Energie
8.9.2025
Von vorOrt.news

Die erste halbe Million ist bald erreicht

Verantwortliche der Bürgerenergie-Genossenschaft berichten über den aktuellen Stand

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Das Interesse an der neuen Tutzinger Bürgerenergie-Genossenschaft ist groß. Die Initiatoren rechnen damit, die erste Finanzierungsrunde mit einer halben Million Euro bald abschließen zu können. Die Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder Dr. Martin Fischer, Silke Heuschmann, Dr. Marco Lorenz, Prof. Perry Reisewitz und Korbinian Schlingermann nehmen im Interview mit vorOrt.news Stellung zu etlichen Fragen rund um dieses Projekt. Bis zum Jahresende erwarten sie alle Genehmigungen und Förderungszusagen für den am Oberen Hirschberg direkt neben der Bundesstraße 2 geplanten Bürgerenergiepark mit einer Agri-PV-Anlage. In konkreten Gesprächen über die Nutzung mit Schafen sind sie nach eigenen Angaben auch schon mit einem Tutzinger Landwirt.

"Solche Projekte gelingen nur, wenn möglichst Viele mit anfassen"

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"Dem Klima etwas Gutes tun und dabei auch noch Geld verdienen": Dr. Martin Fischer, Aufsichtsratsmitglied der Bürgerenergie Tutzing eG

Was hat Sie motiviert, sich für dieses Projekt so zu engagieren?

PERRY REISEWITZ: Im Rahmen der Energiewende mag unser Projekt nur ein kleiner Schritt sein. Aber wir helfen hier vor Ort ganz konkret mit, Treibhausgase zu reduzieren, die Energiesicherheit zu erhöhen und durch den geplanten Speicher die Netzstabilität zu erhöhen. Solche Projekte gelingen nur, wenn möglichst Viele mit anfassen.

MARTIN FISCHER: Das ist die logische und sinnvolle Erweiterung der Initiative „Tutzing-Klimaneutral 2035“: Aus einer Initiative entsteht ein Extrakt als Genossenschaft, die es allen Tutzinger Bürgerinnen und Bürgern ermöglicht, persönlich teilzunehmen, dem Klima etwas Gutes zu tun und dabei auch noch Geld zu verdienen.

KORBINIAN SCHLINGERMANN: "Wir sind nicht nur verantwortlich für das, was wir tun, sondern auch für das, was wir nicht tun". Dieses Zitat von Molière begleitet mich seit der Geburt meines ersten Kindes. Ich verspüre eine Verantwortung, nicht Nichts zu tun, im Angesicht der größten Herausforderungen unserer Zeit. Daher engagiere ich mich seit 2022 bei Tutzing klimaneutral 2035 und nun als Mitglied des Aufsichtsrats in der Bürgerenergie Tutzing. Auf der aktiven Seite zu agieren, fühlt sich deutlich besser an, als auf der passiven Seite zu verharren und nichts zu tun. Zudem habe ich die Möglichkeit, mit exzellenten und erfahrenen Personen innerhalb der Bürgerenergie-Genossenschaft zusammenarbeiten zu dürfen und meine Kompetenzen und Ideen dort einzubringen. Das schätze ich sehr.

SILKE HEUSCHMANN: Schon bei Tutzing klimaneutral 2035 fand ich es positiv, mich nicht mehr nur über die Klimakrise aufzuregen, sondern dagegen aktiv zu sein. Es ist überraschend, wie sehr diese Arbeit die Sorgen nimmt und Sinn stiftet. Außerdem lernt man sowohl bei Tutzing klimaneutral als auch bei der Bürgerenergie Tutzing richtig spannende Leute kennen. Und die Idee, mit so einem Projekt Tutzing vielleicht sogar zu einer nachhaltigen Vorbild-Gemeinde zu machen, ist wirklich schön.

MARCO LORENZ: Für mich gibt es eine ganze Reihe von Gründen. Vielleicht die zwei wichtigsten: Die Klimakrise rauscht wie ein Schnellzug auf uns zu und es gelingt mir nicht, das zu verdrängen oder zu leugnen, also lässt es mich erstmal erstarren. Etwas Konkretes in Gang zu setzen, holt mich unmittelbar und verlässlich aus dieser Erstarrungsdepression raus – die Mitgründung von Tutzing klimaneutral 2035 war eine perfekte Gelegenheit zum Ausstieg aus dieser Schockstarre. Dann hab ich da meine sieben Enkelinnen und Enkel, die glücklicherweise in Tutzing leben. Ich finde schön, wenn sie vielleicht mal sagen können, dass ihr Großvater jemand war, der sich der Klimabedrohung mit seinen ganzen Kräften entgegengestemmt hat, zumindest in seinem fortgeschrittenen Alter.

