Bauplanung
10.2.2026
Von vorOrt.news

Umstrittene Wege zur neuen Wohnanlage

Unterschiedliche Interpretationen eines Gemeinderatsbeschlusses zum Thema Schönmoos

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Leer: Die Fläche, auf der die neue Wohnanlage schon lange geplant ist, bleibt vorerst unbebaut © L.G.

Die Grundstücke des Verbands Wohnen im Tutzinger Schönmoos bleiben bisher weiter leer. Die alten Wohnblöcke dort sind schon 2023 abgebrochen worden, eine neue Wohnanlage ist seit Jahren geplant – aber wann und ob sie errichtet wird, ist nicht abzusehen. Dem Verband Wohnen fehlt es an finanziellen Mitteln für Neubauten, die meisten Kommunen des Landkreises Starnberg – so auch Tutzing – sehen sich zurzeit nicht zur Zahlung der eigentlich vereinbarten, jährlich anfallenden Wohnbau-Umlage in der Lage.

Das alles sorgt, gerade wegen des vielfach beklagten Mangels an bezahlbarem Wohnraum, für kritische Diskussionen. Die Grünen haben im Januar im Gemeinderat einen Antrag eingebracht: Sie plädieren für eine enge Kooperation zwischen dem Verband Wohnen, der Gemeinde und einer bürgergetragenen, noch zu gründenden Genossenschaft. Damit sollen Konsequenzen aus den aktuellen finanziellen Problemen des Verbands gezogen werden.

Der Antrag der Grünen zur Wohnanlage im Schönmoos:

  Antrag-Sch-nmoos.pdf herunterladen

Im Gemeinderat gab es dazu einen Beschluss, nach dem der Geschäftsführer des Verbands Wohnen zu einem Gespräch über dieses Thema in den Gemeinderat eingeladen werden soll. Aber wie der Beschluss zu interpretieren ist, darüber gehen die Meinungen auseinander.

Gemeinderat Bernd Pfitzner von den Grünen hat uns zu diesem Thema heute diesen Beitrag geschickt, den wir veröffentlicht haben:

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Bernd Pfitzner: Nächster Schritt für Wohnprojekt Schönmoos ist vereinbart

Die Gemeinderatsfraktion von Bündnis 90 / Die Grünen in Tutzing freut sich über die mehrheitliche Unterstützung ihres Antrags zum Wohnbauprojekt Schönmoos im Gemeinderat. Damit ist der Weg frei, das Projekt für bezahlbaren Wohnraum gemeinsam mit dem Verband Wohnen und einer neu zu gründenden Wohnbaugenossenschaft Tutzing weiter voranzubringen. Ziel ist es, die fachliche Kompetenz des Verbands Wohnen mit Bürgerkapital und lokaler Verantwortung zu verbinden, um Schönmoos zügig und dauerhaft gemeinwohlorientiert zu realisieren.

Als nächster Schritt ist für Mitte März ein gemeinsames Treffen von Bürgermeister Ludwig Horn, den Gemeinderäten Michael Ehgartner und Bernd Pfitzner mit Christian Stumpf, dem Geschäftsleiter des Verbands Wohnen im Landkreis Starnberg, vereinbart. In diesem Gespräch sollen die konkreten Möglichkeiten einer Kooperation und die weiteren Schritte zur Umsetzung des Projekts im Lichte der aktuellen finanziellen Rahmenbedingungen beraten werden.

Interessierte Bürgerinnen und Bürger können schon jetzt ihr Interesse an dem Projekt bekunden. Diese werden dann über die weitere Entwicklung des Projekts Schönmoos unterrichten. Mit der Eintragung zum Newsletter geben uns die Bürgerinnen und Bürger die Unterstützung für den eingeschlagenen Weg und signalisieren das Interesse am Genossenschaftsmodell und der Schaffung von bezahlbarem Wohnraum in Tutzing.

Bitte senden Sie dafür eine E Mail mit Ihren Kontaktdaten an genossenschaft@bernd-pfitzner.bayern mit dem Stichwort „Newsletter Schönmoos“Ein . Weitere Informationen unter https://bernd-pfitzner.bayern/genossenschaft.

