Wo früher das Nobelhotel Simson war, hat Boehringer-Mannheim kurz nach dem Zweiten Weltkrieg in Tutzing einen neuen Standort eröffnet. Anschließend hat das Pharmaunternehmen über Jahrzehnte mit großen Bauten das Viertel zwischen den Bahngleisen und dem Krankenhaus geprägt. Weil Boehringer-Mannheim Pläne für den Neubau eines großen Werks an anderer Stelle von Tutzing nicht realisieren konnte, errichtete das Unternehmen ein neues Werk in Penzberg, das heute mehr als 7000 Personen beschäftigt. Auch in Tutzing blieb die Pharmafirma noch für ein paar Jahre, zog aber immer mehr ihrer Aktivitäten nach Penzberg ab. Der Schweizer Roche-Konzern, der Boehringer-Mannheim 1997/98 übernahm, stellte sie vor zwei Jahrzehnten ein. In den großen Gebäuden gab es dann noch diverse andere Nutzungen. Neue Eigentümer und Investoren mit allen möglichen Plänen kamen und gingen, doch über lange Zeit blieb das 22 000 Quadrameter große Gelände an der Bahnhofstraße eine Industriebrache. Erst in den vergangenen Jahren gibt es dort so etwas wie eine Neubelebung.
Doch auch zwei Jahrzehnte nach dem Auszug des Roche-Konzerns ist das Areal noch längst nicht so neu gestaltet, wie es geplant ist. Die Zentrale des Unternehmens Lobster ist nun der zweite von insgesamt fünf Neubauten. Das hängende Gebäude von Tutzing Drei weitere große vorgesehene Bauwerke lassen vorerst weiter auf sich warten, und schon wieder haben sich so manche Pläne geändert.
Den Anfang gemacht hatte das Schweizer Eigentümern gehörende Dreiecksgebäude, in Erinnerung an das frühere Hotel an dieser Stelle „Simson“ genannt. Dieser Bau sollte eigentlich wieder ein Hotel werden, doch inzwischen befinden sich dort eine Klinik, „P3“ mit Namen, und das Tanzstudio Tutzing. Aufs Ex-Roche-Gelände kommt eine Klinik Nebenan, zum Benedictus-Krankenhaus der Artemed-Gruppe hin, haben vor einiger Zeit wieder die Eigentümer gewechselt. Inzwischen gehören drei dort noch freie Baufelder dem österreichischen Unternehmen WT 80, das dort drei weitere Gebäude errichten will. Investoren: Es gibt "langfristige Mietverträge"
Alles zieht sich auffallend in die Länge
Auch bei dieser Planung gibt es inzwischen Änderungen. Das Gebäude direkt an der Bahnhofstraße sollte ursprünglich ein Bürohaus werden, das in der Mitte ein Hotel, für das sich ein holländischer Betreiber interessierte. Doch der ist längst wieder abgesprungen. Betreiber steht nicht mehr zur Verfügung Nach den jüngsten Berichten sollen beide geplanten Bauwerke zu einem Hotel der Leonardo-Gruppe mit 143 Zimmern zusammengefasst werden. Der dritte Neubau, unterhalb des dreieckigen Simson, soll die Klinik erweitern.
Aber das alles zieht sich auffallend in die Länge. Die österreichischen Investoren wollten schon lange mit den Bauten beginnen. Bisher ist dort jedoch nach wie vor nur eine große Grube zu sehen, die auf den Abbruch der Altbauten zurückgeht. Es wird wohl noch viel tiefer gebuddelt werden, denn als erste Maßnahme soll im hinteren Bereich, wo die Klinikerweiterung entstehen soll, eine sehr große Tiefgarage angelegt werden.
Baugenehmigung steht noch aus
Dass die Angelegenheit stockt, soll an der noch ausstehenden Baugenehmigung liegen. Bei einem Treffen der Aktionsgemeinschaft Tutzinger Gewerbetreibender (ATG) im neuen Lobster-Bau war das eines der Diskussionsthemen. Über den Dächern von Tutzing Natürlich wollten alle wissen, wann und wie es denn nun auf dem großen Gelände endlich weitergeht. Wie erzählt wurde, befindet sich der Vorgang zurzeit beim Landratsamt Starnberg. Was genau für die Verzögerungen sorgt und um welche Details es dabei geht, darüber wurde viel spekuliert, aber so genau schien das niemand zu wissen.
Acht Kastanien und ein Wasserbecken
Allenfalls erahnen lässt sich deshalb auch die viel beschworene „Aufenthaltsqualität“, die eines Tages das gesamte Gelände prägen soll. Auf dem Platz zwischen dem Lobster-Bau und dem Dreiecks-Simson nebenan stehen immerhin schon Bänke. Unterirdisch reicht der Lobster-Neubau bis zur Mitte dieses Platzes. Oben sollen acht Kastanien gepflanzt werden, ein Wasserbecken ist vorgesehen, und etwa 100 Sitzplätze sollen im Außenbereich des im Erdgeschoss des Lobster-Baus eröffneten Restaurants entstehen, das tagsüber als Kantine fungiert und abends allgemein zugänglich ist. Einige Geduld wird allerdings wohl noch erforderlich sein, bis es auf der Fläche zwischen den Bauten wirklich gemütlich wird.
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