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Fast alle derzeitigen Mitglieder wohnen in Tutzing

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"Ich freue mich über die Begeisterung und die ganz konkrete Unterstützung für unsere Genossenschaft hier vor Ort": Dr. Perry Reisewitz, Aufsichtsratsmitglied der Bürgerenergie Tutzing eG

Bisher schon mehr als 100 Mitglieder bei der neuen Genossenschaft: Haben Sie das so schnell erwartet?

MARTIN FISCHER: Ein klares “Ja”. Wir wurden schon oft angesprochen, in welcher Form eine finanzielle Beteiligung helfen kann, dass Tutzing klimaneutral wird.

PERRY REISEWITZ: Ehrlich gesagt, war ich skeptisch. Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine und die daraus folgende Aufrüstung des Westens, der Krieg in Israel und Gaza, die wirtschaftlichen Auseinandersetzungen mit den USA und andere weltpolitische Ereignisse haben die so wichtigen Umweltthemen aus den Nachrichten vielfach verdrängt. Die Ahrtal-Katastrophe, die Ernteausfälle durch Dürresommer, Niedrigwasser und sinkende Grundwasserpegel und nicht zuletzt das dramatische Gletschersterben auf der Zugspitze findet in den Medien immer weniger Widerhall. Umso mehr freue ich mich über die Begeisterung und die ganz konkrete Unterstützung für unsere Genossenschaft hier vor Ort.

Anteile für fast 200 000 Euro wurden bisher gezeichnet, 500 000 Euro gelten als Ziel der ersten Runde. Wie realistisch ist das?

SILKE HEUSCHMANN: Das ist sehr realistisch. Bislang haben wir uns nur über eine Informationsbroschüre als Beilage in den „Tutzinger Nachrichten“ und bei einer Informationsveranstaltung im Rathaus präsentiert. Weitere aufmerksamkeitsstiftende Aktionen sind in Vorbereitung.

MARCO LORENZ: Genau heute – drei Wochen nach Eröffnung unseres Mitgliederportals - haben wir unser 100stes Mitglied aufgenommen, fast alle wohnen in Tutzing! Zu den bereits gezeichneten circa 200 000 Euro haben wir unverbindliche Absichtserklärungen in der Höhe von 280 000 Euro eingesammelt. Wer noch mit Beteiligungen über 100 Euro dabei sein möchte, sollte sich also beeilen. Wir geben zusätzliche Geschäftsanteile nämlich nur während laufender Finanzierungsrunden aus. Ich erwarte, dass wir die erste Runde mit der halben Million recht bald schließen können.

In Bezug auf Klimaneutralität ein großer Schritt nach vorne

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"Es überwiegt eine positive Grundeinstellung gegenüber der Bürgerenergie Tutzing als eigener Genossenschaft direkt vor Ort": Korbinian Schlingermannm, Aufsichtsratsmitglied der Bürgerenergie Tutzing eG

Was hören Sie aus der Bevölkerung zum Bürgersolarpark? Vor allem Begeisterung oder auch Skepsis?

PERRY REISEWITZ: Wir hören natürlich beides und ich freue mich, dass die Begeisterung und der Wunsch, gemeinsam etwas zu bewegen, klar überwiegen. Die kritischen Fragen, die mich erreichen, sind immer konstruktiv und zeigen gleichzeitig ein ehrliches Interesse. Wichtig für unser Projekt ist es, dass sich die, die wirklich etwas verändern wollen, dann auch entschließen, sich mit einer aktiven Mitgliedschaft , vielleicht sogar zusammen mit einem finanziellen Beitrag, mit einzubringen.

KORBINIAN SCHLINGERMANN: Genau, aber es überwiegt auf jeden Fall eine positive Grundeinstellung gegenüber der Bürgerenergie Tutzing als eigener Genossenschaft direkt vor Ort. Im Projekt Bürgerenergiepark am Oberen Hirschberg sehen Viele eine große Chance, für Tutzing in Bezug auf Klimaneutralität einen großen Schritt nach vorne zu machen. Es gibt sehr detaillierte Fragen zum Projekt, was zeigt, dass sich die Menschen sehr genau informieren und großes Interesse haben, Teil der Genossenschaft zu werden.