Siehe auch hier: Nächster Schritt für Wohnprojekt Schönmoos ist vereinbart

Dr. Wolfgang Behrens-Ramberg: Unwahre Tatsachen

Zu dem Beitrag von Bernd Pfitzner hat Dr. Wolfgang Behrens-Ramberg von der Tutzinger Liste um eine Gegendarstellung gebeten:

Der Artikel enthält unwahre Tatsachen, die einen irreführenden tatsächlichen Eindruck verbreiten. Ich bitte daher um folgende Richtigstellung in einem eigenen Artikel der vorort.news.

In der Sitzung des Gemeinderats am 13.01.2026 ist der Antrag der Grünen nicht beschlossen worden, er war nicht mehrheitsfähig. Der Bürgermeister hat die Wortmeldungen der Ratsmitglieder daraufhin, wie in meinem Protokoll dokumentiert, in einem Beschlussvorschlag neu formuliert. Diese geänderte Beschlussvorlage, die eine grundsätzliche Unterstützung des genossenschaftlichen Gedankens und die Einladung des Verbands Wohnen in eine Gemeinderatssitzung vorsieht, findet sich so nicht im Artikel von Herrn Pfitzner.

Mir geht es deshalb um eine sachliche Richtigstellung, worauf sich der Gemeinderatsbeschluss tatsächlich bezieht und welche Schritte darin vereinbart wurden. Dass der 1. Bürgermeister und Grüne nun einen Termin mit dem Verband Wohnen vereinbart haben, entspricht nicht dem vorstehend genannten Beschluss des Gemeinderats vom 13.01.2026.

Der Realisierung der Wohnanlage Schönmoos näherzukommen, um mehr Wohnraum in Tutzing schaffen, ist ein gemeinsames Ziel des Tutzinger Gemeinderats.

Das Protokoll der Gemeinderatssitzung vom 13. Januar 2026 von Dr. Behrens-Ramberg:
https://www.tutzinger-liste.de/blog/gr-der-haushalt-kann-sich-sehen-lassen/

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Die alten Wohnblöcke sind schon 2023 abgebrochen worden

Der Beschluss des Gemeinderats

Ein von der Gemeindeverwaltung formulierter Beschlussvorschlag lautete anders als der Antrag der Grünen:

„Grundsätzlich wird der genossenschaftliche Gedanke im Bereich des bezahlbaren Wohnens, insbesondere in der Finanzierung, durch den Gemeinderat begrüßt. In Zusammenarbeit mit dem Verband Wohnen soll eine Kooperation zwischen dem Verband Wohnen und einer denkbaren Genossenschaft im Zuge der angedachten Neuausrichtung des Verbands Wohnen als eine mögliche Option eingebracht werden. Hierzu soll der Verband Wohnen in eine Gemeinderatssitzung eingeladen werden.“

Diesem Beschluss wurde in der Gemeinderatssitzung zugestimmt. Zuvor hatte Bernd Pfitzner von den Grünen die Idee erläutert, Gelder von Bürgern zu sammeln, eine Wohnungsgenossenschaft zu gründen und das Wohnprojekt zusammen mit dem Geld der Kommunen zu realisieren. Dies könne eine Möglichkeit sein, das Projekt zeitnah zu verwirklichen.

Stefan Feldhütter (Freie Wähler) sagte dazu: „Beim Ziel sind wir uns weitgehend einig – aber haben Sie mit dem Verband Wohnen geredet?“ Er sah das Risiko, dass diese Vorgehensweise das Projekt nicht beschleunigen, sondern gefährden werde. Pfitzner erwiderte: „Man kann zuerst zum Verband gehen, man kann aber auch zuerst hier reden.“ Feldhütter war anderer Meinung: „Das ist verhandlungstaktisch ungeschickt, wenn man das schon präjudiziert, bevor man mit dem Partner redet.“

Auch Barbara Doll (fraktionslos) und Dr. Wolfgang Behrens-Ramberg (Tutzinger Liste) setzten sich dafür ein, den Verband Wohnen in den Gemeinderat einzuladen und ihn zu fragen, was er von dem Vorschlag halte. Caroline Krug (ÖDP) sah es anders: „Wir stellen den Verband ja nicht vor vollendete Tatsachen – es soll ja nur ein Startschuss sein.“ Wichtig sei, dass „endich etwas gemacht und nicht nur geredet“ werde.

Tutzings Bürgermeister Ludwig Horn berichtete über ein Gespräch mit dem Verbandsgeschäftsführer, das er am selben Tag geführt hatte. Horn schlug vor, den genossenschaftlichen Gedanken grundsätzlich in Erwägung zu ziehen, dabei aber die Kooperation mit dem Verband zu suchen und dies nur als "mögliche Option" einzubringen. Tutzings finanzielle Lage hellt sich deutlich auf So wurde es dann auch im Beschuss formuliert.

