Über längere Zeit wurde in Tutzing genäht, geschnitten und geübt, organisiert, geprobt und geschmückt: Im Hintergrund wird - teils seit Monaten - mit enorm viel Arbeit die Fischerhochzeit vorbereitet, die am Sonntag stattfindet - ein beeindruckendes Gemeinschaftswerk von hunderten Menschen beim Heimat- und Volkstrachtenverein Tutzinger Gilde, bei der Gemeinde, beim Veranstaltungsverein Tutzing, bei weiteren Vereinen, bei Firmen, bei Geschäften und Privatleuten, die dem großen Ereignis entgegenfiebern.
Mit der Festwoche, die diesmal mit der Fischerhochzeit verbunden wird, geht es bereits am Mittwoch dieser Woche los. Die Kabarettistin Luise Kinseher, LaBrassBanda und Sašo Avsenik mit seinen Oberkrainern sollen die Stimmung kräftig anheizen.
Bei der Fischerhochzeit selbst am Sonntag werden allein rund 10 000 Besucher erwartet, dazu kommen über die gesamte Festwoche geschätzt weitere 4000 bis 5000 und viele weitere am Samstag, wenn der Schützenverein Immergrün im Festzelt sein Jubiläum feiert. In der Summe werden es wahrscheinlich 15 000 Gäste oder mehr sein, die in dieser Woche in Tutzing sind.
Historische Trachten und Biedermeier-Kostüme
Hunderte Menschen in ganz Tutzing und seinen Ortsteilen sind seit Monaten mit dem Großereignis beschäftigt. In der Kleiderkammer werden historische Trachten und Biedermeier-Kostüme gelagert, gepflegt und für ihren großen Auftritt hergerichtet: Nähte werden nachgezogen, Säume angepasst, fehlende Knöpfe ersetzt. Handarbeit, die kaum jemand sieht – ohne die aber kein Umzug und kein Tanz stattfinden könnte.
Perfekt im Griff hat das alles Ulrike Weiß, die Trachtenwartin der Tutzinger Gilde. Viele der Gewänder sind über Jahre gewachsen, von Generation zu Generation weitergegeben und ausgebessert worden. In der Kammer hängt damit nicht nur Stoff, sondern ein Stück Tutzinger Vereinsgeschichte. Auch klassische Trachtenfrisuren wird man bestaunen können - mit geflochtenen Zöpfen, romantischen Half-Up-Frisuren oder gedrehten Nackenknoten.
Im Mittelpunkt der Fischerhochzeit selbst stehen der Fischersohn Michael Gröber, dargestellt von Valentin Müller, und seine Braut Veronika Bierbichler, gespielt von Mara Bove. Etwa 200 Einheimische wirken insgesamt an der Aufführung mit, die an drei Hauptspielstätten und mehreren weiteren Spielstätten stattfindet.
Die Inszenierung hat wie erstmals bei der Fischerhochzeit 2017 der Schauspieler Michael Fleddermann übernommen. Der gebürtige Starnberger, der zum Beispiel in der RTL-Sitcom "Kalle kocht" den Kellner Bodo Wagner gespielt hat, war lange bei der Pöckinger Theatergruppe, seit Jahren wirkt er bei der Traubinger Theatergruppe mit.
Die Tänze werden exakt eingeübt
Überall erklingt Musik, zu der Brautpaar, Kranzler, Volkstanzkreis und Kindertanzgruppe der Tutzinger Gilde sowie die Schuhplattler unter der Leitung von Könnern wie Andrea und Georg Sigl alle Bewegungen, Schritte und Drehungen exakt einüben. Etwas ganz Besonderes ist dabei der sogenannte Reiftanz, der ausschließlich bei der Fischerhochzeit aufgeführt wird. Weil bei Weitem nicht alle Tutzinger am Sonntag selbst dabei sein und die Tänze aus nächster Nähe erleben können, haben sich die Organisatoren etwas einfallen lassen: Gegen 17 Uhr sind im Ortszentrum – etwa auf Höhe des Sportgeschäfts Thallmair – noch einmal wichtige Darbietungen zu sehen.
