Ist es Zufall oder geschickt terminiert? Zwei Tage vor der Bürgermeister-Stichwahl tritt im Roncalli-Haus heute Abend ein vielen Tutzingern gut bekannter Politikwissenschaftler auf: Prof. Heinrich Oberreuter.
Zweifellos wird es spannend, was der frühere Chef der Tutzinger Akademie für politische Bildung zu sagen hat. Denn er spricht zum brisanten und viel diskutierten Thema „Zur aktuellen politischen Situation, zur Situation der Parteien und der neuen/künftigen Bundesregierung“. Wie weit er sein Thema fasst und ob er auch ein paar Bemerkungen zur Tutzinger Kommunalpolitik einfließen lässt, wird sich zeigen.
Oberreuter war immer für Überraschungen und pointierte Aussagen gut. In seinen 18 Jahren als Direktor der Akademie für politische Bildung in Tutzing von 1993 bis 2011 hat er oft genug bewiesen, dass er deutliche Worte nicht scheut. Als es zum Beispiel vor etwas mehr als einem Jahr in einem Interview mit der Mediengruppe Staubinger Tagblatt/Landshuter Zeitung um das Phänomen Pegida ging, sagte er: „Auch die Idioten gehören zur Demokratie.“ Den Vorwurf, CSU-Chef Horst Seehofer habe mit seinem harten Kurs fremdenfeindliche Ressentiments erst hoffähig gemacht, hat er im selben Interview als „blanken Blödsinn“ bezeichnet.
Oberreuter ist in diesen schwierigen Wochen der problembehafteten Regierungsbildung ein viel gefragter Kommentator und Gesprächspartner. Der gebürtige Breslauer des Jahrgangs 1942 war von 1980 bis zu seiner Emeritierung im September 2010 Ordinarius für Politikwissenschaft an der Universität Passau. Seit 2012 hat er die Leitung der Redaktion der 8. Auflage des Staatslexikons der Görres-Gesellschaft inne. Oberreuters Arbeitsgebiete sind Parlamentarismusforschung, Kommunikationspolitik, Verfassungsgeschichte und politische Systeme. Publizistisch betätigt sich Oberreuter in Presse, Funk und Fernsehen, so als Kommentator im Bayerischen Rundfunk und als regelmäßiger Autor in mehreren Tages- und Wochenzeitungen. In Passau ist er nach wie vor Direktor des Instituts für Journalistenausbildung.
Was viele an Oberreuter schätzen: Den Verantwortlichen sagt er - offenkundig völlig unabhängig von seiner eigenen Mitgliedschaft in der CSU - kritische Worte auch direkt und in aller Öffentlichkeit. Das hat er sogar bei seiner Verabschiedung aus Tutzing im Oktober 2011 getan. Damals nutzte er in Anwesenheit der versammelten bayerischen Politprominenz einschließlich Ministerpräsident Horst Seehofer und seines Vorvorgängers Edmund Stoiber die Gelegenheit zu heftigen Vorhaltungen wegen der bayerischen Schulpolitik: „Mit der politischen Bildung in den Schulen sind wir leider in Bayern ein überdimensionales Schlusslicht“. Und da wunderten sich viele, folgerte er, dass Politik so distanziert betrachtet werde. So gesehen wäre es zum Beispiel auch interessant, Oberreuters Meinung zur schwachen Wahlbeteiligung beim ersten Teil der Tutzinger Bürgermeister-Wahl am 14. Januar zu hören, über die in dieser Gemeinde viel diskutiert wird.
Heinrich Oberreuter im Roncalli Kulturforum
Zur aktuellen politischen Situation, zur Situation der Parteien und der neuen/künftigen Bundesregierung
Vortrag von Prof. Heinrich Oberreuter
Freitag, 26. Oktober 2018, 19.30 Uhr
Roncalli-Kulturforum der Pfarrei St. Joseph, Tutzing
Roncalli-Haus, Tutzing, Kirchenstraße 10
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