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Die Planung der neuen Wohnanlage hat der Verband Wohnen schon vor Jahren im Gemeinderat vorgestellt © Verband Wohnen
ID: 8493
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Kommentare

Es wird dem Ziel nicht gerecht, günstigen Wohnraum zu schaffen, wenn hier einfach ein Wahlkampfmanöver auf den letzten Metern zur Wahl unterstellt wird.

Wohl alle Parteien und Gruppierungen werben mit Ideen und Forderungen für günstigen Wohnraum und schließlich war diese notwendige Überlegung hier sehr aktuell. Gerade erst hatten Landkreis und die Gemeinden mit den kommunalen Haushalten beschlossen, die Zahlungen der Wohnbauumlage an den Verband Wohnen auszusetzen. Ob das Geld im nächsten Haushalt überall ausreichen würde, ist auch noch fraglich.
Somit liegen alle Projekte des Verbands erst einmal auf Eis – der Bedarf auf günstige Mietwohnungen bleibt aber unverändert hoch bzw. steigt sogar vielmehr an!

Also ist es nur richtig, einen Alternativweg zu suchen und Vorstöße, den Weg über eine Genossenschaft zu versuchen, sind auch nicht neu. Noch dazu war man im Vorfeld der Sitzung – auf Nachfrage des Bürgermeisters beim Verband Wohnen – für die Idee aufgeschlossen.

Wir sind alle ehrenamtlich tätig und prüfen, beraten und entscheiden nach bestem Wissen und Gewissen. Wenn dann in einem Nachbericht eine Formulierung euphorisch etwas überzieht, kann man auch einfach sachlich darauf hinweisen und muss nicht gleich eine schlechte Absicht unterstellen.
Grüß Gott Herr Vahsen,

es ist schade, dass Sie meine ehrliche Freude, einen möglichen Weg gefunden zu haben, wie wir bezahlbaren Wohnraum in Schönmoos zügig realisieren können, nicht teilen. Stattdessen unterstellen Sie mir mir ein populistisches Manöver. Wer meine Arbeit in Kreis- und Gemeinderat über die letzten Jahre verfolgt hat, wird mir sicherlich bestätigen, dass ich stets lösungs- und sachorientiert bin und dass mir Populismus fern liegt. Ich habe mir für mein Leben den Spruch von Götz Werner zu Herzen genommen: Wer etwas will, der findet Wege, wer etwas nicht will, findet Gründe. Ich bin dem Gemeinderat dankbar, dass er dem vorgeschlagenen Weg, die Tür ein kleines Stück geöffnet hat. Das ergibt uns die Möglichkeit, diesen auszuloten. Ansonsten habe ich in der Diskussion (vielen Dank Herr Goslich für die ausführliche Darstellung) leider nur viele Gründe gehört, warum dieser Weg nicht funktioniert. Andere Vorschläge sind leider nicht konkret vorgetragen worden. Meine weitere Vorgehensweise widerspricht auch in keinster Weise der Beschlusslage des Gemeinderates. Ich habe Bürgermeister Ludwig Horn kontaktiert und ihn gebeten, einen gemeinsamen Termin mit dem Verband Wohnen auszumachen. Dieser findet nun Mitte März statt. Das ist der nächste Schritt den wir gehen. In diesem Treffen soll konkret erörtert werden, wie wir diesen gemeinsam beschreiten können. Anscheinend war ja Herr Geschäftsleiter Stumpf dem Vorschlag in der Zusammenarbeit mit einer Genossenschaft wesentlich aufgeschlossener als der Gemeinderat. Als Ergebnis diese Gespräches stelle ich mir vor, dass wir dem Gemeinderat schon einen konkreten Gestaltungsvorschlag vorstellen können. Im Vorfeld dieser Gespräche möchte ich über meinen Artikel auf Vorort.news abfragen, wie denn das Interesse an einer möglichen Genossenschaft ist. Deshalb habe ich gebeten, sich für den Newsletter (unter genossenschaft@bernd-pfitzner.bayern) einzutragen. Die Interessierten kann ich so besser auf dem Laufenden halten. Ich bin mir sicher, dass der Weg einer Wohnungsbaugenossenschaft, der in vielen Städten ein Erfolgsmodell für die Schaffung dauerhaft bezahlbaren Wohnraums ist, hier ein Weg ist, mit dem wir bezahlbaren Wohnraum in Tutzing in Zusammenarbeit mit dem Verband Wohnen umsetzen können. Beruflich habe ich seit über 20 Jahren mit strukturierten Finanzierungen vor allem im Bereich der Immobilen zu tun und ich möchte hier meine Expertise zum Wohle Tutzings einbringen. Lassen Sie uns gemeinsam konstruktiv an diesem Ziel arbeiten und diese Idee nicht vorab kaputt reden.
(Bearbeitet)
Dass im Wahlkampf versucht wird, mit populistischen Manövern noch Punkte zu sammeln, ist nicht neu. Im konkreten Fall ist dieser Versuch von Herrn Pfitzner jedoch gründlich misslungen. Wer im Gemeinderat sitzt, hat die Pflicht, sich an die gemeinsam gefassten Beschlüsse zu halten. Andernfalls stellt sich die Frage, wozu diese Beschlüsse überhaupt gefasst werden. Kommunalpolitik lebt von Verlässlichkeit – nicht von taktischen Wahlkampfspielchen.

