Sechs Blaskapellen, ein Fahnenmeer und die geballte Schützentradition der Region: Tutzing hat heute gefeiert, wie es sich für ein Jubiläum von hundert Jahren gehört. Die Schützengesellschaft Immergrün lud zu ihrem großen Festtag, und rund 900 Gäste aus 60 Vereinen der Umgebung folgten der Einladung. Es war ein Tag, der mit stiller Andacht begann und in einem prächtigen, ausgelassenen Miteinander im Festzelt endete.
Ein würdiger Abschied für eine alte Fahne
Begonnen hat der Jubiläumstag mit einem ökumenischen Gottesdienst in der katholischen Pfarrkirche St. Joseph, den die evangelische Pfarrerin Beate Frankenberger gemeinsam mit dem katholischen Pfarrer Peter Seidel gestaltete. Im Mittelpunkt stand die Weihe der neuen Vereinsfahne – ein Moment, den selbst die Vorstandsmitglieder der Schützengesellschaft zuvor noch nicht erlebt hatten, denn auch sie sahen die neue Fahne an diesem Tag zum ersten Mal. Zugleich hieß es Abschied nehmen von der alten Fahne. „So einen würdigen Abschied hat man selten erlebt“, sagte Andreas Lechermann, 1. Gauschützenmeister des Schützengaus Starnberg – und manch eine Träne floss dabei.
„Haltet ein bisserl Abstand“ – der Festzug durchs Ortszentrum
Nach dem Gottesdienst zog es alle Vereine gemeinsam durchs Tutzinger Ortszentrum, verfolgt von zahlreichen Zuschauern am Straßenrand. Der Festzug zeigte, wie eng die Schützenvereine der Region trotz aller Rivalitäten zusammengehören – auch wenn der Lokalstolz gelegentlich durchschimmerte. „Haltet ein bisserl Abstand“, rief einer der Wilzhofener seinen Kameraden zu, „wir gehören nicht zu den Weilheimern.“ Ein Satz, der die gute Laune des Tages auf den Punkt brachte: ernst gemeint war er nicht.
Wie das Zelt am Seehof zum Festort wurde
Der eigentliche Festakt fand im Zelt auf dem Seehof-Gelände statt – ein Rahmen, der alle Anwesenden sichtlich beeindruckte. Dass er überhaupt zustande kam, ist einer spontanen Idee von Bürgermeister Ludwig Horn zu verdanken. Vereinsvorsitzender Armin Ohr hatte sich mit Horn getroffen, um über Möglichkeiten für die Jubiläumsfeier zu sprechen. Der Bürgermeister verließ kurz den Raum – und kehrte mit dem Vorschlag zurück, das Zelt an diesem Samstag zu nutzen, an dem es sonst leer gestanden hätte. So bekam das Jubiläum einen Festort, den sich die Schützengesellschaft in dieser Form kaum hätte besser wünschen können.
Beim Einzug ins Zelt wurden die Fahnen aller teilnehmenden Vereine – und mit ihnen deren Mitglieder – unter anhaltendem Beifall einzeln begrüßt und anschließend vorn neben der Bühne aufgestellt. Ein imposanter Rahmen für das Programm, das folgte: Die Haushofener Blaskapelle spielte auf, dazu reihten sich zahlreiche Grußworte aneinander.
Ein Fahnenmeer, ein Maßkrug und ein Versprecher auf Bayerisch
Vertreter des Schützengaus Starnberg, des Bezirks Oberbayern und des Landesschützenbunds richteten das Wort an die Gäste. Stefan Fersch aus Starnberg, einer der stellvertretenden Landesschützenmeister, gestand offen, dass man sich beim Gauschützentag über eine ähnlich große Beteiligung freuen würde. Bürgermeister Horn verlas zudem ein Grußwort von Bayerns Innenminister Joachim Herrmann, der der „immergrünen“ Schützengemeinschaft mit großem Respekt für ihren Zusammenhalt begegnete.
Für Heiterkeit sorgte Landrat Stefan Frey: Er brachte einen alten Maßkrug mit der Aufschrift „Schlossbrauerei Tutzing“ mit – gefunden, wie er augenzwinkernd behauptete, beim Baden im See. Sichtlich beeindruckt zeigte er sich vom Ausmaß der Feier: „Ich habe noch kein Jubiläum im Landkreis gesehen, das so bombastisch begangen wurde – und ich habe auch noch nie so ein Fahnenmeer am Starnberger See gesehen.“ Auch der hiesige CSU-Bundestagsabgeordnete Matthias Kießling zählte zu den Gratulanten des Tages.
Für einen besonderen Programmpunkt sorgte der Hochzeitslader der Fischerhochzeit, Hans Greif: Er nutzte die Gelegenheit, um zum morgigen Fest einzuladen – und bat zugleich erfolgreich um einen Obolus. „Dann kann sich die Gemeinde vielleicht in fünf Jahren wieder eine Fischerhochzeit leisten“, warb er scherzhaft, aber nicht ganz ohne Ernst.
Ein Geschenk der Tutzinger Schützenfamilie
Unter den Gratulanten waren naturgemäß auch die anderen Tutzinger Schützenvereine vertreten. Ein besonders persönliches Geschenk brachte Florian Listl von den Altschützen mit: eine kunstvoll gestaltete Schützenscheibe, die in gemeinsamem Auftrag der Altschützen und der Edelweißschützen der bekannte Kunstmaler Horst Maria Einöder angefertigt hatte – ein Zeichen der engen Verbundenheit innerhalb der Tutzinger Schützenfamilie, die trotz eigenständiger Vereine bei einem solchen Jubiläum zusammenrückt.






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