Bildung
1.7.2026
Von vorOrt.news

14 000 Menschen jährlich zu Besuch

Im nächsten Jahr wird die Evangelische Akademie Tutzing 80 Jahre alt - Kauf von Rudolf August Oetker

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Seit Jahrzehnten im Gespräch mit hochrangigen Politikern: Bundeskanzler Konrad Adenauer (M.) mit Bayerns Ministerpräsident Alfons Goppel (li.) und Landesbischof Hermann Dietzfelbinger im Schloss Tutzing (Bild links), der Politische Club der Evangelischen Akademie zu Besuch beim amerikanischen Präsidenten John F. Kennedy in Washington (Bild rechts)

Die Evangelische Akademie Tutzing feiert im nächsten Jahr ihr 80-jähriges Bestehen. Sie ist 1947 vom damaligen Landesbischof Hans Meiser gegründet worden. Sie zähle zu den bedeutendsten Denkwerkstätten in Deutschland, schreibt die Akademie in einer Darstellung ihrer Geschichte auf ihrer Webseite. https://www.eatutzing.de/akademie/akademiegeschichte/ Mehr als 8000 Menschen nehmen nach den Angaben jährlich an insgesamt gut 100 Tagungen, Konsultationen, Workshops und abendlichen Foren teil. Auch zahlreiche Gastveranstaltungen finden in der Akademie statt. Stiftungen, Universitäten, Firmen und sonstige Organisationen nutzen den Ort für eigenständig organisierte Tagungen, Klausuren, Kongresse. Dadurch kommen jährlich weitere 6000 Menschen ins Schloss, insgesamt also rund 14 000 Personen.

Zahlreiche Impulse seien von hier ausgegangen, berichtet die Akademieleitung, und hätten in Politik, Wirtschaft, Kultur, Medien und Kirche ihre Wirkung entfaltet. Seit ihrem Bestehen bringe die Akademie Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens verschiedener politischer Couleur wie auch Künstler und Literaten ins Gespräch. Bundespräsidenten und -kanzler, Ministerpräsidenten und weitere hochrangige in- und ausländische Politiker, berühmte Künstler und andere Prominente unterschiedlichster Richtungen waren schon bei den Empfängen der Akademie und bei anderen Gelegenheiten zu Gast im Schloss.

Etliche Bundespräsidenten kamen beispielsweise nach Tutzing, so Gustav Heinemann, Roman Herzog, Johannes Rau, Horst Köhler und Joachim Gauck, ebenso Bundeskanzler wie Konrad Adenauer, Helmut Schmidt, Helmut Kohl und Gerhard Schröder sowie viele andere Prominente von Charlotte Knobloch über Eberhard von Kuenheim bis zu Carl Friedrich von Weizsäcker. Auch Besuche bei Prominenten gab es. So war der "Politische Club" der Evangelischen Akademie in den 1960er Jahren beim damaligen amerikanischen Präsidenten John F. Kennedy zu Gast. Gern erwähnt wird, dass Egon Bahr in einer Tagung des Politischen Clubs der Akademie 1963 das Motto der Ostpolitik Willy Brandts geprägt habe: „Wandel durch Annäherung.“

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Tutzing beherbergt eine der bedeutendsten Denkwerkstätten in Deutschland: Die Evangelische Akademie im Schloss (unten links)
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Von Vieregg, Hallberger, von Nemes, Kaselowsky, Oetker

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Die Familien Kaselowsky und Oetker haben das Tutzinger Schloss nach dem Zweiten Weltkrieg an die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern verkauft

Die Bandbreite der Akademie zeige sich auch in den von ihr gestifteten Preisen: Seit 1984 werde alle zwei Jahre der Marie-Luise-Kaschnitz-Preis vergeben, seit 2000 ebenfalls alle zwei Jahre der „Toleranzpreis“, seit 2012 auch in der Kategorie „Zivilcourage“. Seit 2013 unterstütze die Akademie den Robert-Geisendörfer-Preis „Kinderprogramme“ und seit 2014 lobe sie zusammen mit dem Unternehmen Eurobuch den „Phoenix-Kunstpreis für Nachwuchskünstler“ aus. Seit 2011 bestehe ein Partnerschaftsvertrag zwischen der Evangelischen Akademie Tutzing und dem Institute for Theological & Interdisciplinary Research der Ecumenical Foundation of Southern Africa (EFSA) in Stellenbosch/Südafrika.

In der historischen Übersicht auf der Webseite der Akademie kann man nachlesen, dass die Gebäude in ihrer heutigen Gestalt auf Friedrich Graf von Vieregg zurückgehen. Er habe zwischen 1802 und 1816 den Umbau der Barockanlage veranlasst. Zwischen 1869 und 1880 habe sich Schloss Tutzing im Besitz des Gründers der Deutschen Verlagsanstalt, Eduard von Hallberger befunden. Von 1921 bis zu seinem Tod im Jahr 1930 habe der international bekannte ungarische jüdische Kunstsammler Marczell von Nemes im Schloss residiert. Während des Dritten Reiches habe das Objekt dem Industriellen und katholischen Zentrumspolitiker Albert Hackelsberger gehört, der 1940 in der Gestapo-Haft umkam. In den vierziger Jahren seien die Familien Kaselowsky und Oetker die Schlosseigentümer gewesen. Sie haben es nach dem Zweiten Weltkrieg an die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern verkauft, nachdem Landesbischof Hans Meiser entscheiden habe, 1947 an diesem Ort die Evangelische Akademie Tutzing zu errichten.

