Bei der Verbreitung der Elektromobilität sind Lademöglichkeiten ein wesentlicher Faktor. Die Idee, dafür Straßenlaternen zu nutzen, hat kürzlich im Umwelt-, Energie- und Verkehrsausschuss des Tutzinger Gemeinderats für viel Interesse gesorgt. Ein Mitarbeiter des mit solchen Konzepten befassten Berliner Unternehmens Ubitricity hat diese Methode als zukunftsträchtig dargestellt. Straßenlaternen als E-Ladesäulen
Netzbetreiber in vielen Kommunen der hiesigen Region und auch in Tutzing ist der Energieversorger Bayernwerk. Ohne Einbeziehung dieses Unternehmens ist eine Nutzung der Straßenbeleuchtung für andere Zwecke wie für das Laden von Elektroautos nicht möglich. Aber eine Stellungnahme des Bayernwerks klingt keineswegs so positiv wie die Darstellung von Ubitricity.
Die Straßenbeleuchtung habe ein eigenes Stromnetz, erklärt auf Nachfrage ein Sprecher des Bayernwerks. Und dieses Stromnetz sei nicht für die Stärke des Ladens von Elektroautos ausgelegt – die technische Ausstattung reiche für diesen Zweck nicht aus. Ein Teil der so genannten „Brennstellen“ bei der Straßenbeleuchtung werde nur nachts mit Strom versorgt, weshalb sie tagsüber nicht fürs Elektroladen geeignet seien. Zudem sei der Strom für die Kommunen günstiger als der allgemeine Verbrauchsstrom. Für das Autoladen müsse man eigene Zähler installieren. Geeignet sein müssten schließlich die Parkmöglichkeiten neben der betreffenden Laterne – möglichst ohne einen Bürgersteig dazwischen.
Schon vor sieben Jahren gab es einen Pilotversuch in Starnberg
Eigentlich hatte sich das Bayernwerk selbst schon frühzeitig mit dem Elektroladen an Straßenlaternen befasst. Im Jahr 2015 wurden in Starnberg an der Ludwigstraße zwei Ladestationen in Betrieb genommen, die als Pilotversuch Lademöglichkeit und Straßenbeleuchtung kombiniert haben. Das war damals eine Gemeinschaftsaktion der Stadt Starnberg, des Bayernwerks und eines jungen Unternehmens namens Eluminocity. Für einige Monate konnten daraufhin Elektroautos an diesen Ladestationen kostenlos mit Strom betankt werden. Eine Ausweitung dieses Angebots wurde für den Erfolgsfall angekündigt. Aber daraus ist nichts geworden – und die Firma Eluminocity ist mittlerweile in anderes Eigentum übergegangen.
Das Bayernwerk will eine Nutzung von Straßenlaternen zum Elektroladen zwar nicht komplettt ausschließen. Vereinzelt, an bestimmten Standorten, könne dies durchaus in Frage kommen, sagt der Unternehmenssprecher. Doch generell sei ein flächendeckendes Netz fürs Autoladen über die Straßenbeleuchtung ohne vorbereitende Investitionen und den Aufbau einer entsprechenden Infrastruktur nicht möglich. Und wenn man das alles berücksichtige, dann könne man auch eine Ladesäule hinstellen, wo man sie benötige - dafür sei keine Laterne erforderlich, denn die wäre dann sozusagen nur „eine Haltestange für die Wallbox“.
Firma gelegentlich im "Clinch" mit Energieversorgern
Bei der Präsentation von Ubitricity im Tutzinger Ausschuss klang das alles ganz anders. Die zum Shell-Konzern gehörende Firma betreibt bereits in Großbritannien das größte öffentliche Ladenetz dieser Art, und auch in Berlin hat sie kürzlich eine Ausschreibung über mindestens 200 Ladepunkte gewonnen. Sie sieht im Laternen-Ladekonzept ein großes Potenzial, verweist auf mehr als neun Millionen Straßenlaternen in Deutschland - unter denen es sehr viele verschiedene Modelle gibt - und auf etliche Vorteile. Die Infrastruktur sei vorhanden, die Netzverträglichkeit gut. Von all den Problemen, auf die das Bayernwerk verweist, sprach ein Mitarbeiter von Ubitricity nicht, als er den Tutzinger Kommunalpolitikern das Konzept vorstellte. Aber er verwies immerhin auf „gelegentlichen Clinch“ mit den jeweiligen regionalen Energieversorgern.
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