Bauplanung
9.11.2022
Von vorOrt.news

Neue Terminplanung fürs Tutzinger Zentrum

Straßensanierung bis August 2024 - Nordabschnitt wird erst nächstes Jahr fertig

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Neue Infos zur Straßensanierung gab es bei der Anliegerversammlung im Rathaus von Verkehrsplaner Benjamin Neudert (vorn, 2.v.li.) und Bürgermeisterin Marlene Greinwald (rechts neben ihm)

„Der Tutzinger Norden wird in diesem Jahr nicht fertig werden“. Diese Mitteilung von Verkehrsplaner Benjamin Neudert aus Herrsching war bei einer Anliegerversammlung zur Sanierung der Hauptstraße am Montag keine große Überraschung. Neudert legte bei der Veranstaltung im Sitzungssaal des Tutzinger Rathauses eine neue Terminplanung vor. Danach sollen die oberirdischen Straßenbauarbeiten im Tutzinger Zentrum nun Mitte nächsten Jahres – wahrscheinlich Anfang Juni – beginnen und bis August 2024 dauern. Im Vorfeld werden voraussichtlich schon dieser Tage die unterirdischen Arbeiten der „Spartenträger“ Bayernwerk und Telekom starten.

Wegen der verbreiteten Kritik am Ablauf der Bauarbeiten im Nordabschnitt nahm sich Neudert viel Zeit für Erklärungen. Als beispielsweise ein kleines Loch aufgemacht wurde, kam ein recht umfangreicher, tiefer Schacht der Deutschen Telekom zum Vorschein, der seinerzeit beim Einbau beschädigt worden war und dringend erneuert werden musste. So etwas sorge schnell für wochenlange Verzögerungen sagte der Verkehrsplaner. Die Telekom arbeitete zudem mit eigenen Ampeln. Folge: Die Baustellenampeln mussten verlegt werden, weil ein bestimmter Abstand erforderlich ist. Von den Spartenträgern seien teils auch noch mit Tusche gezeichnete Pläner gekommen: „Da können Sie sich vorstellen, wie genau die sind.“ Vieles habe man nicht in der Hand gehabt. Erhebliche Materialknappheit und monatelange Lieferzeiten kamen laut Neudert hinzu.

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Das Tutzinger Zentrum ist nach den aktuellen Plänen mit der Sanierung oberirdisch von Mitte 2023 bis August 2024 an der Reihe
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Restarbeiten werden im Nordbereich der Hauptstraße also noch 2023 zu erledigen sein. Unterdessen sollen die „Spartenträger“ für Strom und Telekommunikation nun im Tutzinger Zentrum bereits mit ihren Arbeiten beginnen, und zwar an der Einmündung der Traubinger Straße in die Hauptstraße. Im Februar oder März 2023 soll die Baufirma für die Straßenarbeiten mit europaweiter Ausschreibung gesucht werden. Die Trennung des Straßenbaus von den Sparten ist werde viel Ärger ersparen und Termintreue ermöglichen.

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Halbseitige Straßensperrung: Vom Tutzinger Norden - hier bei den Parkplätzen des Lidl-Markts (links) und der Akademie für politische Bildung (rechts) - sind es es die Einheimischen gewöhnt. Im Ortszentrum wird es wohl ähnlich sein.

Die schnellste Lösung für die Sanierung im Tutzinger Zentrum wäre eine Vollsperrung der Straße – das ist für Neudert klar: „Dann könnte die Baufirma ungestört arbeiten.“ Bei halbseitiger Sperrung der Straße benötige man fast die doppelte Zeit. Viele Anlieger hätten dies nach seinen Worten auch gern, damit „das Theater so schnell wie möglich vorbei“ sei. Aber nach vielen Gesprächen mit den Gewerbetreibenden zog er das Fazit. „Eine Vollsperrung des Zentrums ist ein No-go.“

Also habe man sich zu einem Kompromiss entschlossen: Punktuell soll es tagsüber Vollsperrungen geben, aber nacheinander, nicht zeitgleich. Die Durchfahrt durch den Ort soll damit weitgehend möglich sein. Vollgesperrt werden sollen auch die einmündenden Nebenstraßen, aber nacheinander, nicht alle gleichzeitig. Ansonsten sind halbseitige Sperrungen unter Aufrechterhaltung des Verkehrs mit Einbahnregelung vorgesehen. Die Einbahnrichtungen der Nebenstraße werden wohl überprüft werden, wie Neudert auf eine Frage sagte. Eine nahräumige Umleitung ist über die Oskar-Schüler-Straße, die Kirchenstraße und die Bahnhofstraße geplant – vorausgesetzt, die Sanierung der dafür benötigten Brücke an der Kirchenstraße ist, wie angekündigt, bis Ostern fertig. Einzelheiten sind auf den Karten unten auf dieser Seite markiert.

