Beim Erweiterungsplan des Unternehmens W.A.F. im Tutzinger Ortsteil Kampberg steht die Frage des ökologischen Ausgleichs zur Debatte. Die als Voraussetzung für die Neubauten erforderliche Herausnahme der betreffenden Fläche aus dem Landschaftsschutzgebiet sei der „Knackpunkt“, sagte Bernd Pfitzner von den Grünen am Dienstag im Gemeinderat.
Ob die für die Neubebauung vorgesehene Fläche südlich der Blumenstraße, gegenüber der bestehenden Unternehmenszentrale, aus dem Landschaftsschutzgebiet herausgenommen werden kann oder nicht, darüber hat der Starnberger Kreistag zu entscheiden. „Wenn wir Ausgleichsflächen anbieten, macht das die Entscheidung des Kreistags einfacher“, sagte Pfitzner.
Bisher ist der Kreistag mit diesem Thema noch nicht befasst. Pfitzner wollte wissen, ob die Gemeinde eine ökologische Ausgleichsfläche anbietet oder ob sich der Bauwerber selbst um eine solche Ausgleichsfläche bemühen sollte.
„Wir haben es dem Bauwerber empfohlen“, erwiderte Bürgermeister Ludwig Horn. Im ersten Schritt werde aber nun erst einmal der Bebauungsplan fertig gemacht. Erst anschließend, wenn der Bebauungsplan verabschiedungsfähig sei, werde man die Angelegenheit dem Kreistag übergeben.
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Die Stellungnahme der ÖDP zur geplanten erneuten Erweiterung der Firma W.A.F. im Kampberg setzt ein wichtiges und berechtigtes Warnsignal. Wer Flächen aus einem Landschaftsschutzgebiet (LSG) für den Gewerbeausbau freigeben möchte, greift in den Natur- und Umweltschutz unserer Gemeinde ein. Die Sorge vor einer schleichenden Aufweichung von Schutzgebieten unter wirtschaftlichem Druck ist absolut real und muss im Sinne des Gemeinwohls ernst genommen werden.
Gleichzeitig ist die Firma W.A.F. ist ein herausragendes Tutzinger Erfolgsunternehmen, einer unserer größten Gewerbesteuerzahler und ein wichtiger lokaler Arbeitgeber. Dass ein solcher Betrieb nach einer ersten Erweiterung nun nochmals am Standort wachsen möchte, ist für die Finanzen und die Zukunft von Tutzing grundsätzlich eine sehr gute Nachricht. Wirtschaftlicher Erfolg und der Erhalt unserer Naturräume dürfen nicht als unvereinbare Gegensätze behandelt werden – sie müssen von Anfang an Hand in Hand gehen.
Genau hier liegt das Problem des aktuellen Verfahrens, bei dem ich der ÖDP zustimme. Dass der Bauausschuss vergangene Woche einen positiven Beschluss gefasst hat, in dem das Thema Ausgleichsflächen nicht erwähnt wurde, ist kritisch zu bewerten. Es war daher völlig richtig und notwendig, dass Gemeinderatsmitglied Bernd Pfitzner in der öffentlichen Sitzung des Gemeinderats (09.06.2026) an den Antrag der Grünen aus dem Jahr 2024 erinnert hat. Damals wurde vorgeschlagen, dass die Verwaltung aktiv Tauschflächen vorhält, um sie dem Kreis als Kompensation anbieten zu können. Das zeigt: Man kann die Erweiterung von W.A.F. grundsätzlich unterstützen und gleichzeitig den Naturschutz proaktiv zur Bedingung machen.
1. Bürgermeister Horn betonte im Gemeinderat, das Verfahren sei noch nicht an dem Punkt, an dem eine Ausgleichsfläche oder der Einsatz von Ökopunkten relevant sei. Ergänzend erwähnte er, dass die Gemeinde das Thema im Verfahren wieder aufnehmen wird.
Der Starnberger Kreistag handhabt LSG-Herausnahmen bekanntlich sehr restriktiv. Daher ist die frühzeitige, konkrete Überlegung zu Tauschflächen bzw. Ökopunkten wichtig, damit das gesamte Erweiterungsprojekt nicht auf tönernen Füßen steht oder sogar eine Ablehnung des Kreises droht.
Mein Fazit: Ein klares Ja zur erneuten Standorterweiterung von W.A.F., um diesen wichtigen Partner in Tutzing zu halten. Aber ebenso ein klares Nein dazu, den Landschaftsschutz im Verfahren auf die lange Bank zu schieben.