Die langjährige Vorsitzende des Freundeskreises der Evangelischen Akademie Tutzing, Brigitte Grande, ist nach zwölf Jahren im Amt feierlich verabschiedet worden. Zum neuen Vorsitzenden ist in einer Mitgliederversammlung des Freundeskreises Pfarrer Frank Kittelberger gewählt worden. Er war von 2012 bis 2020 Studienleiter an der Evangelischen Akademie für die Themenfelder „Ethik in Medizin und Gesundheitswesen, Pastoralpsychologie und Spiritual Care“. Seit 2020 ist er freier Mitarbeiter der Evangelischen Akademie. Brigitte Grande, die von 2014 bis 2020 auch Gemeinderätin in Tutzing war, hatte auf eine erneute Kandidatur für den Vorsitz des Freundeskreises verzichtet. Bei der feierlichen Verabschiedung wurde der Kulturmanagerin für ihr zwölfjähriges Ehrenamt das Freundeskreiszeichen verliehen. Zum Abschluss ihrer Amtszeit zog Brigitte Grande ein positives Resümee ihres ehrenamtlichen Wirkens. Sie beschrieb die Akademie und den Freundeskreis als unverzichtbare „Dritte Orte“ und öffentliche Begegnungsräume, die den sozialen Zusammenhalt stärken. Diese Institutionen fungierten als Bühnenbauer für den Dialog zwischen Politik, Wissenschaft und Bürgern und stärkten die gesellschaftlichen Abwehrkräfte gegen einfache populistische Erklärungen.
Akademiedirektor Hahn äußert tiefe Besorgnis über die Pläne der Bundesbildungsministerin
Die Würdigung fand als Teil der Tagung „Zivilgesellschaft und Demokratie“ statt. Sabine Leutheusser-Schnarrenberger bezeichnete Grande in ihrer Festrede als „leuchtendes Vorbild für die Zivilgesellschaft“. Sie betonte, dass die liberale Demokratie und das zivilgesellschaftliche Engagement derzeit massiv unter Druck stünden. Als Hauptursachen nannte sie zunehmende Polarisierung, Angriffe auf die Demokratie sowie die Macht globaler Tech-Konzerne und künstlicher Intelligenz. Menschen wie Brigitte Grande zeigten jedoch, wie wichtig Selbstwirksamkeit sei, um rechtsextremen Zukunftsbildern entgegenzuwirken. Der Freundeskreis sei ein Ort, der „Ohnmacht keine Macht“ gebe.
Leutheusser-Schnarrenberger ging zudem kritisch auf die aktuellen Bundesdebatten über finanzielle Kürzungen und Neuausrichtungen von Förderprogrammen wie „Demokratie leben!“ ein. Sie forderte die zuständige Bildungsministerin Karin Prien zu raschen Entscheidungen über die Mittelvergabe und Förderkriterien auf. Eine generelle Einschaltung des Verfassungsschutzes bei Förderungen lehnte sie ab. Dies sei nur bei konkretem Verdacht gerechtfertigt, da die Zivilgesellschaft andernfalls mit Misstrauen vergiftet werde.
Akademiedirektor Udo Hahn äußerte ebenfalls tiefe Besorgnis über die Pläne der Bundesbildungsministerin. Er warnte vor der gezielten politischen Delegitimierung zivilgesellschaftlicher Bildungsarbeit durch rechtsextreme Kräfte unter dem Deckmantel der Gemeinnützigkeitsdebatte. Hahn stellte klar, dass eine staatliche Neutralitätspflicht nicht für unabhängige Akteure gelte. Die Arbeit gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus sei im Sinne des Gemeinwohls nicht neutral, sondern zutiefst wertegebunden. Für die Zukunft forderte er, das Strukturprinzip der Subsidiarität zwischen Staat und Trägern weiter beizubehalten.
Der Freundeskreis wurde 1949, zwei Jahre nach der Evangelischen Akademie Tutzing, gegründet. Er unterstützt deren Bildungsidee bayernweit durch ehrenamtlich organisierte Veranstaltungsangebote.
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