Von Jugendbeirat Tutzing

Elly-Ney-Straße soll "Am Pfaffenberg" heißen

Jugendbeirat fordert Umbenennung - Debatte im Gemeinderat am kommenden Dienstag

Der Tutzinger Jugendbeirat fordert durch einen Antrag im Gemeinderat, die Elly-Ney-Straße aufgrund der nationalsozialistischen Vergangenheit der Künstlerin Ney in „Am Pfaffenberg“ umzubenennen und dort eine Informationssäule aufzustellen.

Antisemitin, Antidemokratin und Hitler-Anhängerin

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Elly Ney lebte von 1929 bis zu ihrem Tod 1968 in Tutzing

Eine Münchner Expertenkommission empfahl der Stadt München jüngst die Umbenennung der dortigen Elly-Ney-Straße. Der Jugendbeirat sieht sich dadurch in seiner länger bestehenden Haltung bestätigt: Eine Elly-Ney-Straße in Tutzing kann nicht verantwortet werden.

Elly Ney trat bereits 1937 in die NSDAP ein, erhielt später das Kriegsverdienstkreuz und wurde in die „Gottbegnadetenliste“ aufgenommen. Sie lobte Hitler öffentlich und bekannte sich dazu, mit ihrer Musik Teil der NS-Propaganda sein zu wollen. Sie trat vor dem „Generalgouvernement“ in Polen auf und zeigte ihre antisemitische Haltung öffentlich, indem sie etwa Auftritte mit jüdischen Künstlern verweigerte oder deren „Ausschaltung“ forderte. Elly Ney war also keine bloße Mitläuferin, sondern aktive Unterstützerin der NS-Herrschaft. „Durch ihre Musik war sie Propagandistin des Regimes“, betont Paul Friedrich, der erster Vorsitzender des Tutzinger Jugendbeirats war: „Sie hat sich nie glaubwürdig vom NS-Regime distanziert."

Ney war Künstlerin, sie lebte von 1929 bis zu ihrem Tod 1968 in Tutzing. Daher rührt die ursprüngliche Straßenbenennung. „Ihre NS-Vergangenheit wirkt so schwer, dass andere Verdienste ihr Fehlverhalten nicht ausgleichen können“, sagt Yannick Schoening, Mitglied des Jugendbeirats. Eine Straße nach einer Antisemitin, Antidemokratin und Hitler-Anhängerin zu benennen und ihr damit eine Ehre Teil werden zu lassen, lehnt der Jugendbeirat deshalb ab. Der Jugendbeirat sieht sich dabei neben dem erwähnten Münchner Gutachten auch von Experten bestätigt, die sich bereits 2009 äußerten.

Keine neue, dafür eine umso wichtigere Diskussion

Damals wurde die Diskussion um die Umbenennung der Elly-Ney-Straße unter Bürgermeister Dr. Stephan Wanner schon einmal intensiv geführt. Dort entschied sich der Gemeinderat gegen eine Umbenennung. Der Jugendbeirat Tutzing hält dies für einen Fehler, den es zu korrigieren gilt. Er fordert nun im Antrag, die Straße in „Am Pfaffenberg“ umzubenennen. Da es sich um eine Privatstraße handelt, ist ohnehin nur diese Namensentzug möglich.

Dass mit der Umbenennung für die Anwohner Aufwand einhergeht, ist dem Jugendbeirat bewusst. Er war deshalb in der Elly-Ney-Straße unterwegs und hat die Anwohnerinnen und Anwohner befragt. „Während wir auch kritische Stimmen gehört haben, stellen sich die meisten Anwohner einer Umbenennung nicht entgegen. Einige unterstützen unser Anliegen sogar“, erklärt Tobias Möller, Mitglied des Jugendbeirats. „Der Aufwand muss es uns aber auch wert sein. Die Ehrung einer NS-Unterstützerin durch eine Straßenbenennung ist mit unserem Verständnis für Demokratie, Toleranz und Vielfalt nicht vereinbar“, sagt Tim Terbrack, der Vorsitzende des Tutzinger Jugendbeirats, ergänzend.

