Von Jugendbeirat Tutzing

Fahrradstreifen im Visier

Tutzinger Jugendbeirat plant Aktion: "Den meisten Autofahrern sind die Regeln nicht bewusst"

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Montag 2. März 2026, gegen 7.41 Uhr morgens: Typische Sicht einer Fahrradfahrerin auf der Hauptstraße © Jugendbeirat Tutzing

Der neu gewählte Tutzinger Jugendbeirat hat sich zu seiner zweiten offiziellen Sitzung eingefunden. Neben vielen Diskussionen über laufende und neue Projekte sowie Gesprächen mit Gästen wurde dabei ein weiteres Gebiet deutlich, auf dem der Jugendbeirat die Jugend unterstützen möchte: Er will den Fahrradstreifen, der seit 2023 in Tutzing besteht, sicherer machen.

Etliche Mtglieder des Jugendberats sind viel mit dem Fahrrad unterwegs - und vielen von ihnen ist aufgefallen, dass die meisten Autofahrer den Fahrradstreifen falsch befahren. Da dieser in Tutzing erst seit etwa zweieinhalb Jahren besteht, hält es das junge Gremium für wahrscheinlich, dass den meisten Autofahrern einfach nicht bewusst ist, welche Regeln für den Schutzstreifen gelten. Besonders zu Stoßzeiten wie dem Beginn des Schultags können dies zu großer Frustration bei den Fahrradfahrern führen, so die Warnungen.

Für Fahrradschutzstreifen gilt laut Anlage 3 der Straßenverkehrsordnung Abschnitt 8, grundsätzlich, dass diese nicht von Kraftfahrzeugführern befahren werden sollten, solange das möglich ist. Sie dürfen auf sie ausweichen, sollten sie einem Hindernis begegnen oder die Straße zu eng sein, solange kein Radfahrer behindert werden kann. Es gilt ein absolutes Halteverbot und Radfahrer dürfen, besonders bei Stillstand, rechts überholen.

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Da die meisten Nutzer des Fahrradstreifens Jugendliche sind, sieht der Jugendbeirat es in seiner Pflicht, etwas zu unternehmen

“Der Fahrradstreifen ist leider durch fehlendes Bewusstsein der Autofahrer kaum sinnvoll nutzbar", kritisierte Leopold Hamm (18), Mitglied des Jugendbeirats. Das sei vor allem für die Jugend in den Stoßzeiten der An- und Abreise der Schule ein Problem, da dort kein effizientes Vorankommen möglich sei und Schüler dadurch behindert würden.

Auch die stellvertretende Vorsitzende Mia Neff (18) äußerte sich. Sie erinnerte sich, während ihrer Fahrausbildung explizit gelernt zu haben, dass auf der Hauptstraße genug Platz für zwei PKWs sei, auch wenn beide den Fahrradschutzstreifen frei ließen. Beide Stimmen fanden Zustimmung und brachten einen Wunsch nach Besserung zum Ausdruck.

Der Jugendbeauftragte des Tutzinger Gemeinderats, Claus Piesch, konnte die Frustration nachvollziehen. Ein Projekt zur Unterstützung der Sicherheit für Personen, die mit Fahrrädern unterwegs sind, würde er begrüßen.

Da die meisten Nutzer des Fahrradstreifens, vor allem zu Stoßzeiten, Jugendliche sind, sieht der Jugendbeirat es in seiner Pflicht, etwas zu unternehmen. Der aktuelle Plan soll vor allem durch Aufklärung eine Verbesserung erzielen. Dabei soll es Banner, vielleicht auch Flyer geben. Wenn möglich, plant der Jugendbeirat eine Kooperation mit der Polizei und den Tutzinger Schulen.

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Jugendbeirat Tutzing

Der Jugendbeirat Tutzing ist das Gremium, das die Jugendlichen in Tutzing gegenüber dem Gemeinderat vertritt und mittels Anträgen, Rederecht und Projekten die politische Landschaft mitgestalten kann.