Aus Buchsbaumzweigen entstehen Kränze und Schmuck
Ein sinnbildlicher Vorbereitungsschritt ist das Schneiden von Buchsbaumzweigen, aus denen traditionell Kränze und Schmuck entstehen, die Tracht, Wagen und Festplatz zieren. Die Arbeit wirkt unscheinbar, ist aber zeitaufwendig – ein gutes Beispiel dafür, wie viel Vorbereitung hinter einem Fest steckt, das am Ende nur wenige Stunden dauert.
Blasmusik auf dem Wasser
Auch auf dem Wasser wird gearbeitet: Das Musikerboot, das während der Fischerhochzeit traditionell mit an Bord ist, wird derzeit vorbereitet und hergerichtet. Bei den Proben auf dem See ist schon jetzt zu hören, wie die Blasmusik übers Wasser trägt – ein Vorgeschmack auf den Sonntag.
Ein junger Verein übernimmt die Festwirt-Rolle
Ganz Tutzing wird sich für die Fischerhochzeit verwandeln: Häuser werden mit Fahnen und Tüchern geschmückt, an verschiedenen Stellen im Ortszentrum entstehen Stände mit Schmankerln und Getränken. 2,7 Kilometer lang wird der Festzug sein, der am Sonntag durch Tutzing ziehen wird - auf einer anderen Route als früher. "Wir sind oft nach Norden gelaufen", erinnert sich Carola Falkner, die Vorsitzende der Tutzinger Gilde, diesmal laufen wir nach Süden." Etwa anderthalb Stunden wird das dauern. Im Festzelt sorgt ein Cateringanbieter für Verpflegung, am Samstag und Sonntag auch mit Ochsenbraten. Eine Maß Bier soll rund 11 Euro kosten.
Das Festzelt auf dem Seehof-Gelände steht seit voriger Woche. Was selbstverständlich wirkt, ist das Ergebnis mehrerer Arbeitseinsätze, an denen viele Tutzinger ehrenamtlich mitgewirkt haben. Gestern wurde auch schon die Verstärkeranlage ausprobiert - und die hat es in sich. Anders als bei vergleichbaren Veranstaltungen üblich, gibt es keinen klassischen Festwirt – diese Aufgabe hat der Veranstaltungsverein Tutzing übernommen. Der Verein wurde erst vor drei Jahren gegründet, viele seiner Mitglieder sind recht jung. Einer der Gründe für die Gründung waren damals immer aufwendigere Planungen und höhere Auflagen für das beliebte Weinfest auf der Brahmspromenade, das zuvor der Freizeitclub JM ausgerichtet hatte. Seitdem organisieren Veranstaltungsverein und JM das Weinfest gemeinsam – mit Erfolg: Jedes Jahr reisen einige tausend Besucher von auswärts zum Mitfeiern nach Tutzing. Von diesen Erfahrungen profitiert der Veranstaltungsverein nun auch bei der Fischerhochzeit. Er kann sich auf viele verlässliche Helfer stützen.
Trotzdem ist das Fest nochmal eine ganz andere Nummer als das Weinfest: Mit schätzungsweise fünfmal so vielen Besuchern und rund 1700 Plätzen allein im Festzelt ist es die mit Abstand größte Veranstaltung, die der junge Verein bislang gestemmt hat. Aber Tobias Wegl, der Vorsitzende des Veranstaltungsvereins, ist sehr zuversichtlich: "Wir erwarten ein volles Festzelt."


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Kommentare
Aber ich wünsche allen Festbesuchern & Teilnehmern, sowie dem sehr engagierten Organisationsteam ein wunderbares Fest, das sie noch lange in allerbester Erinnerung haben werden!
Warum schreibe ich das hier so öffentlich? Selbstdarstellung?
;-) Ich hoffe nicht.
Aber wir sind doch alle Tutzinger. Wir müssen nach allen Diskussionen am Ende auch wieder zusammenhalten.
Und wir müssen uns auch gegenseitig immer wieder etwas gönnen & zugestehen.
Mal feiern die einen ein lautes, fröhliches Fest, und mal haben andere Freude an Dingen, die nicht jeder so teilt.
Na und? So sollte das Zusammenleben in jeder Gemeinschaft sein.
In diesem Sinne wünsche ich Euch allen nochmals ein wunderbares Fest. Habt Spaß & Freude!
Das Wetter soll ja dafür auch bestens werden.