Um die Geschichte nicht „auszuradieren“, möchte der Jugendbeirat im Zuge der Umbenennung aus eigenem Budget eine Informationssäule aufstellen lassen, um an die Historie von Straße und Person zu erinnern.

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„Klares Zeichen für Vielfalt, Toleranz und Demokratie"

Auch in Pöcking wurde unlängst eine Straße umbenannt, Herrsching diskutiert darüber. Es handelt sich also um eine Frage, die aktuell viele Gemeinden beschäftigt. Dies kommt nach Ansicht des Jugendbeirates nicht von ungefähr. „Denn in Zeiten, in denen Rechte und rechtsextreme Parteien an Zuspruch gewinnen, ist ein klares Zeichen für Vielfalt, Toleranz und Demokratie wichtig“, sagt Tim Terbrack.

Schon länger beschäftigt sich der Tutzinger Jugendbeirat mit der Vergangenheit der eigenen Gemeinde, insbesondere zur Zeit des nationalsozialistischen Regims. So organisierte er im vergangenen Herbst eine Veranstaltung zur Entwicklung der NSDAP im Landkreis Starnberg mit Kreisarchivarin Dr. Friederike Hellerer. Ebenso fordert er eine ganzheitliche Aufklärung der nationalsozialistischen Vergangenheit Tutzings, denn während andere Gemeinden wie die Nachbargemeinden Feldafing und Pöcking durch wissenschaftliche Untersuchungen ihre Geschichte aufgearbeitet haben, fehlt ein solcher Prozess in Tutzing bisher. „Wir möchten Tutzings Vergangenheit auf wissenschaftlicher Basis und mit breiter Bürgerbeteiligung aufarbeiten“, erklärt deshalb der Vorsitzende Tim Terbrack. Hierfür soll die nun im Gemeinderat eingebrachte Straßenumbenennung ein erster Schritt sein.

Für diese Umbenennung hat der Jugendbeirat eine rechtlich nicht bindende Petition erstellt. Dort unterschrieben bereits zahlreiche Menschen und unterstützen den Antrag. Das ist auch weiterhin unter folgendem Link möglich: https://www.openpetition.de/petition/online/fuer-die-aufarbeitung-der-ns-geschichte-tutzings-fuer-die-umbenennung-der-elly-ney-strasse

Weitere Informationen zum Antrag und der Motivation des Jugendbeirats finden sich unter: https://www.jugendbeirat-tutzing.de/elly-ney

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Jugendbeirat Tutzing

Der Jugendbeirat Tutzing ist das Gremium, das die Jugendlichen in Tutzing gegenüber dem Gemeinderat vertritt und mittels Anträgen, Rederecht und Projekten die politische Landschaft mitgestalten kann.

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Kommentare

Der Jugendbeirat in Tutzing ist engagiert und mutig! Bravo!

Die Zukunft der Gemeinde gehört der Jugend und wir können sehr froh sein, dass wir junge Menschen in unsere Gemeinde haben, die Verantwortung übernehmen und sich einbringen!

Denkmäler werden aufgestellt, Straßen werden nach Personen benannt, weil die nächsten Generationen sich ihrer Erinnern sollen.
Diese Personen können mit ihrem Wirken ein Vorbild für andere sein.
Das Andenken soll wo möglich, andere positiv inspirieren.

Elly-Ney ist aber kein Vorbild!
Sie ist ein abschreckendes Beispiel, für das unbedingte Anbiedern an die verbrecherische Macht der Nazis.

Das in Tutzing ein Straße nach ihr benannt wurde und eine Büste von ihr an der Brahmspromenade steht, war ein Fehler.
Fehler passieren, wichtig ist, dass diese richtig erkannt, aufgearbeitet und korrigiert werden.

Deshalb die Bitte an Alle, unterstützen Sie die Petition!

Herzlichen Dank an den Jugendbeirat!
Weiter so! Ihr müsst nicht warten, bis Ihr alt werdet um im Sinne Tutzings aktiv zu sein ;-)
(Bearbeitet)