Energie
8.5.2026
Von vorOrt.news

Von Speiseresten bis zum digitalen Tutzinger Zwilling

Mehrere "Energie-Startups" präsentieren bei der Initiative "MiTeinander" ihre Ansätze

Bei einer Veranstaltung im Tutzinger Rathaus sind mehrere junge Unternehmen vorgestellt worden, die sich mit Energiethemen befassen - so genannte Energie-Startups. Die Initiative „Komm:Transform“, die vom Bundeswirtschaftsministerium gefördert wird, arbeitet bisher mit 30 solchen Startups zusammen. Bis zu 50 Startups kann das Netzwerk erweitert werden. Bei der Veranstaltung in Tutzing gab es kurze Präsentationen von einigen dieser Unternehmen. Wir haben über ihre Webseiten und mit Hilfe von künstlicher Intelligenz versucht, Informationen einzuholen:

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Komm:Transform soll "ein starkes Netzwerk aus innovativen Technologiepartnern, Kommunen, öffentlichen Versorgern und lokalen Unternehmen" werden, wie Iniator Nick Tewes im Tutzinger Rathaus angekündigt hat © L.G.

Ecomates

Das in Neuried bei München ansässige Unternehmen Ecomates schildert auf seiner Webseite, wie alles begann: „Während einer Kochsession fragte sich David, warum so viele Lebensmittel und Speisereste ungenutzt entsorgt werden und ob es nicht eine Möglichkeit geben müsste, daraus etwas Wertvolles zu machen. Diese Idee teilte er mit seinem Schulfreund Eric, der ihm von eigenen Überlegungen rund um Biomüll im Alltag erzählte. Kurz darauf trafen die beiden zufällig ihren Freund Vali wieder. Gemeinsam begannen sie, Ideen zu sammeln und erste Konzepte zu entwickeln. Sie bauten in Valis Kellerwerkstatt erste Prototypen und experimentierten mit verschiedenen Ansätzen. Auch wenn diese frühen Versuche improvisiert waren, zeigte sich schnell, welches Potenzial in der Verwertung von Biomüll steckt. Ein weiterer Impuls kam, als die drei durch Isa und Cosi auf Instagram auf ein Video zum Smart-Degrader aufmerksam wurden. Die Parallelen zur eigenen Idee bestärkten sie darin, das Thema weiterzuverfolgen. Ein Treffen in einem Café führte schließlich dazu, dass die Gruppe die Idee konkretisierte und an einem ersten Konzept arbeitete. Eine Teilnahme an einem Ideenwettbewerb brachte zusätzliches Feedback und half, den Ansatz weiter zu schärfen. Mit der Zeit wuchs das Interesse im Freundes- und Bekanntenkreis. Immer mehr Menschen wollten unterstützen und eigene Fähigkeiten einbringen. So kamen Momo, Lyn und schließlich Teresa dazu. Jede Person brachte neue Perspektiven und Kompetenzen ein und trug dazu bei, aus einer spontanen Idee ein ernsthaftes Entwicklungsprojekt zu machen. Aus dieser wachsenden Zusammenarbeit entstand ecomates. Heute arbeitet unser Team daran, mit der Mikrobiogasanlage „Renuzeros“ eine praktische und nachhaltige Lösung zu schaffen, die Gastronomiebetrieben eine effiziente Verwertung von Speiseresten ermöglicht. Unser Ziel ist es, Energie, Umwelt und Wirtschaftlichkeit miteinander zu verbinden und Betriebe auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit zu unterstützen.“ Ziel sei es, Energieerzeugung und Abfallmanagement so miteinander zu verbinden, dass Betriebe entlastet werden und gleichzeitig einen Beitrag zum Klimaschutz leisten können.