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Kommentare

Prima, dass sich der Jugendbeirat des Themas annimmt, wer den Schutzstreifen täglich nutzt, sieht sehr genau, wo es hakt. Als Anregung für weitere Überlegungen: Ergänzend zu Bannern und Flyern ließen sich vielleicht auch feste Hinweisschilder vorstellen, ähnlich wie die Schilder zum 1,5 Meter Überholabstand.
Ich möchte den Jugendlichen ausdrücklich Mut machen: Ich bin derzeit in Dänemark und es ist eine tägliche Freude zu sehen, wie fest dort Rücksicht im Straßenverkehr verankert ist – Autofahrer achten auf Radfahrer, Radfahrer auf Fußgänger. Einige Kommentare verfangen sich zu sehr in alten Feindbildern und sind wenig hilfreich. Hier versuchen Jugendliche, vor Ort die Situation zu verbessern. Mir fällt kein Grund ein, dieses Vorhaben nicht zu unterstützen und positives Feedback zu geben.
Es fällt auf, dass alle Kommentare einem ähnlichen Muster folgen: Auf eine kurze Zustimmung folgt die sofortige Relativierung. Mal wird die Sprache des Jugendbeirats kritisiert statt sein Anliegen, mal wird das Rollen-Karma aller Verkehrsteilnehmer beschworen, mal werden die Radfahrer ins Spiel gebracht. Das Ergebnis ist in allen Fällen dasselbe: Der Leser soll den Eindruck gewinnen, alles sei zu komplex, alle seien gleich schuldig, Veränderung ohnehin aussichtslos – und der Jugendbeirat solle bitte nicht so pauschal urteilen.

Das ist rhetorisch geschickt, inhaltlich aber substanzlos. Der Artikel beschreibt einen räumlich und rechtlich klar definierten Sachverhalt. Dass ein Fahrradschutzstreifen regelmäßig falsch befahren wird, Halten darauf verboten ist, und Jugendliche, die dort täglich zur Schule fahren, das als reale Gefährdung empfinden. Darauf mit Sisyphos-Zitaten und dem Verweis auf die ewig unveränderliche menschliche Natur zu antworten, ist keine Auseinandersetzung mit dem Problem, sondern der Versuch, eine praktische Initiative in philosophische Watte zu packen, bis sie erstickt wurde.

Die Kommentare richten sich nicht gegen eine falsche Behauptung, sondern gegen die die Initiative selbst. Denn der Jugendbeirat formuliert keine Anklageschriften, sondern er geht ins Handeln, indem er Banner und Flyer plant. Doch schon diesem bescheidenen Schritt ins Handeln schlägt ein Schwall resignativen Weisheitsgestus' entgegen, dessen Subtext lautet: Wir wissen es besser, weil wir wissen, dass sich ohnehin nie irgendetwas verändert.

Die Jugendlichen, die sich hier engagieren, werden mit den Missständen der Gegenwart noch Jahrzehnte leben müssen. Die Haltung, gesellschaftliche Verbesserung sei „metaanalytisch fast sinnlos", mag abgeklärt wirken. Als Antwort an Jugendliche, die ihren Lebensraum sicherer machen wollen, ist sie nicht nur demoralisierend, sondern im Grunde von echter Gegnerschaft kaum zu unterscheiden.
(Bearbeitet)
Das Bild ist eine kleine Spitze von mir. So als Antwort auf die bösen Autofahrer, die keine Regeln kennen.
(Bearbeitet)
Geiles Foto zur Einstimmung ... zu zweit auf dem E-Scooter!
Aber die Böses bleiben natürlich DIE AUTOFAHER.
So ist eben der aktuelle Mainstream.
(Bearbeitet)
Grundsätzlich begrüße ich die Initiative des Jugendbeirats.

Kritisch sehe ich jedoch die pauschale Aussage, „die meisten Autofahrer“ würden sich falsch verhalten – solche Verallgemeinerungen schaffen eher Feindbilder als Lösungen.

Die Regeln der Straßenverkehrs-Ordnung sind klar, aber auch differenziert. Entscheidend ist gegenseitige Rücksichtnahme – nicht Schuldzuweisung.

Und bevor man einseitig mit dem Finger zeigt: Wer ohne Fehlverhalten ist, werfe den ersten Stein.
(Bearbeitet)
Jeder von uns hier hält sich natürlich 100%ig an die Regeln im Straßenverkehr.

Aber: Der Jugendbeirat sollte zur Kenntnis nehmen, dass oft Theorie und Praxis bei vielen Verkehrsteilnehmern zwei unterschiedliche Schuhe eines Paares sind.

Ein und dieselbe Person sieht es aus der jeweiligen Rolle heraus und täglich zu beobachten, fast immer nur egobezogen:

Als Radfahrer schimpft man auf Autofahrer; als Autofahrer kritisiert man die Radfahrer.

Zu versuchen, daran gesellschaftlich etwas zu ändern, erscheint "metaanalytisch" fast sinnlos. Sisyphos winkt kopfnickend vom Olymp.
Es gilt immerfort und wohl in alle Ewigkeit die philosophische Erkenntnis: "Das Sein bestimmt das Bewusstsein" . LEIDER.
Sehr gute Idee! Fehlverhalten gibt es aber auch bei Fahrradfahrern. Deshalb bitte bei der Aufklärung die Regeln für die Fahrradfahrer nicht vergessen.
(Bearbeitet)