andrack.
„Es ist ein lustiger, bunter Haufen“, sagte im Tutzinger Hof Sandra Frohberg aus München, und ihre Freundin Coco Kutschke fügte hinzu: „Wenn es auch noch etwas zu essen gibt, das stärkt die Stimmung.“ Rundherum herrschte gute Laune, und natürlich Verköstigungsbedarf. „Eine Essiggurke wär super“, rief eine Teilnehmerin, als sie in den Tutzinger Hof eintrat - und natürlich wurde ihr Wunsch erfüllt.
An der ersten Versorgungsstation in Ammerland, nach 13 Kilometern, gab es unter anderem Bananen, Äpfel, Müsliriegel – und drei Lamas begrüßten die Teilnehmer „mit sehr langen Wimpern“, schwärmte Coco Kutschke aus München. Vom Lamaland Loher waren sie eigens an den Starnberger See gebracht worden. An der zweiten Station in Seeshaupt gab’s Wurst-, Käse- und Schmalzbrote sowie einen Stand der Erdinger Brauerei, zu der die Wirte des Tutzinger Hofs den Kontakt hergestellt hatten.
Aufbruch in der Dämmerung
In Tutzing, an Station VP3, hatten sich nach den 38 Kilometern alle viel zu erzählen. Allzu negative Berichte waren nicht darunter. Bereitstehende Sanitäter meldeten ein paar Blasen und andere eher kleinere Probleme, von größeren Missgeschicken wurde nichts bekannt.
Viele der Teilnehmer sind oft zu Fuß unterwegs, aber nicht unbedingt so lange Strecken. „Da ist meine erste lange Wanderung“, sagte Sandra Frohberg, „das bin ich nicht gewöhnt.“ Sie läuft lieber schneller.
Ein Teilnehmer erzählte, dass er eigentlich lieber die Abwechslung mag und die Berge hinauf und hinab läuft. So manche Alpenüberqerung hat er schon hinter sich. Aber diesmal hat es ihm auch am Starnberger See gefallen.
Von Tutzing aus ging’s dann für viele der Wanderer schon in der Dämmerung weiter in Richtung Starnberg. Einige machten schon ihre kleinen Lampen an. Bis zum Ziel in Starnberg hatten sie, gemessen am Durchschnitt von fünf Kilometern in der Stunde, noch zwei bis drei Stunden vor sich.
Station Nummer vier am Steg 1
In Niederpöcking am „Steg 1“ wartete nochmals eine Verpflegungsstation auf die Wanderer - die vierte insgesamt an diesem Tag, „VP4“. Eine vierte Station war eigentlich ursprünglich gar nicht vorgesehen gewesen. Kurzfristig entschlossen sich die Initiatoren um Manni Kager, sie nach 45 Kilometern aufzubauen - mit Glühwein, um den Rest der Strecke geschmeidig zu gestalten.
Anschließend führte der Weg von dort aus über die Straße hinüber - der Übergang war mit roten Warnleuchten markiert – in den Wald. Auch die Wege durch ihn hindurch wurden mit rot-weißen Reflektorstreifen markiert. Zum Abschluss trafen sich am Samstagabend alle, die es bis zum Ziel geschafft hatten, wieder in einem „Tutzinger Hof“, aber diesmal dem in Starnberg.
Die Schnellsten haben die 50 Kilometer offenbar in weniger als acht Stunden geschafft, aber Schnelligkeit wurde nicht gemessen. „Es geht darum, zusammen unterwegs zu sein“, sagte Monika Radtke. „Wenn’s nicht so anstrengend wäre“, sagte Brigitte Lindner, „dann würde ich’s übermorgen nochmal machen.“
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