Der erste Wiesn-Tag hat gestern gezeigt, wie das geht mit dem Ausnahmezustand: Schon vor sieben Uhr früh reichte die Schlange am Haupteingang hunderte Meter weit, einige Besucher hatten sogar vor Ort übernachtet. Um 12 Uhr zapfte Münchens Oberbürgermeister Dominik Krause im Schottenhamel-Zelt an – zwei Schläge, wie angekündigt. Dazu strahlender Sonnenschein und bis zu 25 Grad. Heute Vormittag geht es deutlich gesitteter, aber nicht weniger farbenprächtig weiter: Um 10 Uhr hat sich der Trachten- und Schützenzug am Max-II-Denkmal in Bewegung gesetzt.
Und Tutzing ist mittendrin. Rund 120 Mitglieder der Tutzinger Gilde ziehen unter der Zugnummer 37c mit, vom Maximilianeum durch die Innenstadt bis zur Theresienwiese. In einer festlich geschmückten Kutsche sitzen Mara Bove und Valentin Müller – jenes Paar, das im Juli bei der Tutzinger Fischerhochzeit Veronika Bierbichler und Michael Gröber verkörpert hat. Das große Fest am See liegt zwar schon einige Wochen zurück, sein Schwung aber ist heute in München noch einmal zu sehen
Ein Auftritt, der alle zwei Jahre ansteht
Für die Gilde ist der Wiesn-Zug kein einmaliges Abenteuer: Der Tutzinger Heimat- und Volkstrachtenverein ist regelmäßig dabei, traditionell im Wechsel mit dem Starnberger Heimat- und Volkstrachtenverein. 2024 war der aufwendig mit Gladiolen, Sonnenblumen und Rittersporn geschmückte historische Fischerkahn der Tutzinger einer der Hingucker des Zuges – damals hatten rund 30 Helferinnen und Helfer zwei Tage lang im Gemeinde-Bauhof geschmückt.
Schon lange, bevor heute morgen der erste Ton einer Blaskapelle erklang, hatten die Vorbereitungen begonnen. Hinter dem Auftritt steht mit der Gilde um Gildemeisterin Carola Falkner ein Verein, der seit Jahrzehnten Trachten, Tanz und Brauchtum pflegt – und bei dem Kinder- und Jugendgruppen fest dazugehören. Der Umzug in München ist für Tutzing damit auch ein Stück Werbung in eigener Sache.
Vom Münchner Kindl bis zu den Moriskentänzern
Den Zug gibt es in dieser Form seit 1950.immer am ersten Wiesn-Sonntag. Vorneweg reitet das Münchner Kindl, dahinter folgt die erste Festkutsche mit dem Oberbürgermeister, begleitet von der Stadtwache Würmesia.Auch Ministerpräsident Markus Söder und Wiesnchef Christian Scharpf sind dabei. Rund 9000 Menschen und etwa 60 geschmückte Wagen bilden eine fast sieben Kilometer lange Kette. Zu sehen sind historische Dirndl und Lederhosen, Biedermeier-Mode, sogar Ritterrüstungen, dazu Gebirgs- und Sportschützen, Fahnenschwinger, Spielmannszüge – und die akrobatischen Einlagen der Münchner Moriskentänzer. Gruppen aus ganz Europa haben sich dafür beim Festring München angemeldet.
Dass das Oktoberfest auch seine Kehrseite hat, zeigte der Samstag: Der Sanitätsdienst versorgte am ersten Abend über 600 Patientinnen und Patienten, an einem Fahrgeschäft hingen Fahrgäste minutenlang kopfüber fest, blieben aber unverletzt. Den Einzug der Wiesnwirte am Samstag haben nach Polizeiangaben rund 55 000 Zuschauer gesäumt, 15 000 mehr als im vorigen Jahr. Für die aus Tutzing ging es heute vom Tutzinger Bahnhof mit der S-Bahn direkt in die Stadt - das Auto haben die meisten daheim gelassen.


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