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EcoReady

Das Unternehmen befasst sich mit Software und künstlicher Intelligenz im Bereich Nachhaltigkeits- und Compliance-Management. Die Plattform hilft Firmen dabei, ESG-, Nachhaltigkeits- und regulatorische Anforderungen schneller zu bearbeiten. Das gilt beispielsweise für Berichte, Fragebögen oder Offenlegungspflichten. Die Software verfolgt laufend neue EU-Richtlinien, ESG-Standards und andere regulatorische Anforderungen und zeigt an, was für ein Unternehmen relevant ist. Bestehende Systeme und Dokumente werden verbunden, Nachhaltigkeitsdaten strukturiert und fehlende Informationen erkannt. Ziel ist eine „Single Source of Truth“ für ESG- und Compliance-Daten. Mit KI werden z. B. DNK- oder VSME-Berichte, Kundenfragebögen, Bankanfragen oder Ratings automatisch vorbereitet bzw. ausgefüllt. Nach Angaben des Unternehmens sollen dadurch Wochen manueller Arbeit auf Minuten reduziert werden. EcoReady betont, dass die KI lokal bzw. auf der Infrastruktur des Kunden betrieben werden kann und auf Open-Source-Modellen basiert. Die Daten sollen die Umgebung des Kunden nicht verlassen. Die Plattform richtet sich vor allem an Nachhaltigkeits- und ESG-Teams, mittelständische Unternehmen, Firmen mit vielen Compliance- und Berichtspflichten sowie Organisationen, die Datenschutz bei KI-Nutzung wichtig finden.
https://www.ecoready.eu/de

Emulate

Emulate ist ein US-amerikanisches Biotechnologieunternehmen aus Boston, das sogenannte „Organ-on-a-Chip“-Systeme entwickelt. Dabei handelt es sich um kleine mikrofluidische Chips, auf denen menschliche Zellen wachsen und die Funktionen echter Organe nachgebildet werden – etwa von Lunge, Leber, Darm, Niere oder Gehirn. Die Idee dahinter: Medikamente, Chemikalien oder Krankheiten sollen realistischer getestet werden können als mit klassischen Zellkulturen oder Tierversuchen. Die Chips simulieren z. B. Blutfluss, mechanische Bewegungen wie Atmung oder den Austausch zwischen Geweben. Dadurch lassen sich menschliche Reaktionen oft genauer vorhersagen. Technisch bestehen die Systeme aus kleinen Chips mit Kanälen für Flüssigkeiten, menschlichen Geweben/Zellen, Geräten zur Steuerung von Durchfluss und Bedingungen sowie Software zur Analyse der biologischen Daten. Als Hauptanwendungsgebiete genannt werden die Pharmaforschung und Medikamentenentwicklung, Toxikologie/Sicherheitsprüfung, Krankheitsmodelle (z. B. ALS, Lebererkrankungen) und perspektivisch Ersatz oder Reduktion von Tierversuchen. Emulate entstand als Spin-off des Wyss Institute for Biologically Inspired Engineering an der Harvard University. Wissenschaftlicher Mitgründer ist Donald Ingber. Die Technologie gilt in der Biotech-Branche als vielversprechend, allerdings noch nicht als vollständiger Ersatz für Tierversuche. In Fachkreisen wird sie eher als zusätzliche, präzisere Testplattform gesehen – besonders für frühe Wirkstofftests und Toxizitätsanalysen.
https://emulatebio.com/

Nextract

Das Unternehmen Nextract Energy GmbH in Berlin entwickelt ein KI-gestütztes Energy-Management-System (EMS) für Betreiber von Wind-, Solar- und Batteriespeicheranlagen. Ziel ist es, sogenannte „Abregelungen“ zu vermeiden – also in Situationen, in denen erneuerbarer Strom wegen Netzengpässen nicht eingespeist werden kann. Nextract befasst sich unter anderem mit Prognosen für Netzengpässe und Redispatch-Maßnahmen, Optimierung von Batteriespeichern durch KI, automatischen Fahrplänen für Speicher und Energieanlagen, der Integration in bestehende Energie- und Leitsysteme per API sowie wirtschaftlicher Optimierung von Stromspeicherung und Vermarktung. Die Firma wurde aus der Technische Universität Berlin heraus gegründet und richtet sich vor allem an Betreiber erneuerbarer Energien. Laut Unternehmensbeschreibung sollen dadurch Erträge stabilisiert und ungenutzter Grünstrom besser verwertet werden. Im vergangenen Jahr hat Nextract eine Pre-Seed-Finanzierung über 500 000 Euro abgeschlossen, um die Software in Pilotprojekten weiterzuentwickeln.
https://nextract-energy.com/

