Bauplanung
29.7.2025
Von vorOrt.news

„Seltenes Beispiel der Heimatschutzarchitektur“

Der Ortsgeschichtliche Arbeitskreis verweist auf Besonderheiten des Feuerwehrhauses

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Im Tutzinger Feuerwehrhaus hatte früher auch die Polizei Diensträume - samt einer Arrestzelle

Mit der beabsichtigten Neugestaltung des Tutzinger Feuerwehrhauses hat sich auch der Ortsgeschichtliche Arbeitskreis befasst. „Das alte historische Feuerwehrhaus (auch 'Feuerhaus') an der Oskar-Schüler-Straße ist ein ortsbildprägendes Gebäude in Tutzing“, erklärt er in einer Stellungnahme.

Nach jahrelanger Diskussion soll es heute, am Dienstag, 29. Juli in der letzten Gemeinderatssitzung vor der Sommerpause zu einer Grundsatzentscheidung über die Zukunft des Feuerwehrhauses kommen. Gemeinderat entscheidet übers Feuerwehrhaus Die bisherige Anlage an der Oskar-Schüler-Straße gilt schon lange als nicht mehr leistungsfähig. Nach den bisher bekannten Angaben stehen drei Varianten zur Debatte: ein vollständiger Neubau des Feuerwehrhauses am derzeitigen Standort, ein Abriss des „alten“ Hauses und eine Ertüchtigung des „neuen“ Hauses am derzeitigen Standort sowie ein Neubau des Feuerwehrhauses am Hartplatz oberhalb des Würmseestadions.

Beim 1937 errichteten bestehenden Feuerwehrhaus an der Oskar-Schüler-Straße handele es sich um ein selten erhaltenes, charakteristisches Beispiel der Heimatschutzarchitektur, schreibt der Ortsgeschichtliche Arbeitskreis in seiner Stellungnahme. „Der Heimatschutzstil wird als eine eine auf lokalen und regionalen Bautraditionen wurzelnde Baukunst auf dem Weg zur Moderne unter Verwendung ortsüblicher Baumaterialien beschrieben. „Die Bauwerke - auch das Feuerwehrhaus – bestechen durch ihre Größe und Stilreinheit“, so der Arbeitskreis. Typische Merkmale seien eine einfache, symmetrische Fassadengestaltung mit Satteldach, grober Rauputz sowie schlichte, einfarbige (kirschrote) Fensterläden. Der Arbeitskreis weist darauf hin, dass viele Gebäude dieses Stils unter Denkmalschutz stünden: „Es dürfte in Tutzing das einzige Gebäude in diesem Stil sein.“

Der Entwurf für das Tutzinger Feuerwehrhaus stammt nach Angaben des Arbeitskreises wie auch der des nahegelegenen historischen Rathauses (1924) vom Architekten Theodor Dreisbusch. Alle Gewerke wurden nach der Recherche der Arbeitskreis-Mitglieder von namhaften Tutzinger Handwerksbetrieben ausgeführt, darunter Kunstschlosser Bodemann, Zimmerei Suiter, Schreinerei Müller und Malereibetrieb Otto Feldhütter.

Auch auf einige Besonderheiten weist der Arbeitskreis hin. So stammen nach seinen Angaben ein Wandrelief an der Südseite sowie eine Madonna am gegenüberliegenden Haus des Medizinalrats Dr. Ludwig Ufer vom Tutzinger Bildhauer Georg Müller (1912–1945), der sein Atelier in der Neustätter Straße hatte. Der Arbeitskreis erinnert auch daran, dass im Feuerwehrhaus früher die Polizei Diensträume hatte: „Es gab dort Tutzings erste Arrestzelle - erkennbar an dem vergitterten Fenster –, die einst vom Ortspolizisten Eder verwaltet wurde.“ Im Obergeschoss befänden sich Wohnungen. Seit 1964 sei dort auch die 2013 aufgelöste Heimat- und Archivstube der Niederebersdorfer, der Vertriebenen aus Nordböhmen, untergebracht gewesen.

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Kommentare

Das alte Feuerwehrhaus wurde nicht ohne Grund nicht unter Denkmalschutz gestellt.
Darüber hinaus ist es für die Zukunft der Feuerwehr - meiner Meinung nach auch weiterhin an diesem Standort - aus zahlreichen Gründen nicht mehr geeignet.
Ob sich eine geeignete Variante zu den bisher erarbeiteten entwickeln lässt, um die alte Bausubstanz zu integrieren, ist fraglich. Dann wäre allerdings der ohnehin fragwürdige Charme des Altbaus sicher verloren.
Weiterhin wurde es 1938 mit entsprechend fragwürdigem NS-Pomp eröffnet, was mich ebenfalls vom Erhalt abhält. Einen besonderen Mehrwert für den Erhalt sehe ich somit nicht.
Die Geschmäcker sind so verschieden wie die Menschen selbst. Das ist auch gut so.
Aber wir sollten nicht vergessen, dass ein Feuerwehrhaus - egal ob altehrwürdig oder nagelneu - zuallererst FUNKTIONAL sein muss!
Beispielsweise:
-> Das beginnt mit der grundsätzlichen Standortentscheidung.
-> Die Rettungsfahrzeuge müssen gut unterkommen.
-> Die Ausrüstung muss Platz haben.
-> Die Feuerwehrleute selbst müssen darin gut & unbehindert ihrer Aufgabe nachgehen können.
-> Ausbildung & Aufenthaltszeiten brauchen auch Raum.
-> Und vieles mehr...
Ästhetische Aspekte können da meiner Meinung nach immer nur nachgeordnet die 2. Geige spielen.

Außerdem sehr wichtig:
Wenn man nach Jahrzehnten den Standort unserer Freiwilligen Feuerwehr mit viel Geld und Engagement grundsätzlich & umfangreich ertüchtigt, sollte man sich natürlich auch Optionen für die kommenden Jahrzehnte offen halten; für die Aufgaben, Anforderungen und die Ausrüstungen der Zukunft.

Nachtrag:
Ich bin auch sehr gespannt auf die neuen Pläne zu unserer Freiwilligen Feuerwehr?
(Bearbeitet)
Mir gefällt das ungewöhnliche Gebäude und gehört für mich zum Tutzinger Ortsbild. Wenn es verschwinden würde, wäre ein weiteres charakteristische Merkmal verloren und die Seelenlosigkeit würde zunehmen. Mir als Laien stellt sich auch die Frage, wie groß heutzutage ein Feuerwehrhaus sein muss, um funktionsfähige Löschfahrzeuge zu beherbergen. Das in den 80ern gebaute und dahinterliegende Feuerwehrhaus ist ja nicht eben klein.
(Bearbeitet)