Brauchtum
13.7.2026
Von vorOrt.news

Hier bin ich dahoam

Das Brautpaar bei der Fischerhochzeit stammt aus zwei Fischerfamilien, die die Tradition seit langem mittragen

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97 Jahre später: Das aktuelle Brautpaar Mara Bove und Valentin Müller vor dem Fresko im Sitzungssaal des Tutzinger Rathauses, mit dem der Kunstmaler Karl Gries (1897 bis 1975) den Festzug der ersten Tutzinger Fischerhochzeit von 1929 dargestellt hat © L.G. / Foto Startseite: Benedikt Greif

"Tutzing ist meine Heimat, hier bin ich dahoam – es ist schön, so etwas sagen zu können." Valentin Müller ist die meiste Zeit des Jahres unterwegs, oft auf dem Wasser, oft weit weg von Tutzing. Trotzdem sagt der 24-Jährige diesen Satz ohne Zögern. Bei der Tutzinger Fischerhochzeit Ende nächster Woche ist er der Bräutigam und Mara Bove die Braut. Die 19-Jährige kann dabei auf eine besondere Quelle zurückgreifen: Ihre Oma hatte an der Universität eine Zulassungsarbeit fürs Staatsexamen über die Tutzinger Fischerhochzeit verfasst.

Dass es sie treffen würde, war beiden nicht völlig unvorstellbar. "Die Zahl der Fischerfamilien in Tutzing ist ja abzählbar, und die der Kinder im passenden Alter erst recht", sagt Valentin Müller. Es habe schon Gerüchte gegeben, sogar Wetten seien abgeschlossen worden – die er im Übrigen verloren hat.

Als der Anruf von Florian Schotter, dem Vorsitzenden des Vereins zur Förderung der Fischerhochzeit, im vergangenen Sommer dann tatsächlich kam, war die Überraschung trotzdem groß. Auch Mara Bove, deren Familie seit Generationen bei der Fischerhochzeit mitwirkt, hatte sich eine Rolle gewünscht, aber nicht fest damit gerechnet: "Jetzt sehe ich es als große Ehre."

Beide stammen, wie es die Tradition vorsieht, aus alteingesessenen Tutzinger Fischerfamilien. Mara Bove gehört zur Familie Greinwald/Hauer/Bove, die schon 1929 mit Johann Greinwald als Bräutigam vertreten war und seither immer wieder zentrale Rollen übernommen hat – zuletzt 2011 und 2017, als Mara selbst als Taferlmädchen und beim Festzug mitwirkte. Valentin Müller kommt aus dem Haus Rass in der Marienstraße; sein Vater Florian Müller gab 2001 bereits den Bräutigam.

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Aus dem Album der Familie Greinwald/Hauer/Bove: oben von links Fischerhochzeiten 1929 (Johann Greinwald und Marie Zistl), 2011 (Michael Zistl und Katharina Greinwald), 2006 (Gregor Hauer und Eva-Maria Bauer), unten von links 2006 und 2011 © Familie Greinwald/Hauer/Bove
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Zwischen Islandpferden, Segelweltmeisterschaften und Fischerei-Lehre

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Festschriften der Tutzinger Fischerhochzeit / Gemeinde Tutzing

Für Mara Bove fällt die Fischerhochzeit in eine Übergangszeit: Sie steht zwischen Abitur und dem Beginn ihres Studiums der Wirtschaftspsychologie an der Hochschule Fresenius, das erst im September beginnt. Bis dahin arbeitet sie viel im Hotel Reschen ihrer Familie mit – im Juli, mitten in der Hochsaison, muss der Betrieb allerdings ohne sie auskommen. Ihre große Leidenschaft neben der Fischerhochzeit ist der Islandpferdesport: Ihr eigenes Pferd steht auf dem Greinwaldhof, derzeit macht sie den Trainerschein für Schulpferde.

Valentin Müller ist rund 200 Tage im Jahr auf dem Wasser unterwegs, meist beim Segeln zusammen mit seinem Partner Moritz Fiebig – zurzeit häufig in Portugal, sonst oft in Kiel. Sein erklärtes Ziel: eine Medaille bei den Olympischen Spielen. Dass die Fischerhochzeit terminlich nicht mit einem wichtigen Wettkampf kollidiert, verdankt er dem langfristigen Veranstaltungskalender, der ihm schon frühzeitig die Gewissheit gab, in diesem Jahr dabei sein zu können. Parallel zum Segeln studiert er Wirtschaftsingenieurwesen im Fernstudium und hat im vergangenen Jahr eine Fischerei-Ausbildung abgeschlossen – mit dem Ziel, perspektivisch die Fischerei seiner Familie im Nebenerwerb weiterzuführen.

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Viele Menschen und einige Familien, die über Generationen hinweg Rollen besetzen: Tutzinger Fischerhochzeit 2017 © Festschrift der Tutzinger Fischerhochzeit 2017

Eine Tradition, die von den Familien getragen wird

Die Fischerhochzeit lebt von genau solchen Verbindungen: Familien, die über Generationen hinweg Rollen besetzen, Requisiten pflegen und Wissen weitergeben. Besonders sichtbar wird das bei den Booten. Seit 1975 hat zunächst Martin Greinwald senior, dann Martin Greinwald selbst dafür gesorgt, dass die Schiffe für die Fischerhochzeit bereitstehen und seetauglich hergerichtet werden. 1978 holten Lui Wiest und Martin Greinwald ein altes Schiff der Fischerfamilie Hirn aus Bernried, das zuvor bepflanzt im Park von Höhenried gestanden hatte, und setzten es erstmals beim Oktoberfestzug der Tutzinger Gilde ein. Für die Fischerhochzeit 1980 wurde es erneut restauriert und mit Gregor Müller auf einen alten Wagen montiert – seither ist es das Brautschiff. Außer in den Jahren, in denen er selbst eine Rolle übernahm, ruderte Martin Greinwald es bei jeder Fischerhochzeit seit 1975 persönlich.

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