Eine halbe Million nur für Kosten und Planung – ist das nicht etwas viel?

MARTIN FISCHER: Die ersten 500 000 Euro sollen die bisherigen Kosten und die Planung sowie die laufenden Kosten während der Projektentwicklung abdecken. Selbstverständlich ist in dem Betrag auch noch ein Puffer enthalten, der es uns ermöglicht, etwa bei rasch eintretender Umsetzung erste Anzahlungen zu leisten, falls die zweite Finanzierungsrunde etwas länger als geplant verläuft.

Für Jahresende ist eine weitere Finanzierungsrunde geplant. Mit welchem Ziel?

KORBINIAN SCHLINGERMANN: Bis zum Jahresende sollen nach derzeitiger Planung alle Genehmigungen und Förderungszusagen mit konkreten Zahlen vorliegen. Es geht in die Umsetzungsphase mit konkreten Auftragsvergaben bis zur Inbetriebnahme, letztlich also um die Bezahlung der Anlage.

Möglichst hoher Eigenmittel-Anteil soll das Risiko der Anleger gering halten

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"Die Zusammenarbeit mit der Behörde verläuft seit dem Start im April dieses Jahres sehr kooperativ": Silke Heuschmann, Vorstandsmitglied der Bürgerenergie Tutzing eG

Auf der Webseite werden eine Agri-Photovoltaikanlage mit 6 MWp Leistung, ein netzdienlicher Stromspeicher mit 16 MWh Kapazität und eine Schnellladestation für 10 PKW und 10 LKW und Busse angekündigt. Abschnitt 2 soll einen Großspeicher mit 80 bis 100 MWh und den Bau eines Umspannwerks mit Anbindung an das Hochspannungsnetz umfassen. Wie weit ist das Genehmigungsverfahren für all diese Bestandteile?

SILKE HEUSCHMANN: Der Pachtvertrag für die Fläche ist abgeschlossen. Die endgültige Genehmigung für den so genannten „Vorhabenbezogenen Bebauungsplan“ steht noch aus. Die Zusammenarbeit mit der Behörde verläuft aber seit dem Start im April dieses Jahres sehr kooperativ und positiv. Die Ladestationen müssen noch vom Gemeinderat positiv beschieden werden.

Wie hoch werden die gesamten Kosten für den ersten Bauabschnitt sein?

MARTIN FISCHER: Insgesamt sind nach bisheriger Erkenntnis eine Investition in Höhe von 6,3 Millionen Euro geplant.

Steht schon fest, dass und wann es einen zweiten Bauabschnitt geben wird und wie hoch dessen Kosten sein werden?

MARCO LORENZ: Der zweite Bauabschnitt wird im selben Genehmigungsverfahren gemeinsam mit dem ersten Abschnitt bearbeitet – die Genehmigung dafür werden wir also zeitgleich mit Abschnitt 1 erhalten. Die Kosten werden sich auf geschätzte 20 Millionen Euro belaufen, noch im Herbst 2025 werden wir mit der Detailplanung dafür beginnen. Falls nicht noch unerwartete Hindernisse auftauchen, ist der Bauabschnitt 2 also auch beschlossene Sache.

Wie wird voraussichtlich der Anteil von Eigenmitteln und Fremdmitteln sein? Gibt es zur Fremdfinanzierung schon Vereinbarungen mit Banken oder anderen?

MARTIN FISCHER: Zurzeit gehen wir davon aus, dass die Geschäftsanteile und die Nachrangdarlehen der Mitglieder, also die Eigenmittel, für die Finanzierung ausreichen werden. Eine Fremdfinanzierung durch Banken ist bislang nicht geplant, wäre aber natürlich auch eine weitere Möglichkeit der Kapitalbeschaffung.

MARCO LORENZ: Je höher unser Anteil der Eigenmittel ist, desto geringer wird das Risiko für unsere Anleger sein. Abgesehen davon möchten wir unsere Erträge lieber den Mitgliedern zugute kommen lassen, als den Banken. Deshalb setzen wir darauf, möglichst vollständig über unsere Mitglieder zu finanzieren. Es gibt Genossenschaften, die bewusst Fremdkapital aufnehmen, um damit die Erträge für die Mitglieder zu steigern, in der Fachsprache heißt das Leverage-Effekt. Dass damit auch eine Erhöhung des Risikos verbunden ist - man kriegt beim Finanzieren nichts geschenkt - wird oft nicht so klar kommuniziert. Wir würden das lieber vermeiden.