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Grandiose Lage am Starnberger See: In Tagungspausen genießen die Gäste das Ambiente

Die evangelische Kirche hat für 350 000 Mark zwei Drittel des Grundbesitzes gekauft

Als Rudolf August Oetker das Anwesen verkaufen wollte, war unter den Interessenten nach dem Bericht der Akademie auch ein Vertreter der Prießnitz-Anstalten aus dem schlesischen Gräfenberg. "Hätte er das Haus bekommen, so wäre einerseits die Heimkehrerarbeit, andererseits auch der junge Akademiebetrieb zum Erliegen gekommen", schreibt die Akademie. Man habe an alternative Standorte gedacht, schließlich aber habe Landesbischof Hans Meiser doch an Schloss Tutzing festgehalten.

Im Frühjahr 1949 hat die Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, wie berichtet wird, für 350 000 Mark zwei Drittel des Grundbesitzes gekauft. Das verbleibende Drittel mit der Viola-Burg sei an Anton Leidl gegangen. Ein Teil der Summe kam nach dem Bericht vom Lutherischen Weltbund, das heißt genau genommen von den amerikanischen lutherischen Kirchen, die das Geld für den „geistlichen Wiederaufbau“ Deutschlands zur Verfügung gestellt hatten.

Die Leiter der Akademie seit ihrem Bestehen: Dr. med. August Knorr (1947-1948) Kirchenrat Gerhard Hildmann (1948-1968), Kirchenrat Paul Rieger (1968-1972), Pfarrer Johannes Viebig (1972-1977), kommissarisch Pfarrer Erhard Ratz (1977-1979), Pfarrer Claus-Jürgen Roepke (1980-1991), Pfarrer Dr. Friedemann Greiner (1991-2011) und seit 2011 Pfarrer Udo Hahn.

"Vorausdenken“ steht über dem neuen Jahresprogramm der Akademie 2026/2027 - "ein Motto, das auch im 80. Jahr nach der ersten Akademietagung im Sommer 1947 nicht an Relevanz verliert", so Direktor Hahn. Das Jahresprogramm bleibe dem Charakter der ältesten Denkwerkstatt am Starnberger See treu: Orientierung, Begegnung und Inspiration für Menschen aller Altersgruppen zu bieten und einen Beitrag zur Gestaltung einer verantwortlichen, gerechten und partizipativen Gesellschaft zu leisten. Neu ist nach Angaben von Hahn eine verstärkte Vernetzung mit der Evangelischen Stadtakademie München. "Eigenverantwortlich am Gemeinwesen teilnehmen und es mitgestalten"

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Ab und zu - zum Beispiel an Tagen der offenen Tür - dürfen alle in den Park © Fotos: Archiv Evangelische Akademie

Neu: Verstärkte Vernetzung mit der Evangelischen Stadtakademie München

Die Leiter der Akademie seit ihrem Bestehen: Dr. med. August Knorr (1947-1948) Kirchenrat Gerhard Hildmann (1948-1968), Kirchenrat Paul Rieger (1968-1972), Pfarrer Johannes Viebig (1972-1977), kommissarisch Pfarrer Erhard Ratz (1977-1979), Pfarrer Claus-Jürgen Roepke (1980-1991), Pfarrer Dr. Friedemann Greiner (1991-2011) und seit 2011 Pfarrer Udo Hahn.

"Vorausdenken“ steht über dem neuen Jahresprogramm der Akademie 2026/2027 - "ein Motto, das auch im 80. Jahr nach der ersten Akademietagung im Sommer 1947 nicht an Relevanz verliert", so Direktor Hahn. Das Jahresprogramm bleibe dem Charakter der ältesten Denkwerkstatt am Starnberger See treu: Orientierung, Begegnung und Inspiration für Menschen aller Altersgruppen zu bieten und einen Beitrag zur Gestaltung einer verantwortlichen, gerechten und partizipativen Gesellschaft zu leisten. Neu ist nach Angaben von Hahn eine verstärkte Vernetzung mit der Evangelischen Stadtakademie München.

In der tagungsfreien Zeit im Sommer, von Mitte Juli bis Anfang September, kann man im Tutzinger Schloss auch seinen Urlaub verbringen: Es wird dann sozusagen zum Hotel Garni. Angeboten werden Zimmer ab 75 Euro pro Person und Nacht inklusiv Schlosstaxe. Ab und zu veranastaltet die Akademie auch Tage der offenen Tür - dann dürfen alle, die daran Interesse haben, in den grandiosen Park.

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