Bauplanung
22.2.2021
Von vorOrt.news

Flachdach, wo ein Satteldach sein müsste

Immer wieder gibt es Befreiungen von den Regelungen der Tutzinger Ortsbausatzung

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Obwohl das Haus in der Waldschmidtstraße ein Satteldach hat, darf eine Garage entgegen der Ortsbausatzung ein Flachdach erhalten © L.G.

Es ging um eine neue Doppelgarage. In der Waldschmidtstraße 1a soll sie an ein bestehendes Wohngebäude angebaut werden. Der Bauausschuss des Gemeinderats hat in seiner jüngsten Sitzung beschlossen, dass sie ein Flachdach erhalten kann. Das ist insofern auffallend, weil das Hauptgebäude ein Satteldach hat. Und in der Tutzinger Ortsbausatzung steht klipp und klar: „Garagen sind wie die Hauptgebäude zu gestalten.“ Damit müsste die Garage also eigentlich ein Satteldach erhalten.

Der Bauwerber hat aber eine Befreiung von dieser Vorgabe der Ortsbausatzung beantragt, und der Bauausschuss hat zugestimmt. Auffallend ist dabei ein ausdrücklicher Hinweis des gemeindlichen Bauamts in den Unterlagen: „In kürzerer Vergangenheit wurden bereits in vergleichbaren Fällen entsprechende Befreiungen erteilt.“

Also immer mehr Ausnahmen von den Regeln? So scheint es. Aber das könnte zu Problemen führen. Das Starnberger Kreisbauamt hat wiederholt gewarnt, dass zu viele Ausnahmen die Ortsbausatzung komplett in Frage stellen könnten. Eine Überarbeitung der aus dem Jahr 2004 stammenden Ortsbausatzung (siehe pdf unten auf dieser Seite) wird im Tutzinger Gemeinderat schon seit einiger Zeit vorbereitet. Welche konkreten Änderungen geplant sind, ist bisher öffentlich nicht bekannt. Die derzeit gültige Fassung enthält unterschiedlichste Vorgaben fürs Bauen in Tutzing. So regelt sie die etwa Gestaltung von Haupt- und Nebengebäuden ebenso wie die von Antennen- und Satellitenempfangsanlagen, von Dachgauben, von Garagen und Stellplätzen.

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Ist eine Garage neben einem Haus mit Satteldach schöner mit Flachdach oder Satteldach? Dies sind zwar keine Tutzinger Beispiele, doch sie zeigen recht anschaulich den Unterschied © pixabay
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Einfamilienhäuser nur auf mindestens 600 Quadratmetern Grund erlaubt

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Dieser Zaun in Unterzeismering musste verschwinden, weil er gegen die Ortsbausatzung verstieß © L.G.

Für frei stehende Einfamilienhäuser verlangt die Satzung eine Mindestgröße der Baugrundstücke von 600 Quadratmetern, bei Doppelhäusern müssen es mindestens 900 Quadratmeter, also je Haus 450 Quadratmeter sein.

Einfriedungen an Verkehrsflächen sind nach der Satzung nur als Holzzäune, lebende Hecken oder Maschendrahtgewebe mit durchgehender Hinterpflanzung aus heimischen Gehölzen zulässig - als geschlossene „Bretter“-Wand dürfen sie beispielsweise nicht erscheinen. Die Höhe der Einfriedung darf einschließlich Sockel 1,50 Meter ab Oberkante der Verkehrsfläche nicht überschreiten. Ein 1,80 Meter hoher Zaun in Unterzeismering neben der Kapelle musste beispielsweise beseitigt werden. Er verstoße zudem gegen die Tutzinger Ortsbausatzung, so die Gemeinde, weil die Einfriedung in „geschlossener“ Bauweise ausgeführt worden sei, die Satzung aber offen gestaltete Einfriedungen vorschreibe. Zaun muss wieder verschwinden Nach Andeutungen könnten die Regeln für Zäune geändert werden. So hat die Gemeinde immer wieder Befreiungen erteilt, so für Metallzäune.

Nicht überbaute Flächen müssen unter Berücksichtigung des vorhandenen Baum- und Gehölzbestands begrünt werden, soweit sie nicht für eine andere zulässige Nutzung erforderlich sind. Für die Bepflanzung sind Bäume und Sträucher standortgerechter und einheimischer Gehölzarten zu verwenden.

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Unterschiedliche neue Zäune in der Oskar-Schüler-Straße © L.G.

Mindestgrößen für Baugrundstücke in Frage gestellt

Andeutungen für Änderungswünsche gab es schon bei verschiedenen Veranstaltungen. Immer wieder angesprochen wurde dieses Thema bei den Aufstellungsversammlungen zur Kommunalwahl 2020. Dabei wurden beispielsweise die in der Satzung für Baugrundstücke festgelegten Mindestgrößen in Frage gestellt, so bei der FDP und bei den Grünen an diesen Mindestgrößen müssen man nicht zwingend festhalten. Vom Pfaffenberg bis Garatshausen Überraschung bei den Tutzinger Grünen Die Tutzinger Liste plädierte für eine Ausrichtung der Ortsbausatzung auf zukünftige Notwendigkeiten unter anderem mit dem Ziel, Formen des gemeinschaftlichen Bauens zu finden, so beispielsweise mit Bürgerbaugenossenschaften. Behrens-Ramberg auf Platz 1 der Tutzinger Liste

Garage nur mit Flachdach untergeordnet

Beim aktuellen Fall in der Waldschmidtstraße wäre nach Angaben des Bauamts eigentlich eine verfahrensfreie Errichtung der vorgesehenen Doppelgarage möglich. Denn sie sei aufgrund ihrer Lage als grenznah einzustufen, und sie trete in Bezug auf das Wohngebäude nur untergeordnet in Erscheinung. Diese Unterordnung ist nach Einschätzung des Bauamts aber nur dann der Fall, wenn die Garage ohne eine hohe Dachkonstruktion erstellt werden kann. Würde man nun der Ortsbausatzung folgen und, wie vorgeschrieben, die Garage genauso wie das Hauptgebäude gestalten, dann müsste sie wie dieses ein Satteldach erhalten. Aus diesem Grund wurde die vom Bauwerber beantragte Befreiung von der Satzung befürwortet.

Die Tutzinger Ortsbausatzung

  Tutzinger-Ortsbausatzung.pdf herunterladen

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