Der Kleinstanleger mit 100 Euro hat das selbe Stimmrecht wie ein möglicher Großinvestor

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Der Tutzinger Bürgerenergiepark soll in zwei Bauabschnitten beidseits der Bundesstraße 2 neben den Abzweigungen nach Monatshausen (unten) und Kerschlach (oben) entstehen

Neben den vielen Menschen, die mitfinanzieren sollen, gibt es auch einige größere Gesellschafter. Wie hoch wird voraussichtlich deren Anteil sein?

KORBINIAN SCHLINGERMANN: Zurzeit setzen wir noch auf die Teilnahme möglichst vieler Tutzinger Bürgerinnen und Bürger und schränken deshalb das Investitionsvolumen pro Mitglied künstlich auf 20 000 Euro ein. Falls wir es nicht schaffen sollten, eine Begeisterung zur finanziellen Teilnahme bei sehr vielen Tutzingerinnen und Tutzingern hervorzurufen, werden wir die Obergrenze möglicher Investitionen weiter nach oben verschieben. Wir rechnen mit bis zu 20 größeren Gesellschaftern, die dann aber, genauso wie jedes andere Mitglied, auch nur eine Stimme in der Mitgliederversammlung haben werden.

Wie groß sind bisher die kleinsten, wie groß die höchsten Beteiligungen?

SILKE HEUSCHMANN: Zurzeit haben wir eine Spanne von 100 Euro bis 40 000 Euro, letztere von Ehepaaren, die beide die derzeitige Maximalsumme pro Kopf ausnutzen. Uns war es sehr wichtig, dass möglichst viele Tutzingerinnen und Tutzinger mitmachen können, auch die mit eher kleinem Geldbeutel, deshalb starten wir mit 100 Euro. Wenn viele mitmachen, gibt es nicht nur mehr Geld, sondern vor allem ein Wir-Gefühl im Ort und eine Verbindung zu diesem Projekt.

Es gibt Vorstände, Aufsichtsräte und Genossenschaftsmitglieder mit größeren und kleineren Anteilen. Wer wird bei dem Projekt das Sagen haben?

PERRY REISEWITZ: Das wichtigste Gremium besteht aus den Genossenschaftsmitgliedern in Form der Vollversammlung. Sie wählt den Aufsichtsrat und gibt vor, was sie von den Vorständen als handelnde Personen erwarten. Der Aufsichtsrat seinerseits bestellt und kontrolliert den Vorstand.

KORBINIAN SCHLINGERMANN: Letztlich liegt die Kontrolle also vollständig bei den Mitgliedern. Der wichtigste genossenschaftliche Grundsatz ist eine Stimme pro Mitglied, unabhängig von der Höhe der Beteiligung – ein urdemokratisches Modell. Der Kleinstanleger mit 100 Euro hat also das selbe Stimmrecht wie ein möglicher Großinvestor.

Vorrangig sollen Tutzinger Bürgerinnen und Bürger investieren dürfen

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"Schon kurz nach unserem Start 2022 stand unser Plan, eine eigene Genossenschaft zu gründen": Dr. Marco Lorenz, Vorstandsmitglied der Bürgerenergie Tutzing eG

Rechnen Sie nach wie vor damit, dass das Projekt überwiegend durch die Tutzinger Bürgerschaft getragen werden kann, oder werden andere Finanziers dazu kommen müssen?

PERRY REISEWITZ: Sobald das Projekt immer mehr über die Tutzinger Grenzen hinweg bekannt wird, werden wahrscheinlich auch andere Finanziers hinzukommen. Wir hoffen natürlich, dass das Projekt größtenteils durch die Begeisterung der Tutzinger Bürgerinnen und Bürger, etwas Sinnvolles für den Ort zu tun, getragen wird.

KORBINIAN SCHLINGERMANN: Mit dem Gemeinderat haben wir vereinbart, dass vorrangig Tutzinger Bürgerinnen und Bürger investieren dürfen. Erst, wenn aus Tutzing nicht genug Geld zusammenkommt, laden wir auch Menschen aus einem Umkreis von 50 Kilometern ein, sich zu beteiligen.

Statt der zunächst geplanten Realisierung des Solarparks gemeinsam mit der Energiegenossenschaft Fünfseenland (EGF) haben Sie die Gründung einer eigenen Tutzinger Genossenschaft vorgezogen. Bleiben Sie dabei oder könnte es doch noch eine Mitwirkung der Energiegenossenschaft geben?

