Energie
4.11.2019
Von vorOrt.news

Bayernwerk sucht anfällige Kabel

Stromversorger bedauert häufige Ausfälle in Tutzing - „Wir optimieren die Versorgungssicherheit“

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Samstagsarbeit: Am 26. Oktober musste der Gehweg in der Kirchenstraße wegen einer defekten Verbindungsmuffe aufgegraben werden © L.G.

„Predictive Maintenance“: Vorausschauende Instandhaltung - so lautet der Name eines Projekts, mit dem das Bayernwerk zurzeit Möglichkeiten testet, die Lebensdauer von Komponenten differenzierter einschätzen zu können. Das hat Maximilian Zängl, der Pressesprecher des zum Eon-Konzern gehörenden Energieversorgers, gegenüber vorOrt.news mitgeteilt. Eine Häufung von Stromausfällen hatte in den vergangenen Monaten in Tutzing für Aufsehen gesorgt.

Mit dem Projekt „Predictive Maintenance“ werden nach Angaben des Unternehmenssprechers Analysen und Methoden untersucht, um anfällige Mittelspannungskabel frühzeitig zu identifizieren und diese „proaktiv“ auszuwechseln. „Unsere Versorgungssicherheit, die heute im Schnitt über unser gesamtes Netzgebiet schon bei über 99 Prozent liegt, werden wir so weiter optimieren“, verspricht Zängl. Für die Instandhaltung und Erneuerung seiner Energienetze wende das Bayernwerk jährlich rund 600 Millionen Euro auf.

"Bei hoher Belastung bleiben technische Bauteile vor Defekten nicht verschont"

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"Absolut auf dem Stand der Technik": Bayernwerk-Mitarbeiter beim Verlegen von Mittelspannungskabeln © Katja Lindner / Bayernwerk AG

Der Bayernwerk-Sprecher bedauert die Häufung von Stromausfällen in Tutzing: „Wir haben volles Verständnis für den Unmut der Bürgerinnen und Bürger, die durch die Stromausfälle der letzten Wochen persönlich beeinträchtigt waren.“ Es seien aber unterschiedliche Betriebsmittel betroffen gewesen, und auch Fremdeinwirkung sei im Spiel gewesen. Für Zängl ist dies ein Hinweis darauf, dass der Vorwurf veralteter Netze nicht zutreffe. Solche Behauptungen waren rund um den letzten Ausfall in Tutzing zu hören gewesen.

Das Stromnetz des Bayernwerks in Tutzing sei absolut auf dem Stand der Technik, versichert Zängl. Es unterliege den gleichen Wartungs- und Erneuerungsintervallen wie in allen anderen Netzregionen auch. Ein Stromnetz sei aber 24 Stunden rund um die Uhr in Betrieb. Seine Komponenten seien äußerst langlebig, aber bei einer so hohen Belastung blieben technische Bauteile natürlich vor Defekten nicht immer verschont. Entscheidend für Instandhaltungsmaßnahmen seien wie in allen technischen Anlagen die geplante Lebensdauer der verschiedenen Komponenten sowie natürlich die jeweils erforderliche Netzkapazität.

Die Gemeinde Tutzing hatte ihren Konzessionsvertrag mit dem zum Eon-Konzern gehörenden Unternehmen im Mai 2019 um 20 Jahre verlängert. Zangl versichert ausdrücklich: „Natürlich sind ein verantwortungsvoller Netzbetrieb, Instandhaltung und Erneuerung sowie die Anwendung innovativer Technologien zur Netzsteuerung Bestandteil unserer Konzessionsverträge.“

Zu den Ursachen der Stromausfälle in Tutzing hat der Bayernwerk-Sprecher detailliert Stellung genommen:

Der Stromausfall am 25. Juni

An diesem Tag war ein Transformator in der Bräuhausstraße defekt. Das führte zu einer längeren Versorgungsunterbrechung von 14 bis 17 Uhr. Folgeprobleme entstanden damals unabhängig vom Bayernwerk. Als im Aufzug am Bahnhof zwei Schüler feststeckten, kam der normalerweise zuständige „Befreiungsdienst“ der Deutschen Bahn nicht, weil er anderswo zu tun hatte. Erst nach einiger Zeit wurde die Freiwillige Feuerwehr Tutzing verständigt, die die Jugendlichen schnell befreite. Eine schnellere Information der Feuerwehr wäre sinnvoll gewesen, kommentierte ihr Kommandant Markus Kuisl.

Der Stromausfall am 14. September

Ursache der Probleme an diesem Tag waren nach Angaben des Unternehmenssprechers Erdarbeiten durch Dritte, bei denen ein Erdkabel beschädigt worden sei. Zunächst sei dadurch ein größerer Stromausfall ausgelöst worden, von dem auch Tutzing betroffen war und der von 10.35 bis 12.55 Uhr gedauert habe. Dann sei im Stromnetz ein sogenannter Folgefehler aufgetreten, der den Strom ab 13.15 Uhr nochmals für etwa eine Stunde unterbrochen habe. Vereinzelt komme es in der Folge eines Kabelabrisses zu solchen Folgedefekten im Stromnetz, dies sei nicht ungewöhnlich. Es gebe dann einen so genannten Spannungshub im umliegenden Netz.

Der Stromausfall am 14. Oktober

Ein Kabeldefekt war an diesem Tag nach Angaben des Bayernwerks der Auslöser. Er führte zu einem weiteren Kurzschluss, so dass zwei Stromkreise ausfielen. Betroffen waren 2000 bis 2500 Haushalte vom Tutzinger Süden bis Iffeldorf - ein im Stromkreis zusammenhängendes Gebiet. Für kurze Zeit konnten die Kunden in mehreren Einkaufsmärkten nicht bedient werden. Auch die Kassen funktionierten nicht mehr. Der Schaden wurde schnell behoben, der Strom war in den meisten Fällen innerhalb einer Viertelstunde wieder verfügbar, bei einigen Haushalten dauerte es etwa anderthalb Stunden.

Der Stromausfall am 26. Oktober

In diesem Fall sorgte nach Angaben des Bayernwerks eine defekte Verbindungsmuffe dafür, dass 16 Kunden„spannungslos“ waren. Betroffen waren vor allem Häuser und Betriebe in der Kirchenstraße und ihrem Umfeld. Ein paar Stunden lang konnte das Tutzinger Kino KurTheater keinen Film zeigen, und in der benachbarten Gaststätte Film-Taverne konnte nicht gekocht werden. Im Kino sollte zu einem Kindergeburtstag ein Film gezeigt werden, doch der musste ausfallen. Einige Besucher der Film-Taverne gingen anderswo hin zum essen, doch die meisten blieben. Der Pizza-Holzofen nämlich funktionierte. Manches geht auch ohne Strom.

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Erzwungene Pause: Kinobetreiber Michael Teubig - rechts im Gespräch - konnte am 26. Oktober zeitweise keinen Film zeigen. In der Film-Taverne nebenan funktionierte wenigstens der Pizza-Holzofen. © L.G.
Quelle Titelbild: Katja Lindner / Bayernwerk AG
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