Das Vorgehen im Nachhinein als „Euphorie“ zu bezeichnen, wirkt dabei eher wie der Versuch einer nachträglichen Rechtfertigung als wie verantwortungsvolle Kommunalpolitik.
(Bearbeitet)
Sehr geehrter Herr Behrens-Ramberg, sehr geehrte Leserinnen und Leser, leider habe ich in meiner Euphorie, beim Projekt Schönmoos etwas bewegen zu können und den Stillstand bei der Realisierung von bezahlbaren Wohnraum in Tutzing (und im Landkreis) überwinden zu können, in meinem Artikel unklar und missverständlich ausgedrückt. Richtig ist: Der Gemeinderat hat sich nicht grundsätzlich für die Gründung einer Wohnungsbaugenossenschaft ausgesprochen, sondern diese ausdrücklich als eine mögliche Option neben anderen in den Blick genommen. Diese differenzierte Beschlusslage ist fakt und ich bedauere, wenn durch meine Formulierung ein anderer Eindruck entstanden ist.

Mir ist wichtig zu betonen, warum ich die Idee einer Wohnungsbaugenossenschaft weiterhin für prüfenswert halte: Wohnungsbaugenossenschaften sind in Deutschland seit vielen Jahrzehnten eine bewährte Form, bezahlbaren und dauerhaft sozial orientierten Wohnraum zu schaffen. Gerade in Großstädten wie München tragen Genossenschaften und andere gemeinwohlorientierte Akteure wesentlich dazu bei, Haushalten mit kleinen und mittleren Einkommen ein sicheres Zuhause zu ermöglichen. Ich bedauere es sehr, dass der Gemeinderat sich diesem Vorschlag (zum jetzigen Zeitpunkt) nicht anschließen konnte.

Unabhängig von der offenen Entscheidung gehen wir als Initiatoren jetzt den nächsten Schritt, damit wir nicht weiter Zeit verlieren: Für Mitte März ist ein gemeinsamer Termin mit dem Verband Wohnen im Landkreis Starnberg vereinbart, an dem auch Bürgermeister Ludwig Horn, Michael Ehgartner und ich teilnehmen werden. In diesem Gespräch wollen wir gemeinsam ausloten, ob und in welcher Form eine Kooperation – gegebenenfalls auch mit einer noch zu gründenden Wohnungsbaugenossenschaft – dazu beitragen kann, das Projekt Schönmoos zügig und dauerhaft gemeinwohlorientiert zu realisieren.

Mein Ziel ist es, dem (dann neu gewählten) Gemeinderat eine Finanzierungslösung vorstellen zu können. In seiner neuen Zusammensetzung ist der Gemeinderat ja vielleicht auch der Genossenschaftsidee aufgeschlossener gegenüber. Mir und uns GRÜNEN ist es sehr wichtig, beim Thema "Bezahlbarer Wohnraum" ins Handeln zu kommen. Wir sind auch offen für Alternativvorschläge. Leider wurden bisher keine genannt. Nur darauf zu hoffen, dass der Verband Wohnen im nächsten Jahr vom Landkreis und den Kommunen bei immer knapper werdenden Kassen wieder die Wohnbauumlage gezahlt bekommt, ist uns zu wenig.
(Bearbeitet)