MARTIN FISCHER: Wir würden uns natürlich über eine Kooperation freuen. Einfach gestaltet sich so eine enge Zusammenarbeit aber nicht, da die Energiegenossenschaft Fünfseenland mit ihren eigenen Projekten alle Hände voll zu tun hat.

MARCO LORENZ: Schon auf unserem ersten Plakat, kurz nach unserem Start in 2022, stand unser Plan, eine eigene Genossenschaft zu gründen. Mit der privilegierten Regelung für Bürgerenergiegesellschaften im Solarpaket I aus 2024 hat sich die Gründung der Bürgerenergie Tutzing eG dann richtig aufgedrängt. Mit der EGF wäre diese Lösung leider nicht möglich gewesen, weil die EGF mehrere EEG-geförderte Projekte betreibt. Als Bürgerenergiegesellschaft darf man eine EEG-Förderung nur alle drei Jahre in Anspruch nehmen. Aber als „Nachbarn“ sind und bleiben wir natürlich befreundet.

"Es wird nicht nur Tutzinger Strom, sondern auch zusätzliche regionale Bio-Produkte geben"

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Ein Tutzinger Landwirt ist interessiert daran, die Flächen von seinen Schafen "bestoßen" zu lassen © Fotos: Foto Marquart / pixabay / vorOrt.news

Die Verbindung einer landwirtschaftlichen Nutzung mit einer PV-Anlage klingt überzeugend. Manche warnen dennoch auch vor Nachteilen von Agri-PV-Anlagen, so etwa wegen Beeinträchtigungen der landwirtschaftlichen Nutzung durch Schattenwurf oder Flächenverbrauch, negativer Beeinflussung von Flora und Fauna oder Problemen beim Rückbau nach Ablauf der Nutzung. Werden all diese Aspekte berücksichtigt?

PERRY REISEWITZ: Da sind sicherlich auch berechtigte Bedenken dabei. Wir berücksichtigen, was landwirtschaftlich möglich und sinnvoll ist und versuchen bei der Nutzung nicht nur, potenzielle Nachteile zu vermeiden. Vielmehr sehen wir einen zusätzlichen Beitrag zum Klimaschutz, denn die Flächen werden von Ackerland zu extensiv bewirtschaftetem Grünland umgewandelt.

SILKE HEUSCHMANN: Unbedingt. In Zeiten des Klimawandels ist ein zeitweiser Schattenwurf für manche Kulturen und auch für Teile der Flora und Fauna sogar von Vorteil. Und gerade die Doppelnutzung als landwirtschaftliche Fläche und mit einer PV-Anlage wirkt ja dem Flächenverbrauch entgegen. Mit unserer Erfahrung aus der Arbeit für „Tutzing klimasneutral 2035“ haben wir genau diese Bereiche besonders im Blick.

Gibt es für die landwirtschaftliche Nutzung schon Vereinbarungen? Wer wird für sie zuständig sein, zeigen Landwirte Interesse?

MARCO LORENZ: Wir sind mit einem Tutzinger Landwirt in konkreten Gesprächen, der die Flächen von seinen Schafen „bestoßen“ lassen wird - das ist das Fachwort für das Grasfressen. Er macht das schon auf anderen PV-Flächen. Die Flächen werden in den nächsten 30 Jahren nicht gedüngt, sie werden also absolut biologisch. So wird es in Tutzing nicht nur Tutzinger Strom, sondern auch noch zusätzliche regionale Bio-Produkte geben.

Muss man fürchten, dass die PV-Anlage die Landschaft verschandelt?

SILKE HEUSCHMANN: Durch die Lage am Oberen Hirschberg, direkt an der B2, und vor allem durch die topografischen Gegebenheiten versuchen wir, diese Beeinträchtigung so gering wie möglich zu halten. Das Grundstück bietet eine sehr vorteilhafte Senke, die dafür sorgt, dass die PV-Anlage weniger ins Auge fällt. Das wird auch von der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt positiv gesehen, die am Genehmigungsverfahren wesentlich beteiligt ist. Aber ganz klar: Schöner ist eine Landschaft ohne PV-Anlage – nur hätten wir dann eben auch keine Energie.

Weitere Informationen über die Bürgerenergie Tutzing eG:
https://www.be-tutzing.de/uber-uns/

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