Nuno Labs

Das 2025 gegründete Münchner Startup, ein Spin-off der Technischen Universität, entwickelt KI-gestützte Kurzfristprognosen für große Solarparks. Spezialkameras und künstliche Intelligenz werden genutzt, um vorherzusagen, wie viel Solarstrom in den nächsten bis zu 120 Minuten eingespeist wird. Die Idee dahinter: Solarstrom schwankt stark durch Wolken und Wetter. Energiehändler und Betreiber von Solarparks müssen aber möglichst genau wissen, wie viel Strom bald verfügbar sein wird. Genauere Vorhersagen helfen dabei, Strom besser am Markt zu handeln und Verluste zu vermeiden. Technisch kombiniert Nuno Labs Kamerabilder des Himmels, Wetter- und Sensordaten, Computer Vision und Machine Learning.
https://nuno-labs.de/

Sunnday

Das Untenehmen Sunnday Energy GmbH in Bielefeld ist im Bereich Photovoltaik und erneuerbare Energien tätig. Es bietet Solarlösungen für Privatpersonen, Unternehmen und Kommunen an. Der Schwerpunkt liegt darauf, Solaranlagen möglichst ohne hohe Anfangsinvestitionen zugänglich zu machen. Für Photovoltaikanlagen in Privathaushalten werden Kauf, Finanzierung oder sogenannte „Profit-Share“-Modelle angeboten, bei denen Kunden Solarstrom nutzen können, ohne die Anlage selbst vollständig zu erwerben. Firmen können Solaranlagen installieren lassen, um Energiekosten zu senken und langfristig stabile Strompreise zu bekommen. Sunnday übernimmt dabei laut eigener Darstellung Planung, Finanzierung, Installation und Betrieb. Auch Städte und Gemeinden werden bei der Umsetzung von PV-Projekten und gesetzlichen Anforderungen zur Energiewende unterstützt. Bei so genannten Dachpacht-Modellen können Eigentümer mit geeigneten Dachflächen ihre Dächer an Sunnday vermieten; das Unternehmen betreibt dort dann Solaranlagen. Das Unternehmen wirbt besonders mit „All-in-One“-Abwicklung, Stromkostenersparnis, ESG-/Nachhaltigkeitsvorteilen und Modellen ohne oder mit wenig Eigenkapital.
https://www.sunnday.energy/

Viadukt

Das 2021 gegründete Wuppertaler Unternehmen viadukt entwickelt eine digitale Plattform für energetische Gebäudesanierung und Immobilienmodernisierung. So sollen Eigentümer, Banken, Energieberater und Handwerksbetriebe auf einer gemeinsamen Infrastruktur zusammengebracht werden. Angeboten werden digitale Gebäudeanalysen für Wohn- und Gewerbeimmobilien, Simulationen von Sanierungsmaßnahmen (z. B. Wärmepumpe, Dämmung, Photovoltaik), Wirtschaftlichkeits- und ESG-Analysen, die Unterstützung bei Fördermitteln (z. B. KfW/BAFA), die Vernetzung mit Energieberatern und Handwerksbetrieben sowie Lösungen für Banken und Immobilienportfolios zur Bewertung energetischer Risiken. Große Mengen an Gebäudedaten werden verarbeitet, viele Prozesse rund um Sanierungsplanung und Reporting automatisiert. Das Unternehmen hat einen „digitalen Zwilling“ von Tutzing entworfen – „eine digitale Kopie der Kommune“., die Simulationen, Analysen und Potenziale für jedes Gebäude im Ort aufzeigen soll.
https://www.viadukt.de/

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