Für den Kanalbau ist eine Vollsperrung an der Einmündung der Traubinger Straße eingeplant. Ebenfalls Vollsperrungen vorgesehen sind am Wolfsgrubengraben sowie zwischen Schlösserweg und Andechser Hof. Auch die abschließenden Asphaltschichten werden bei nächtlicher Vollsperrung aufgebracht.

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Die Zukunft der Tutzinger Mitte: Die Einmündung der Marienstraße in die Hauptstraße (rechts unten), gegenüber der künftige Nachfolgebau des früheren Tengelmann-/Edeka-Markts, links unten die Schlossstraße, gegenüber die Traubinger Straße (zum Vergrößern bitte anklicken)

Die Versammlung vermittelte den Eindruck, dass die Verantwortlichen für Kritik und Änderungsvorschläge offen sind. Als ein Anlieger bemerkte, dass der Verkehr besser gelaufen sei, als eine Ampel einmal ausgefallen sei, signalisierte Neudert Korrekturbereitschaft. Anregungen, beispielsweise auch für Beschilderungen, können nach seinen Worten vorgebracht werden. Er empfahl aber: „Je früher, desto besser.“ Denn Input für das Ablaufkonzept sei nötig. Zurzeit könne man noch Vieles einarbeiten und Rücksicht nehmen, auch in Hinblick auf die Ausschreibung. Im Januar oder Februar soll es eine weitere Informationsveranstaltung geben, wie Bürgermeisterin Greinwald ankündigte. Auf der Webseite der Gemeinde Tutzing gibt es eine eigene Seite zur Sanierung der Hauptstraße mit der Möglichkeit für Mitteilungen. Informationen über Änderungen des Bauablaufs sollen kurzfristig bekanntgegeben werden. Wir versuchen, sie bei vorOrt.news jeweils schnell zu veröffentlichen.

In der Ortsmitte, wo der Nachfolgebau des in Abbruch befindlichen früheren Tengelmann-/Edeka-Markts von der Hauptstraße zurückgesetzt vorgesehen ist, soll ein „Shared-Space-Bereich“ ein Miteinander aller Verkehrsteilnehmer und „Aufenthaltsfunkton“ an den Nebenstraßen ermöglichen. „Das wird städtebaulich sehr attraktiv“, sagte Neudert. Ein Pflasterbelag mit offenen Fugen soll für Entsiegelung sorgen. Die Fahrbahn soll in diesem Bereich auf 6,50 Meter verschmälert werden, zusätzlich sollen Granitzeilen eine weitere optische Einengung andeuten, Granitblöcke sollen die Fahrgasse abgrenzen, neben dem Vetterlhaus sind Radabstellanlagen geplant. An der Traubinger Straße und der Oskar-Schüler-Straße sollen die Einmündungsbereiche aufgeweitet werden, nördlich und südlich der Oskar-Schüler-Straße sollen beidseitige Baumpflanzungen zu einer Torwirkung führen, daneben soll eine Verschwenkung der Fahrbahn den Zentrumsbereich hervorheben.

Entlang der Hauptstraße sind etliche neue Bäume vorgesehen. Dazu wurden auch Bedenken vorgebracht, so wegen der Zufahrten und befürchteter Sichteinschränkungen oder wegen des Laubs, das wohl liegenbleiben werde. Bürgermeisterin Marlene Greinwald sagte dazu, der Klimawandel müsse berücksichtigt werden, und eines Tages werde man für jeden Baum dankbar sein. Dennoch zeigte sie sich im Einzelfall für Gespräche offen.

Zwischen Andechser Hof und Hallberger Allee ist eine Insel als Querungshilfe mit Granitzeilen vorgesehen. Parkbuchten sollen eine räumliche Ordnung ermöglichen. Je nach Größe der Autos (Neudert: „Nicht jeder fährt einen Maybach“) soll es an der Hauptstraße 51 bis 59 Parkplätze geben. Längst vom Tisch ist eine erste Planung, nach der alle Parkplätze an der Hauptstraße wegfallen sollten.

Die Planung für den Straßenbau:

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Pläne und Bilder: Neudert Ingenieure, Herrsching

Die Präsentation der Planung

  Neudert-Planung-Nov-2022.pdf herunterladen

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