Energie
21.4.2022
Von vorOrt.news

Straßenlaternen als E-Ladesäulen

In Großbritannien verbreitetes Konzept für Tutzing im Gespräch

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Patentlösung fürs Laden von Elektroautos? Straßenlaterne in Tutzing © L.G.

„Laternen werden Ladesäulen“: Diese Botschaft verkündet das zum Shell-Konzern gehörende Berliner Unternehmen „Ubitricity“ - vielleicht auch bald in Tutzing: Die Gemeinde Tutzing befasst sich zurzeit mit einem solchen Konzept. Dabei werden an den Masten der Straßenlaternen so genannte Ladepunkte befestigt, die das Laden von Elektroautos mit Standardkabeln des Typs 2 ermöglichen sollen. Ubitricity betreibt bereits in Großbritannien das größte öffentliche Ladenetz dieser Art. In Deutschland ist die Firma noch nicht soweit, sie konnte aber soeben einen ersten Erfolg verbuchen: In Berlin hat sie eine Ausschreibung über mindestens 200 Ladepunkte gewonnen, zu denen eventuell weitere 800 Ladepunkte hinzukommen werden, falls es mit einer von der Stadt geplanten Vertragsverlängerung klappt.

Ubitricity sieht im Laternen-Ladekonzept ein großes Potenzial, wie ein Mitarbeiter der Firma bei einer Online-Präsentation im Umwelt-, Energie- und Verkehrskonzept des Tutzinger Gemeinderats erläuterte. In etwa 14 000 deutschen Kommunen soll es rund 9 Millionen bis 9,5 Millionen Straßenleuchten im Rahmen der Daseinsvorsorge geben https://www.strassenbeleuchtung.de Wer nicht über einen privaten Autostellplatz verfüge, erhalte so Zugang zu Lademöglichkeiten in der Nähe seiner Wohnung, argumentiert Ubitricity. Das betreffe 40 bis 60 Prozent aller Menschen mit Autos. Mit dem Konzept „Heinz“ des Unternehmens werde ein schneller Ausbau von Ladeinfrastruktur im öffentlichen Raum ermöglicht und die Verbreitung von Elektrofahrzeugen unterstützt.

Parkflächen neben den Straßenlaternen benötigt

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Wer laden will, muss auch parken: Neben dieser Straßenlaterne in der Tutzinger Leidlstraße dürfen das nur Autofahrer mit Behindertenausweis © L.G.

Als Vorteile sieht Ubitricity die Nutzung bestehender Infrastruktur und Netzverträglichkeit. Die Gehwege würden freigehalten, alles könne relativ schnell installiert werden.

Auf der anderen Seite werden noch einige kritische Aspekte gesehen. So wird neben den Straßenlaternen ausreichend Parkfläche benötigt. Eine Einigung müsste auch mit dem zuständigen regionalen Energieversorger gefunden werden. Die Laternen selbst gehören der Gemeinde.

Zur Debatte stehen in Tutzing zwei Modelle: Entweder die Gemeinde kauft die Hardware und beauftragt das Unternehmen mit dem Betrieb der Infrastruktur, oder das Unternehmen sorgt selbst für die Hardware und den Betrieb, so dass die Gemeinde keine Ausgaben hat. Die Refinanzierung würde dann über eine spätere Abrechnung bei den Ladevorgängen laufen.

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Schlossstraße und Kirchenstraße: Durchschnittliche Ladedauer rund zwei Stunden

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Klare Anweisung: Parken darf man auf diesen Plätzen in der Schlossstraße nur während des Ladevorgangs - maximal vier Stunden © L.G.

Bisher gibt es in Tutzing eine begrenzte Zahl von öffentlichen Lademöglichkeiten für Elektroautos. Seit Anfang Dezember 2021 sind in der Kirchenstraße und in der Schlossstraße Ladesäulen in Betrieb. Die erlaubte Parkzeit ist in beiden Fällen auf maximal vier Stunden begrenzt.

Nach einem Bericht der Betreiberfirma beträgt die durchschnittliche Ladedauer bei 67 Ladevorgängen in der Kirchenstraße zwei Stunden und 50 Minuten. Bei einer Gesamtdauer von 195 Stunden wurden durchschnittlich 12,23 Kilowattstunden geladen, was einer Gesamtabgabemenge von 819,43 Kilowattstunden entspricht. In der Schlossstraße waren es 63 Ladevorgänge mit durchschnittlich zwei Stunden Ladedauer. Das summierte sich auf eine Gesamtdauer der Ladevorgänge von 128 Stunden und eine Gesamtabgabemenge von 775,67 Kilowattstunden bei einer durchschnittlichen Ladung von 12,31 Kilowattstunden.

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Künftig vielleicht eine Lade-Alternative: Links die neuen Säulen in der Schlossstraße, rechts eine Straßenlaterne © L.G.

"Blockiergebühr" bestraft längeres Laden

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Andere wollen auch noch - Stecker weg nach spätestens vier Stunden! Ist diese Grafik an einer der Ladesäulen in der Tutzinger Schlossstraße etwa so gemeint? © L.G.

Bernd Pfitzner (Grüne) wies im Ausschuss aber auf eine „Blockiergebühr“ hin: Wer sein Elektroauto länger als vier Stunden lädt, wird mit einem höheren Preis „bestraft“. So soll erreicht werden, dass die Autos nicht allzu lange an den Ladesäulen stehen.

Beim Konzept mit den Straßenlaternen würden die Nutzer dort erreicht, wo sie parken, sagte der Mitarbeiter von Ubitricity im Tutzinger Ausschuss. Die Standzeiten an solchen Standorten seien erfahrungsgemäß deutlich länger, als fürs Nachladen erforderlich sei. Wenn man abends nach Hause komme und am nächsten Morgen wieder wegfahre, dann reiche diese Zeit fürs Laden aus.

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